Erste Brass-Oper der Musikgeschichte

Erste Brass-Oper der Musikgeschichte

25.03.2020

Mit verschiedenen Musikstilen wie Hip-Hop, Jazz und neuer Musik erzählt der junge Entlebucher Komponist Manuel Renggli die Geschichte des verwahrlosten Mädchens Brahma, das auf einem Drogentrip vor ihrer Mutter in den Dschungel flieht. Ein Werk für Brassband und Synthesizer, das Realismus, Fantasie und Halluzination verbindet.

Benedict Zemp — Am 8. Februar 2020 feierte die Oper Dschungel am Luzerner Theater erfolgreiche Premiere. Der Komponist, Dirigent und Musikwissenschaftler Manuel Renggli stellt sich den Fragen zur ersten für Brassband komponierten Oper.

Manuel Renggli, die Uraufführung deiner Oper Dschungel ist laut Medienecho sehr gut angekommen. Welches Fazit ziehst du persönlich nach den ersten Aufführungen?

Es macht mich glücklich zu sehen, dass viele Leute Spass an der Musik haben und für sich etwas abgewinnen können. Leider waren viele der bisherigen Aufführungen in der Fasnachtszeit und daher etwas weniger dicht besetzt. Jedoch muss man einer neuen Produktion wie dieser auch etwas Zeit geben, um die Leute zu erreichen, was wir nun bei den kommenden Vorstellungen deutlich feststellen können.

Wer hat dieses Projekt am Luzerner Theater initiiert?

Die Idee für eine solche Oper kam ursprünglich von Benedikt von Peter, dem Intendanten des Luzerner Theaters. Er kam bereits zu Beginn seiner Amtszeit in Kontakt mit der Bürgermusik Luzern und wollte diese danach unbedingt ins Theater holen. Als junger, unerfahrener, aber vielleicht gerade deshalb auch unbeschwerter Komponist, welcher unter anderem auch für Brassband schreibt, erschien ich ihm wohl als geeignete Person für dieses Projekt.

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Berner Autor und Spoken-Word-Künstlers Michael Fehr zustande gekommen?

Eine Oper braucht immer auch ein Libretto. Da mein Netzwerk bezüglich Literaten eher bescheiden war, kam auch dieser Vorschlag letztendlich von der Intendanz des Luzerner Theaters. Da ich von Anfang an beim Projekt dabei war, hatte ich jedoch ein gewisses Mitspracherecht. An Michaels Text gefiel mir vor allem sein pulsierender Sprachduktus, welcher stetig nach vorne drängt und es auf diese Weise schafft, Spannung zu erzeugen.

Welche Herausforderungen waren mit diesem Stück für die Musikerinnen und Musiker der Brassband Bürgermusik Luzern verbunden, die vermutlich zum ersten Mal eine Oper in einem Theater aufführten?

Grundsätzlich ist sich eine Brassband gewohnt im Zentrum zu stehen, weshalb ein Grossteil der Literatur technisch sehr anspruchsvoll und spektakulär ist. Hier ging es in erster Linie darum, als Klangkörper die Sänger so gut wie möglich durch das Stück zu führen, was für viele Musiker sicher neu war. Vor allem die Lautstärke, aber auch das Gefühl für «Timing» mussten deshalb mit besonderer Sorgfalt behandelt werden. Gleichzeitig war es wichtig, dass der typische Charakter einer Brassband nicht verloren ging.

Hatten die Sängerinnen und Sänger Berührungsängste in der Zusammenarbeit mit einer Brassband?

Ich würde es nicht als «Berührungsängste» bezeichnen, aber natürlich musste man sich etwas aneinander gewöhnen. Auf der einen Seite war es für die Sänger und Sängerinnen am Anfang sicher nicht leicht, mit der Wucht einer Brassband umzugehen, auf der anderen Seite waren sie auch positiv überrascht, wie farbenreich und technisch versiert die Bürgermusik in der Lage ist zu spielen.

Weshalb schreibst du im 21. Jahrhundert noch eine Oper, nachdem Pierre Boulez bereits 1967 in einer provokativen Aussage verkündete: «Sprengt die Opernhäuser in die Luft»? Ist diese Kunstform noch zeitgemäss?

Weil ich nach wie vor davon überzeugt bin, dass kein Smartphone, Tablet oder Fernsehgerät das Erlebnis, welches wir in einem Theater haben, ersetzen kann – im Gegenteil! Ich glaube, dass viele Menschen sich gerne auf diese Art unterhalten lassen; in eine Welt eintauchen, welche sich vom alltäglichen Leben unterscheidet und dabei den natürlichen Klang einer Singstimme, oder eines Instruments hören wollen. Echte Katharsis eben, welche nur im Theater möglich ist.

Du hast nebst Blasmusikdirektion auch Musikwissenschaft an der Universität Bern studiert. Welchen Einfluss hatte dein musikhistorisches Verständnis bei der Komposition dieser Oper?

Einen sehr entscheidenden! Zu verstehen, wie in der Geschichte über dramaturgische Verläufe verhandelt wurde, mit welchen Mitteln andere Komponisten es geschafft haben, Spannung zu erzeugen, war für ein solches Werk sehr wichtig. Als Komponist ist es unumgänglich, immer auch auf seine Vorgänger Bezug zu nehmen und auf deren Werke aufzubauen.

Welche Projekte stehen bei dir als nächstes an?

Zunächst schreibe ich im Rahmen des eidgenössischen Musikfestes in Interlaken gleich noch einmal ein Werk für Blasmusik. Danach steht ein ca. 50-minütiges Werk für Chor, Streicher, Orgel, Schwyzerörgeli und Perkussion an, auf welches ich mich gerade wegen seiner speziellen Besetzung und der sich damit bietenden Möglichkeiten besonders freue.

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