Miriam Roner im Interview

Miriam Roner im Interview

21.08.2018

Die SMG verleiht den Handschin-Preis 2018 an die Musikwissenschaftlerin Dr. des. Miriam Roner, die von 2013 bis 2015 an der Universität Bern im Forschungsprojekt Klingendes Selbstbild und Schweizer Töne tätig war.

Benedict Zemp — Die Preisverleihung findet am 29. Oktober im Rahmen der Hauptversammlung der SMG an der Universität Bern statt, wo Miriam Roner 2016 promoviert wurde.

Miriam Roner, was bedeutet der Handschin-Preis für dich?

Etwas pathetisch geantwortet: Ehre und Verpflichtung. Für mich kommen in der Verleihung nicht nur Anerkennung und Ermunterung für meine Arbeit und Person zum Ausdruck. Die SMG macht sich mit der Entscheidung auch für ein Forschungsfeld und für Fragestellungen stark, die abseits aktueller Trends liegen.

Warum hat sich bisher niemand umfassend mit Hans Georg Nägeli auseinandergesetzt?

Die Schweizer Musikwissenschaft interessiert sich schon seit langem für Nägeli – und hat dabei durchaus Problembewusstsein entwickelt. Schon in den 1930er Jahren kamen Edgar Refardt, Georg Walter und Rudolf Hunziker zu dem Schluss, dass Nägeli in keine der vielen verschiedenen Schubladen passen will, in die man ihn zu stecken versucht hatte. Schwierigkeiten bereitete Nägelis Vielseitigkeit, aber auch, dass er sich für Ziele einsetzte, die schwer auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen sind. Einerseits war Nägeli ein Verfechter der Musik als autonomer Kunst, andererseits engagierte er sich für eine soziale Praxis der Musik, in der sie als Mittel der Menschenbildung funktionale Bindungen einging. In meiner Dissertation habe ich diese Schwierigkeiten offensiv zu wenden versucht und die These vertreten, dass künstlerische Autonomie und soziale Funktion von Musik sich nicht wechselseitig schwächen oder gar ausschließen, sondern, sofern Autonomie dynamisch gefasst wird, als Autonomisierung, ergänzen.

Was hat dich am Wirken von Hans Georg Nägeli fasziniert bzw. interessiert?

Etwas flapsig formuliert: Nägeli traut sich was. Er denkt Vokal- und Instrumentalmusik zusammen, lässt sich auf die Materialität der virtuo- sen Praxis ein und sieht zugleich in der Musik ein Mittel zur Veredelung der Menschheit. Sein Verständnis von musikalischer Autonomie und musikalischem Werk ist dynamisch und sozial.

Welche Herausforderungen stellt die Stelle in der SLUB für dich als Forscherin? Was gefällt dir an der Arbeit in einem Archiv?

Ich bin in der SLUB für den Bereich Musikhandschriften und musikalische Nachlässe nach 1850 zuständig, und meine Aufgabe besteht darin, die vorhandenen Bestände in Nachlassverzeichnissen und Datenbanken zu erschließen und an einer sinnvollen Bestandsergänzung mitzuwirken. Insofern bin ich zunächst einmal weniger damit beschäftigt, selbst Forschung zu betreiben, als Forschung zu ermöglichen.

VERANSTALTUNGEN / CONFÉRENCES

DIE SMG IM ÜBERBLICK

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cristina urchueguia (at) musik unibe ch

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Luzern: Prof. Dr. Felix Diergarten
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St. Gallen/Zürich: Dr. Michael Meyer, Musikwissenschaftliches Institut,
Florhofgasse 11, 8001 Zürich
Suisse romande: PD Dr. Ulrich Mosch, Université de Genève, Faculté des Lettres, Uni Bastions, rue De-Candolle 5, 1211 Genève 4
Svizzera italiana: Carlo Piccardi, 6914 Carona
Zürich: Prof. Dr. Dominik Sackmann 
Zürcher Hochschule der Künste
Pfingstweidstrasse 96, 8031 Zürich

 

 

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