Klangbilder: Basler Musikalien des  16. Jahrhunderts

Klangbilder: Basler Musikalien des 16. Jahrhunderts

04.09.2019

Die diesjährige 100. Generalversammlung der SMG wird am 19. Oktober im Basler Musikmuseum stattfinden. Den passenden Rahmen bietet die aktuelle Ausstellung, in der das Musikleben und die -neugier des 16. Jahrhunderts thematisiert wird.

Isabel Münzner — Im Musikmuseum Basel ist es dunkel. Bei weniger als 50 Lux können in der Ausstellung «Klangbilder – Basler Musikalien des 16. Jahrhunderts» 500 Jahre alte Musikhandschriften und -drucke entdeckt werden, die in Basel geschrieben, gedruckt oder verwendet worden sind. Ein halbes Jahrtausend – das ist eine lange Zeitspanne, in der die Musikalien bewahrt werden konnten und nun aufgrund ihres Alters und ihrer Lichtempfindlichkeit besonders behandelt werden.

Eröffnung und Kooperation

Die Ausstellung «Klangbilder – Basler Musikalien des 16. Jahrhunderts» wurde am 23. Mai 2019 im Musikmuseum Basel / Historisches Museum Basel (HMB) eröffnet. Es war ein lauer Vorsommerabend, an dem Hunderte nicht nur den Reden, sondern auch einem Ensemble der Schola Cantorum Basiliensis / FHNW (SCB) lauschten. Sie spielten Musik aus Quellen, die in der Ausstellung zu sehen sind.

Die Ausstellung wurde im Rahmen einer gemeinsamen Lehrveranstaltung der SCB und des Musikwissenschaftlichen Seminars der Universität Basel konzipiert und durfte auf die generöse Kooperation der Basler Universitätsbibliothek (UB) zählen. In zwei Seminaren wurde mit den Studierenden das Konzept erarbeitet und die UB stellte für die Ausstellung den grössten Ausleihvertrag ihrer Geschichte aus – die meisten der 70 gezeigten Objekte stammen aus ihren Beständen.

«Paule, Paule» – ein Lied in Scherznotation

Eines der Werke, das an der Ver- nissage gespielt und auch eigens für die Ausstellung von den Musikern der SCB aufgenommen wurde, ist das Lied «Paule, Paule», welches aus dem Stimmbuch des Basler Goldschmiedes Jakob Hagenbach stammt. Das Besondere an dem Lied ist die Notation: Es ist nicht mit den üblichen Notenzeichen geschrieben, sondern mit Symbolen eines üppigen Mahles mit Würsten, Früchten, Hähnchenspiessen oder Weinfässern. Die Piktogramme lassen eine fröhliche Runde mit gutem Wein und Essen erahnen.

Basel als Druckerstadt

Basel war im 16. Jahrhundert ein Schmelztiegel. Durch die hervorragende Lage an bedeutenden Handelsrouten (Rhein, Gotthard und Burgundische Pforte) kam es zu der geistigen und kulturellen Blüte der Stadt: 1431 bis 1449 tagte hier das Konzil, 1460 wurde die Universität gegründet, in der Studierende aus ganz Europa lernten. Auch die neue Medientechnologie des Buchdrucks fasste rasch Fuss: Im Jahr 1500 waren schon mehr als 70 Drucker in Basel – in einer Stadt mit ungefähr 10 000 Einwohnern – ansässig. Darunter nimmt die Druckerfamilie Amerbach eine besondere Rolle ein, aus deren Umfeld viele Musikalien erhalten blieben.

«Musica getutscht»

Das wahrscheinlich berühmteste Objekt in der Ausstellung «Klangbilder» ist die «Musica getutscht» von Sebastian Virdung, welche 1511 in Basel gedruckt wurde. Das Werk, bald in mehrere Sprachen übersetzt, ist die erste praktische Einführung in das Spiel von Musikinstrumenten in deutscher Sprache.

Ein Wimmelbild

Einen prominenten Platz in der Ausstellung nimmt das Gemälde «Der Castalische Brunnen» ein, gemalt um 1540 in Süddeutschland. Das Gemälde wirkt wie ein «Wimmelbild», in dem immer Neues entdeckt werden kann und die Musikgeschichte des 16. Jahrhunderts erzählt wird: Gemalt sind die damals geläufigen Referenzen auf Orpheus oder Pythagoras, aber auch viele Szenen des Musiklebens: Fahrende mit einer Drehleier und tanzendem Hund, vornehm gekleidete Männer mit einem Gambenensemble, eine musizierende Tischgesellschaft mit einem Basssänger mit Brille, der den Takt gibt.

Musikinstrumente

Der wirtschaftliche Aufschwung im Basel des 16. Jahrhunderts führte zu steigendem Wohlstand, der auch im kulturellen Leben sichtbar wurde: Die Bürger fanden Zeit zum Musizieren und leisteten sich Musiknoten und Musikinstrumente. Der Basler Stadtarzt Felix Platter hinterliess nach seinem Tod mehr als 40 Instrumente. Neben den vielen Musikalien und dem Gemälde werden in der Ausstellung auch Musikinstrumente des 16. Jahrhunderts gezeigt. Zwar hat sich keines der Instrumente von Felix Platter erhalten, aber aus der reichen Sammlung des Musikmuseums können einige besondere Stücke gezeigt werden: Die ältesten datierten Langtrompeten von Jacob Steiger aus dem Jahr 1578 oder das perfekt erhaltene Virginal von Andreas Ryff von 1572.

Die Ausstellung «Klangbilder – Basler Musikalien des 16. Jahrhunderts» ist noch bis zum 2. Februar 2020 im Musikmuseum Basel zu sehen.

> www.hmb.ch/museen/musikmuseum

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