2015 – Das
Jubiläumsjahr
der SMG


2015 – Das
Jubiläumsjahr
der SMG


Benedict Zemp , 21.01.2015

Dieses Jahr feiert die 
Schweizerische Musikforschende Gesellschaft ihren hundertsten Geburtstag und gedenkt diesem Jubiläum in vier
Tagungen zur Musikgeschichte der Schweiz in Bern, Basel,
Lugano und Genf.


Im Jahr 1915, nach der kriegsbedingten Auflösung der Internationalen Musikgesellschaft, wie sie ursprünglich genannt wurde, machte sich deren Schweizer Sektion selbständig. Obwohl die Schweiz schon vorher vereinsmässig Musikforschung betrieben hatte – die heutige Basler Sektionen der SMG wurde bereits 1899 als Schweizer Ortsgruppe der Internationalen Musikgesellschaft gegründet –, gilt dies heute als offizielles Gründungsjahr des Vereins. Im Rahmen von vier Jubiläumsveranstaltungen, welche die SMG-Sektionen in den verschiedenen Sprachregionen abhalten, werden Themen wie Identität, Interkonfessionalität sowie Herausforderungen im Umgang mit Quellen und der Musikhistoriographie behandelt. 


«Das schweizerische Musikwesen im frühen 19. Jahrhundert»


Auftakt der Veranstaltungsreihe bildet eine Tagung am 6. und 7. Februar 2015 in Bern, die das schweizerische Musikwesen im frühen 19. Jahrhundert in den Fokus nimmt. Dieses sticht aus einer musikhistoriographischen Perspektive durch einen enormen Aufschwung musikalischer Aktivitäten hervor. Die Formen bestehender Musikpflege hatten sich im Zuge der politischen und gesellschaftlichen Umwälzung des späten 18. Jahrhunderts entscheidend verändert und brachten neue Zweige der Musikpraxis zum Entstehen. Während das erste Panel die Schweizer Persönlichkeit Hans Georg Nägeli ins Zentrum stellt, richtet der zweite Tagungsteil den Blick aus einer transnationalen Perspektive auf das schweizerische Musikwesen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.


Hans Georg Nägeli


Eine der prägendsten und vielseitigsten Persönlichkeiten des schweizerischen Musiklebens jener Epoche ist der im Kanton Zürich geborene Verleger, Komponist, Musikpädagoge und Musikschriftsteller Hans Georg Nägeli. Im Fokus der Tagung stehen vor allem sein musikpädagogisches Wirken und seine Musiktheorie und –ästhetik. Nach einer kurzen Skizze der Tendenzen, Probleme und Desiderate der Nägeli-Forschung (Miriam Roner) wird Nägelis Konzept der «Kunstbildung» vorgestellt, das, konkretisiert in der «Gesangbildungslehre» von 1810, die höchstmögliche Entfaltung der «Anschauung» als Erkenntnisinstrument zur Erfassung von Kunstwerken zum Ziel hat (Eckhard Nolte). Die vielfältigen Anknüpfungspunkte an die Pädagogik Pestalozzis, aber auch Besonderheiten des Nägelischen Lehrwerks erhellt eine Auseinandersetzung mit den Charakteristika der Pestalozzischen «Methode» (Daniel Tröhler). Thomas Kabisch erläutert, inwiefern sich Nägelis Musikverständnis gerade in seiner Virtuositäts-Theorie präzisiert und sich seine Mozart-Kritik mitnichten damit begründen lässt, dass Nägeli schlichtweg einen grossen Komponisten verkannt hat. Der erste Tagungsteil schliesst mit einer Untersuchung der «Gesangbildungslehre für den Männerchor» (1817) von Michael Traugott Pfeiffer und Hans Georg Nägeli im Kontext politischer Umbrüche sowie gesellschaftlicher und (musik)kultureller Neuorientierungen (Friedhelm Brusniak).


Transnationale Perspektiven auf das Musikwesen der Schweiz


Im Fokus des zweiten Panels stehen die vielfältigen Interaktionsprozesse inländischer und ausländischer Kräfte, die das schweizerische Musikwesen und die Auseinandersetzung mit der Schweiz in der Musik beförderten. Philipp Küsgens untersucht im ersten Beitrag die unterschiedliche Integrationskraft von Musikorganisationen als Netzwerke des Musiklebens in der Schweiz. Darauf beschreibt David Koch die Berufung des in Altdorf geborenen und in England tätigen Komponisten, Organisten und Chorleiters Gustav Arnold zum städtischen Musikdirektor Luzerns und dessen Bedeutung für die Entwicklung des Musiklebens in der gesamten Zentralschweiz. Thomas Schibli untersucht am Beispiel Lenzburgs die beruflichen Stationen ausländischer Musikschaffender in der Schweiz und ihren Einfluss auf das lokale Musikleben, bevor sich Irène Minder-Jeanneret den räumlichen Einflüssen auf die Musik der Genfer Komponistin Caroline Boissier-Butini widmet. Ganz zum Schluss der Vortragsreihe beschäftigt sich Mathieu Schneider mit der Rezeption der Schweiz in der Musik der angrenzenden Länder am Beispiel Franz Liszts. Er untersucht anhand von Zitaten in Liszts Werken dessen Umgang mit Schweizer Themen und ihre programmatische Rolle als Träger einer im Ausland rezipierten Schweizer Identität. 


Das detaillierte Tagungsprogramm kann auf der Webseite www.smg-ssm.ch heruntergeladen werden. Die Informationen zu den weiteren Jubiläumssymposien in Basel, Genf und Lugano werden rechtzeitig auf dieser Verbandsseite und auf der Webseite bekannt gegeben. Die Veranstaltungen der Universitätsinstitute, die bisher in der Februarsnummer publiziert wurden, konnten diesmal nicht berücksichtig werden, da die Anzahl von Ausgaben der SMZ verringert worden ist.

VERANSTALTUNGEN / CONFÉRENCES

DIE SMG IM ÜBERBLICK

ZENTRALPRÄSIDIUM / PRÉSIDENCE CENTRALE
Prof. Dr. Cristina Urchueguía
Institut für Musikwissenschaft der Universität Bern
Mittelstrasse 43, 3012 Bern
+41 (0)31 631 83 96
cristina urchueguia (at) musik unibe ch

SEKTIONEN / SÉCTIONS
Basel: PD Dr. Martin Kirnbauer
Schweizerische Musikforschende Gesellschaft
Ortsgruppe Basel, 4000 Basel
Berne: Prof. Dr. Cristina Urchueguía
Institut für Musikwissenschaft
Mittelstrasse 43, 3012 Bern
Luzern: Prof. Dr. Felix Diergarten
Obfalken 60, 6030 Ebikon
St. Gallen/Zürich: Dr. Michael Meyer, Musikwissenschaftliches Institut,
Florhofgasse 11, 8001 Zürich
Suisse romande: PD Dr. Ulrich Mosch, Université de Genève, Faculté des Lettres, Uni Bastions, rue De-Candolle 5, 1211 Genève 4
Svizzera italiana: Carlo Piccardi, 6914 Carona
Zürich: Prof. Dr. Dominik Sackmann 
Zürcher Hochschule der Künste
Pfingstweidstrasse 96, 8031 Zürich

 

 

GESCHÄFTSSTELLE /SÉCRETARIAT
Benedict Zemp, MA
Institut für Musikwissenschaft
Mittelstrasse 43, 3012 Bern
+41 (0)31 631 50 34, info (at) smg-ssm ch

INTERNET
www.smg-ssm.ch