Eine Musiksammlung im Portrait


Eine Musiksammlung im Portrait


Urs Fischer , 20.05.2015

Die 1971 als selbständige 
Abteilung ins Leben gerufene Musikabteilung der 
Zentralbibliothek Zürich 
ist eine von fünf 
Spezialsammlungen des 
Hauses und befindet sich seit 1996 im Chor der 
Predigerkirche.


Im Folgenden seien die Bestände und die Aufgaben der Musikabteilung in knappen Umrissen nachgezeichnet.


Zürichs musikalisches 

Gedächtnis


Im Gründungsjahr 1971 war bereits ein bedeutender Grundstock an Musikalien vorhanden, obwohl zuvor nicht systematisch gesammelt wurde. Zu erwähnen sind hier die Bestände der 1629 gegründeten Stadtbibliothek (kostbare Notendrucke des 16. und 17. Jahrhunderts) und der Bibliothek des ehemaligen Chorherrenstifts zum Grossmünster, die 1835 zur Kantons- und Universitätsbibliothek umfunktioniert wurde. Zur Kantonsbibliothek gehörten insbesondere wertvolle liturgische Musikhandschriften und Musikbücher des 1863 aufgelösten Klosters Rheinau.


Einen weiteren wichtigen Pfeiler der Musikabteilung bildet die Bibliothek der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich (AMG), die als Dauerdepositum seit 1917 in der ZB liegt. Die AMG, die 1812 aus den zürcherischen Musikkollegien des 17. und 18. Jahrhunderts hervorgegangen ist, war bis zur Gründung der Tonhalle-Gesellschaft 1867 für das Konzertleben Zürichs weitgehend verantwortlich und unterhielt ein eigenes Orchester. Ihr berühmtester Dirigent war Richard Wagner, der von 1850 bis 1855 regelmässig gastierte und dem Zürcher Musikleben dauerhafte Impulse gab. Neben Notendrucken des 17. und 18. Jahrhunderts von geistlicher und weltlicher Vokal- und Instrumentalmusik sind aus den AMG-Beständen insbesondere Aufführungsmaterialien des 19. Jahrhunderts zu erwähnen. Wagners Aufenthalt in Zürich von 1849 bis 1858 bildet auch Ausgangspunkt für die Wagneriana-Sammlung der ZB, die mittlerweile zu den grössten der Welt gehört. 


Nach und nach konnte die Musikabteilung weitere Zürcher Bibliotheken unter ihrem Dach vereinigen. 1978 kam Musikalienbibliothek des Aktientheaters (heute Opernhaus), eine bedeutende Sammlungen von Opern und Operetten aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, in ihre Obhut. 1999 konnte sie die alten Notenbestände des Konservatoriums und des Tonhalle-Orchesters übernehmen. Darin enthalten sind viele Handschriften von Zürcher Komponisten, sowie Erst- und Frühausgaben von Werken Richard Wagners, Franz Liszts und vieler anderer. Zusammenfassend sei festgehalten, dass heute die wertvollsten historischen Musikbestände aus dem Raum Zürich – insgesamt 15 Körperschaftsarchive und -Bibliotheken auf etwa 600 Laufmetern – in der Zentralbibliothek der Forschung und der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.


Ein weiterer Aufgabenbereich besteht in der Aufbewahrung von Nachlässen von Komponisten, Musikern und Musikwissenschaftlern hauptsächlich schweizerischer Provenienz. Zum Bestand gehören mittlerweile über hundertachtzig Nachlässe. Zu erwähnen sind hier etwa aus dem 19. Jahrhundert Franz Xaver Schnyder von Wartensee und Hans Georg Nägeli, aus dem 20. Jahrhundert Othmar Schoeck, Heinrich Sutermeister und Wladimir Vogel, dann die Dirigenten Friedrich Hegar, Volkmar Andreae, Paul Kletzki und Wilhelm Furtwängler sowie die Musikwissenschaftler Willi Schuh und Theo Hirsbrunner.


Einen spannenden Schwerpunkt weisen die Bestände im Bereich der sogenannten leichten Muse auf. Hierzu gehören die Nachlässe und Sammlungen von Persönlichkeiten, die vor allem über den Rundfunk und die Operetten- und Cabaret-Szene bekannt geworden sind. In erster Linie ist hier Paul Burkhard, der Schöpfer des Schwarzen Hechts zu erwähnen. 


Auftrag als 

Universitätsbibliothek


Bei all diesen zweifellos wichtigen und attraktiven Facetten darf das vordergründige Kerngeschäft, die Pflege und der Ausbau der Sammlung von Musikbüchern, Musikalien und Tonträgern nicht vergessen werden. Im Bereich der Musikbücher wird in erster Linie musikwissenschaftliche Literatur in einer umfassenden Auswahl vornehmlich in deutscher, englischer, französischer und italienischer Sprache angeschafft. Bei den Musikalien liegt der Fokus auf Gesamtausgaben, Studienpartituren und Kammermusik in praktischen Ausgaben. Im Lesesaal stehen als Präsenzbibliothek ca. 1500 Enzyklopädien, Werkverzeichnisse, Bibliographien, Kataloge anderer Bibliotheken und weitere Nachschlagewerke. Gleichenorts befindet sich auch die Tonträgersammlung mit ca. 29 000 LP und 9000 CD, die in einem separaten Abhörraum konsultiert werden können. Von den ca. 100 000 gedruckten Musikalien sind etwa 2/3 ausleihbar.


Vermittlung


Die Bestände, insbesondere jene Musikalien, die ausschliesslich in der Zentralbibliothek greifbar sind (Autographen, frühe Drucke) sollen nicht nur sachgerecht verpackt in klimatisierten Räumen ruhen, sondern durch Editionen, Konzerte und Einspielungen auf Tonträgern der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. So erscheinen in unregelmässiger Folge CDs mit Musik aus der ZB, die durch Drittmittel finanziert werden. Im Weiteren profiliert sich die ZB seit bald 15 Jahren mit einem eigenen Konzertzyklus: Die «Mittagsmusik im Predigerchor». An etwa 7 Konzerten pro Saison bietet sich die Gelegenheit, Musik aus ZB-Beständen zu hören.

VERANSTALTUNGEN / CONFÉRENCES

DIE SMG IM ÜBERBLICK

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cristina urchueguia (at) musik unibe ch

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Schweizerische Musikforschende Gesellschaft
Ortsgruppe Basel, 4000 Basel
Berne: Prof. Dr. Cristina Urchueguía
Institut für Musikwissenschaft
Mittelstrasse 43, 3012 Bern
Luzern: Prof. Dr. Felix Diergarten
Obfalken 60, 6030 Ebikon
St. Gallen/Zürich: Dr. Michael Meyer, Musikwissenschaftliches Institut,
Florhofgasse 11, 8001 Zürich
Suisse romande: PD Dr. Ulrich Mosch, Université de Genève, Faculté des Lettres, Uni Bastions, rue De-Candolle 5, 1211 Genève 4
Svizzera italiana: Carlo Piccardi, 6914 Carona
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Zürcher Hochschule der Künste
Pfingstweidstrasse 96, 8031 Zürich

 

 

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