Ein Musiklexikon für die Schweiz 
Das MLS in Zahlen

Das MLS in Zahlen

07.01.2017

Im Frühjahr 2013 hat die Initiantin Irène Minder-Jeanneret Vertreter und Vertreterinnen aus Musikbetrieb, Forschung und Lexikographie zu einem Brainstorming eingeladen. Daraus entstand eine Kerngruppe, die ein Konzept für ein online-Musiklexikon der Schweiz erarbeitet hat. Dieses ist nun umsetzungsfähig.

Aufschaltung erster Inhalte: Sommer 2017 (bestehende Musiklexika, digitalisiert)

Anzahl Artikel:

ca. 5000 biografische Artikel; danach Sach- und Ortsartikel

Sprachen:

Pilotphase: alle Autoren schreiben in der eigenen Sprache.

Endprodukt: DE, FR, IT, EN

Musiksparten (Gattungen):

Alle, ohne Ausnahme

Henry Hope, Benedict Zemp — Treibende Kräfte sind dabei Cristina Urchueguía, Präsidentin der Schweizerischen Musikforschenden Gesellschaft, Marco Jorio, ehemaliger Chefredaktor des Historischen Lexikons der Schweiz (HLS), Stefano Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Musikrats, Stefanie Stadler Elmer, Dozentin für Entwicklungspsychologie und Musikdidaktik, und Pio Pellizzari, Leiter der Schweizer Nationalphonothek.

Liebe Irène, woher stammt die Idee des MLS?

Die Idee entstammt einem ganz konkreten Bedürfnis: Wer – wie ich – zu Musik, Musiker und Musikerinnen in der Schweiz forscht weiss, dass das bestehende Wissen hierzu äusserst lückenhaft und über weite Strecken veraltet ist.

Wie ist dieses Projekt organisiert bzw. wer sind dessen Träger?

Der Schweizer Musikrat hat 2016 die Schweizerische Musikforschende Gesellschaft beauftragt, ein Musiklexikon der Schweiz zu erarbeiten. Das MLS ist somit zum Anliegen sämtlicher 700 000 in 54 Vereinen zusammengeschlossenen Mitglieder des Musikrats geworden.

Ist das Konzept eines Lexikons nicht etwas veraltet – und noch dazu zum Thema «Musik» und nur bezogen auf die Schweiz? Wozu brauchen wir das MLS und an wen richtet sich das Projekt?

Das MLS ist durchaus zukunftsträchtig: neue Inhalte werden laufend aufgeschaltet und die Textartikel werden mit Noten- sowie Bild- und Audio-dateien ergänzt. Selbstverständlich werden die Inhalte mit anderen Datenbanken vernetzt. Was das Thema «Musik in der Schweiz» anbelangt: das neueste Nachschlagewerk wurde anlässlich der Expo 1964 veröffentlicht und bezieht sich in erster Linie auf damals aktive Musiker und Musikerinnen. Es ist somit höchste Zeit, dass wir die noch zahlreichen verborgenen musikalischen Schätze und Leistungen aus der Versenkung heben und für die heutige Musikpraxis zugänglich machen! Das Chormitglied, z.B., soll kurz vor der Probe auf seinem Handy lesen können, wer Gustave Doret ist und welches die Eigenschaften seiner Musik sind, oder was Ziel und Zweck der «Röseligarte-Lieder» waren.

Gibt es Vorbilder, an denen sich das Projekt orientiert, und gibt es Kooperationen mit anderen Lexika-Projekten?

Dass das MLS mit dem HLS kompatibel sein sollte, war von Anfang an klar. Wir haben zudem Kontakte zu den ausländischen online-Lexika.

Was sind die Vorteile eines digitalen, online-verfügbaren Lexikons gegenüber der Druckfassung?

