Bernisches und  Freiburgisches Chorleben im Vergleich

Bernisches und Freiburgisches Chorleben im Vergleich

27.03.2019

Zum ersten Mal wird in der Schweiz ein Projekt im Bereich Musikwissenschaft von dem renommierten Programm Marie Skłodowska Curie Aktions der Europäischen Kommission gefördert. Das Projekt wird von Dr. Caiti Hauck an der Universität Bern durchgeführt.

Caiti Hauck — Während des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in der Schweiz ein dynamisches Chorleben. Zahlreiche Gesangvereine wurden gegründet und Chöre aus verschiedenen Kantonen versammelten sich in eidgenössischen Sängerfesten. Mit ihrem stark patriotischen Charakter spielten insbesondere Männerchöre nicht nur im politischen und gesellschaftlichen Leben, sondern auch in der Entwicklung eines Nationalbewusstseins eine wichtige Rolle. Trotz ihrer musikalischen, historischen und sozialen Bedeutung, bleibt die Schweizer Chorbewegung unerforscht. Es fehlt beispielsweise an Detailkenntnissen über die Einzelheiten in den verschiedenen Städten. So sind etwa die Traditionen in Bern und in Freiburg unterschiedlich. Unter anderem ist dies auf sprachliche (Deutsch/Französisch) und religiöse (protestantisch/katholisch) Differenzen zurückzuführen. Inwiefern unterschied oder ähnelte sich das Chorleben in diesen Städten?

Diese und andere Fragen möchte die Forscherin und Chorleiterin Caiti Hauck mit ihrem Projekt CLEFNI — The choral life in the cities of Bern and Fribourg in the long nineteenth century beantworten. Mit der Förderung des Programms Marie Skłodowska Curie Aktions der Europäischen Kommission führt sie ab Septem- ber 2019 die Forschung an der Universität Bern durch, unter der Be- treuung von Professor Cristina Urchueguía.

Benedict Zemp — Liebe Frau Hauck, was bedeutet die Marie Skłodowska-Curie Fellowship der Europäischen Kommission für Sie?

Ohne Zweifel ist es eine exzellente Chance. Diese Anerkennung zeigt, dass das Thema meines Forschungsprojekts als aktuell und relevant empfunden wird.

Wozu wurde dieses Fördergefäss geschaffen?

Die Individual Fellowships der Marie Skłodowska-Curie Actions zielen darauf ab, die Kompetenzen erfahrener Forscherinnen und Forscher zu verbessern und zu erweitern. Mobilität, Forschungstrainings und Wissens-transfer sollen ihnen ermöglichen, wissenschaftliche Autonomie zu erreichen und dadurch ihre Karriereperspektiven nach dem Fellowship zu erhöhen.

Mit welchem Projekt werden Sie sich in den nächsten Jahren beschäftigen?

CLEFNI ist das Akronym meines Projekts, das das Chorleben in den Städten Bern und Freiburg während des 19. Jahrhundert erforschen wird. Ziel ist es, nicht nur Chöre und ihre Aktivitäten zu recherchieren, sondern auch die sozialen und politischen Nebeneffekte von dieser Chorbewegung besser zu verstehen. Insbesondere möchte ich herausfinden, inwiefern das Chorleben zur Integration von der welschen und deutschen Schweiz beigetragen hat.

Warum denken Sie, fördert die EU ausgerechnet die Erforschung von schweizerischer Musikgeschichte?

Ich glaube, die multikulturelle Geschichte der Schweiz ist ein wichtiger Punkt. Die Chorbewegung des 19. Jahrhunderts hatte einen stark patriotischen Charakter. Aber im Gegensatz zu Nachbarnationen wie Frankreich, Deutschland und Italien konnte sich der Patriotismus in der Schweiz nicht auf einer kulturellen, sprachlichen oder ethnischen Einheit gründen. Das bedeutet, dass die Entwicklung eines nationalen Bewusstseins in der Schweizer Chorbewegung die Integration der vier Kulturen, die in der Schweiz bestehen, beinhalten musste. Und multikulturelles Verständnis ist doch ein beharrliches Thema in Europa.

Sind Sie selber auch im Chorwesen tätig?

Ich bin Chorleiterin des Polizeichors Lausanne (Chorale de la Police de Lausanne). Es ist ein Männerchor, der 2019 sein 100-jähriges Jubiläum feiert!

VERANSTALTUNGEN / CONFÉRENCES

DIE SMG IM ÜBERBLICK

ZENTRALPRÄSIDIUM / PRÉSIDENCE CENTRALE
Prof. Dr. Cristina Urchueguía
Institut für Musikwissenschaft der Universität Bern
Mittelstrasse 43, 3012 Bern
+41 (0)31 631 83 96
cristina urchueguia (at) musik unibe ch

SEKTIONEN / SÉCTIONS
Basel: PD Dr. Martin Kirnbauer
Schweizerische Musikforschende Gesellschaft
Ortsgruppe Basel, 4000 Basel
Berne: Prof. Dr. Cristina Urchueguía
Institut für Musikwissenschaft
Mittelstrasse 43, 3012 Bern
Luzern: Prof. Dr. Felix Diergarten
Obfalken 60, 6030 Ebikon
St. Gallen/Zürich: Dr. Michael Meyer, Musikwissenschaftliches Institut,
Florhofgasse 11, 8001 Zürich
Suisse romande: PD Dr. Ulrich Mosch, Université de Genève, Faculté des Lettres, Uni Bastions, rue De-Candolle 5, 1211 Genève 4
Svizzera italiana: Carlo Piccardi, 6914 Carona
Zürich: Prof. Dr. Dominik Sackmann 
Zürcher Hochschule der Künste
Pfingstweidstrasse 96, 8031 Zürich

 

 

GESCHÄFTSSTELLE /SÉCRETARIAT
Benedict Zemp, MA
Institut für Musikwissenschaft
Mittelstrasse 43, 3012 Bern
+41 (0)31 631 50 34, info (at) smg-ssm ch

INTERNET
www.smg-ssm.ch