Musik mit allen Sinnen

Musik mit allen Sinnen

Elisabeth Danuser-Zogg , 05.03.2014

Der Musikunterricht mit
Kindern in Gruppen wird
immer heterogener. Dazu
fünf Thesen.


Seit Jahren gehören Begabtenförderung, Hochbegabtenförderung, Integration und Inklusion zum Auftrag für die Musikschulen in ganz Europa. Die Projekte «Jedem Kind ein Instrument» oder «Klingende Kindertagesstätte» bildeten im grossen Stil in Deutschland den Auftakt zum Musizieren für Kinder jeden Alters und in grossen Gruppen. In der Schweiz sind Musikalische Grundausbildung, Klassenmusizieren und Projekte mit verschiedensten Schwerpunkten ausgebaut worden.


In Publikationen sowie Modulen in Aus- und Weiterbildung sind Grundlagen der Strukturierung des Unterrichts entwickelt worden, die Musik für jedes Kind erfahr- und lernbar machen lassen. Um den Musikunterricht in Gruppen für alle Kinder chancengleich zu gestalten, sind neben der eigentlichen Musikdidaktik auch flankierende Massnahmen definiert worden. Sie ermöglichen es, den integrativen Musikunterricht vielfältig und gemäss neuer pädagogischer Erkenntnisse zu gestalten. Basierend auf der Grundlage der Didaktik von Musik und Bewegung, Theorien zur Wahrnehmungsförderung sowie diverser Lerntheorien können dabei die folgenden Strukturierungsthesen hilfreich sein. 


Integrativer Musikunterricht ist vielfältig gestaltet – Unterschiedliche Lerntypen sind auch im Musikunterricht von Bedeutung. Eine Rhythmisierung, welche den Unterricht vielfältig auf verschiedenen Ebenen gestaltet, macht möglich, dass alle gemäss ihren Möglichkeiten sich am Unterricht beteiligen können.


Integrativer Unterricht ist spür- und fühlbar gestaltet – Das Spielen eines Instruments fordert die Wahrnehmung des ganzen Körpers: Körperoberfläche, aber auch innere Organe, vor allem die Atemfunktionen. Auch Bewegungsdifferenzierung inklusiv die Gleichgewichtsstrukturen sind gefordert. Für den Musikunterricht sinnvoll hat sich die Differenzierung in Nah- und Fernsinne erwiesen. Nahsinne sind alle Sinne, die direkt mit der Wahrnehmung des Körpers und dessen differenziertem Einsatz zu tun haben. Ohr und Auge sind Fernsinne. Musikalische Erfahrungen zum Beispiel in Form von Body Percussion Sequenzen werden so spür- und fühlbar.


Integrativer Musikunterricht ist bewegt gestaltet – Musikalische Gestaltung ist auch Bewegung, erfordert Koordination und Geschicklichkeit. Deutlich gestaltete Puls- und Rhythmusbewegungen im Wechsel zum Musizieren am Instrument unterstützen das Lernen und die Konzentration. Bewegung und Sitzen auf dem Stuhl sind in einem lebendigen Wechsel gestaltet. Unter diesem Fokus ist auch die musikphysiologisch relevante Nutzung der Stühle zu beachten. 


Integrativer Musikunterricht ist hör- und sichtbar gestaltet – Visuelle und auditive Strukturen im Unterricht schaffen Orientierung und vertiefte Konzentrationsmöglichkeiten. Dadurch wird eine Ästhetik der Unterrichtsgestaltung geschaffen, die Redundanz vermittelt mit der Dynamik von künstlerischen Prozessen allgemein. Qualität der auditiven Struktur bedeutet Musikstunden, in denen sich Phasen des gemeinsamen Musizierens und des Experimentierens abwechseln mit Sequenzen der Stille. Ein klarer visueller Fokus berücksichtigt Aspekte der Gestaltung von Notenmaterial, der Anordnung des Unterrichtssettings im Raum sowie die spezifischen Art der Anleitung und des Dirigierens.


Die Partitur des integrativen Musikunterrichts hat verschiedene Stimmen – Kinder lernen in unterschiedlichem Rhythmus. Für die Komposition der Musikstunde ist dies ein künstlerisch zu nutzendes Phänomen. So wie jedes Musikstück mit unterschiedlichen Stimmen gestaltet wird, so wird auch der Unterricht binnendifferenziert aufgebaut. In Arrangements, eigens für die Gruppe, gibt es neben Grundelementen, die von allen gespielt werden, differenziertere Stimmen und gar Soli, aber auch Stimmen für einfache Grooves und einzelne Akzente.


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