Als Vorteil gestaltet sich ganz klar die zeitliche und räumliche Unmittelbarkeit und Zugänglichkeit der Informationen. An der Universität Bern haben Praktikanten und Pratikantinnen bereits damit begonnen, die bestehenden Nachschlagewerke zur Musik in der Schweiz zu digitalisieren. Sowohl die am MLS Mitarbeitenden als auch die Interessierten weltweit werden ab 2017 zeitgleich Zugriff zu denselben, laufend aktualisierten Informationen haben. Aus den anfänglichen einzelnen Mosaiksteinchen wird somit über die Jahre eine immer dichtere und detailgetreuere Gesamtdarstellung der Musik in der Schweiz entstehen, die dann z.B. in Form von Themenheften auch in gedruckter Form erscheinen wird.

Wie soll die Öffentlichkeit in dieses Projekt miteinbezogen werden? Wie kann man sich beteiligen?

Das MLS ist ein Nachschlagewerk von der Musikpraxis für die Musikpraxis. In anderen Worten: die eingangs erwähnten Vereine und ihre Mitglieder werden zur aktiven Mithilfe eingeladen. Ohne sie geht gar nichts. Das MLS versteht sich somit auch als Katalysator und Initialzündung für die Geschichtsschreibung der einzelnen Musikvereine. Wir vom MLS werden Interessierte einführen und begleiten.

Wo liegen die Schwierigkeiten bei der Umsetzung dieses Projekts?

Ich sehe drei Hauptschwierigkeiten: erstens die Weitläufigkeit; das MLS muss gleichzeitig das bestehende Wissen den heutigen Kriterien entsprechend ergänzen, gleichzeitig aber auch neue Biografien von Musiker und Musikerinnen erarbeiten, die durch die Geschichtsschreibung vernachlässigt wurden. Zweitens der Föderalismus. Kultur ist Angelegenheit der Kantone und daher müssen entsprechend viele Kontakte geschmiedet werden, um für unser Projekt Begeisterung – und Finanzen – zu generieren. Drittens muss das MLS der Schweiz aufzeigen, dass auch sie einen massgeblichen Beitrag zum musikalischen Reichtum beigetragen hat. Sowohl die erste Dirigentin am Pult der Berliner Philharmoniker – die Bündnerin Sylvia Caduff – als auch die erste Orchestermusikerin im selben Ensemble – die Walliserin Madeleine Carruzzo – sind Schweizerinnen. Zudem sind wir weltweit das Land mit der grössten Dichte an Musikfestivals. Wenn das nicht der Beweis für die hohe Qualität des Schweizerischen musikalischen Nährbodens ist!

VERANSTALTUNGEN / CONFÉRENCES

DIE SMG IM ÜBERBLICK

ZENTRALPRÄSIDIUM / PRÉSIDENCE CENTRALE
Prof. Dr. Cristina Urchueguía
Institut für Musikwissenschaft der Universität Bern
Mittelstrasse 43, 3012 Bern
+41 (0)31 631 83 96
cristina urchueguia (at) musik unibe ch

SEKTIONEN / SÉCTIONS
Basel: PD Dr. Martin Kirnbauer
Schweizerische Musikforschende Gesellschaft
Ortsgruppe Basel, 4000 Basel
Berne: Prof. Dr. Cristina Urchueguía
Institut für Musikwissenschaft
Mittelstrasse 43, 3012 Bern
Luzern: Prof. Dr. Felix Diergarten
Obfalken 60, 6030 Ebikon
St. Gallen/Zürich: Dr. Michael Meyer, Musikwissenschaftliches Institut,
Florhofgasse 11, 8001 Zürich
Suisse romande: PD Dr. Ulrich Mosch, Université de Genève, Faculté des Lettres, Uni Bastions, rue De-Candolle 5, 1211 Genève 4
Svizzera italiana: Carlo Piccardi, 6914 Carona
Zürich: Prof. Dr. Dominik Sackmann 
Zürcher Hochschule der Künste
Pfingstweidstrasse 96, 8031 Zürich

 

 

GESCHÄFTSSTELLE /SÉCRETARIAT
Benedict Zemp, MA
Institut für Musikwissenschaft
Mittelstrasse 43, 3012 Bern
+41 (0)31 631 50 34, info (at) smg-ssm ch

INTERNET
www.smg-ssm.ch