Das Musiklexikon der Schweiz im Gespräch

Das Musiklexikon der Schweiz im Gespräch

26.02.2020

Nach langer und intensiver Vorbereitung ist nun der Moment gekommen, wo die Beta-Version des Musiklexikons der Schweiz (MLS) online geschaltet werden kann. Aus diesem Anlass veranstaltete der Schweizer Musikrat (SMR) eine Medienkonferenz, an der das Projekt vorgestellt wurde.

Benedict Zemp — Stefano Kunz, Leiter Politische Arbeit des SMR und Cristina Urchueguía, Präsidentin der SMG sowie Auftragnehmerin des Projekts stellten sich den Fragen zur vergangenen Medienkonferenz.

Cristina Urchueguía, seit wann arbeiten Sie am Projekt MLS? Wie ist die Idee entstanden?

Seit 2013 beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit dem MLS. Auslöser für die Arbeit war der unerklärliche Kontrast zwischen der Lebendigkeit und Dichte des Musiklebens in der Schweiz und dem Informationsvakuum zu schweizerischen Musikgeschichte, als wäre die Musik in der Schweiz, wie sie sich heute präsentiert, aus dem Nichts erwachsen. Das jüngste Lexikon zur schweizerischen Musikgeschichte stammt von 1964 und kümmert sich nur um klassische Musik. Jüngere Lexika hingegen betrachten nur bestimmte Sparten wie Jazz, Musikerinnen, oder Chorkomponisten. Eine Gesamtdarstellung fehlt indes völlig.

Welche Recherchemöglichkeiten hat der User momentan auf der Betaversion des MLS?

Einerseits wurden alle Artikel aus rechtsfreien gedruckten Lexika digitalisiert, dann haben wir Links zu frei zugänglichen, also nicht kostenpflichtigen, wissenschaftlichen Online Lexika zusammengestellt. Schliesslich bietet das MLS über sog. Normdaten wie der «Gemeinsamen Normdatei GND» den Zugang zu digitalen Knotenpunkten, an denen die weltweite bibliographische Information zu den Personen zu finden ist. Noch ist das MLS ein biographisches Lexikon, aber das soll sich ändern. Es ist dringend notwendig, Information zu Institutionen, Orten und musikalischen Objekten zur Verfügung zu stellen, es sind zentrale Akteure der Musikgeschichte.

Warum braucht die Schweiz ein Musiklexikon, zumal in der heutigen Zeit alle Informationen über Internetsuchmaschinen gefunden werden können?

Das Internet ist nichts anderes als ein grosser digitaler Schrank: man findet dort nur Information, wenn sie jemand hineingetan hat. Wie aber die Qualität der Information ist – Stichwort «fake news» – und wie lange diese zur Verfügung steht, hängt von der Infrastruktur ab, die die Information herstellt und publiziert. Das MLS arbeitet mit wissenschaftlichen Methoden, prüft also die Information und legt die Quellen offen. Zudem nutzt das MLS zukunftssichere digitale Technologie.

Stefano Kunz, welche Funktion und welche Aufgaben hat der Schweizer Musikrat?

Der Schweizer Musikrat ist die Dachorganisation der Musik in der Schweiz. In seinen vier Bereichen Laien, Profis, Bildung und Wirtschaft ist das schweizerische Musikschaffen in seiner ganzen Vielfalt über alle Stile und Genres hinweg zusammengefasst.

Eine der Hauptaufgaben ist die generelle Verbesserung der Rahmenbedingungen der Musik in der Schweiz. Deshalb ist die politische Einflussnahme eine der wichtigsten Aufgaben des SMR. Um diese so effizient und wirkungsvoll wie möglich zu gestalten, koordiniert der Musikrat die diesbezüglichen Aktivitäten seiner Mitglieder mit immer dem gleichen Ziel: Möglichst mit einer Stimme aufzutreten.

Darüber hinaus bringt der Musikrat Themen, die sowohl eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung als auch einen direkten Bezug zur Musik haben, wie Migration oder die Digitalisierung zur Diskussion oder stösst Projekte an oder unterstützt sie, wie z.B. das Musiklexikon.

Warum hat der Schweizer Musikrat bei der Schweizerischen Musikforschenden Gesellschaft SMG die Konzeption und Erarbeitung eines online-Musiklexikons in Auftrag gegeben?

Der Musikrat ist der festen Überzeugung, dass die Schweiz mit ihrem enorm vielfältigen Musikleben dringend ein aktuelles Musiklexikon braucht. Die Tatsache, dass es seit mehr als 50 Jahren kein aktuelles Gesamtwerk gibt, ist bedenklich.

Zudem ist ein solches Lexikon für die Mitglieder des SMR eine grosse Chance, ihre eigene Vereins-/Verbandsgeschichte aufzuarbeiten und zu dokumentieren. Deshalb hat er bei der SMG, die im Musikrat gewissermassen das Kompetenzzentrum für die Musikgeschichte ist, die Erarbeitung dieses online-Lexikons in Auftrag gegeben.

Wie wird der Schweizer Musikrat seine Mitgliederverbände dazu animieren, deren Geschichte im MLS festzuhalten?

Als Erstes soll zeitnah mit einem grösseren Verband, welcher ebenfalls Mitglied des SMR ist, ein Pilotprojekt zur Auf- und Einarbeitung der eigenen Geschichte durchgeführt werden. Auf Basis der dabei gemachten Erfahrungen werden dann alle Mitglieder des SMR über das Projekt informiert und eingeladen, auch ihre aufzuarbeiten und im MLS der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Wie muss ich vorgehen, wenn ich als Präsident eines Jodlerclubs meine Vereinsgeschichte im Musiklexikon der Schweiz festhalten möchte?

Ganz einfach: Sich beim Musikrat melden und das Interesse schon mal anmelden. Wir werden dann Kontakt aufnehmen und in einem Gespräch das weitere Vorgehen besprechen.

Link zur Beta-Version:

> mls.0807.dasch.swiss

VERANSTALTUNGEN / CONFÉRENCES

DIE SMG IM ÜBERBLICK

ZENTRALPRÄSIDIUM / PRÉSIDENCE CENTRALE
Prof. Dr. Cristina Urchueguía
Institut für Musikwissenschaft der Universität Bern
Mittelstrasse 43, 3012 Bern
+41 (0)31 631 83 96
cristina urchueguia (at) musik unibe ch

SEKTIONEN / SÉCTIONS
Basel: PD Dr. Martin Kirnbauer
Schweizerische Musikforschende Gesellschaft
Ortsgruppe Basel, 4000 Basel
Berne: Prof. Dr. Cristina Urchueguía
Institut für Musikwissenschaft
Mittelstrasse 43, 3012 Bern
Luzern: Prof. Dr. Felix Diergarten
Obfalken 60, 6030 Ebikon
St. Gallen/Zürich: Dr. Michael Meyer, Musikwissenschaftliches Institut,
Florhofgasse 11, 8001 Zürich
Suisse romande: PD Dr. Ulrich Mosch, Université de Genève, Faculté des Lettres, Uni Bastions, rue De-Candolle 5, 1211 Genève 4
Svizzera italiana: Carlo Piccardi, 6914 Carona
Zürich: Prof. Dr. Dominik Sackmann 
Zürcher Hochschule der Künste
Pfingstweidstrasse 96, 8031 Zürich

 

 

GESCHÄFTSSTELLE /SÉCRETARIAT
Benedict Zemp, MA
Institut für Musikwissenschaft
Mittelstrasse 43, 3012 Bern
+41 (0)31 631 50 34, info (at) smg-ssm ch

INTERNET
www.smg-ssm.ch