Haltung und 
Bewegung 
am Instrument


Haltung und 
Bewegung 
am Instrument


Sibylle Meier Kronawitter/Marjan Steenbeek , 21.01.2015

Ist es wichtig, einen über-
beweglichen Kinderrücken auf dem Cellostuhl aufzurichten? Wie weit soll Musizieren 
einfach Spass machen und ab welchem Alter beginnt eine ernsthaftere Profikarriere? Solche und andere Fragen können Workshops an 
Musikschulen beantworten.


Seit gut einem Jahr führen wir halbtägige Workshops zum Thema «Haltung und Bewegung am Instrument» für Lehrpersonen an Musikschulen durch. Sie sind aufgeteilt in zwei Themenblöcke: «Rücken und Nacken» und darauf aufbauend «Schultergürtel, Arm und Hand». 


Die Workshops sind auf das eigene Wohlbefinden der Lehrpersonen beim Musizieren und auf die Unterrichtstätigkeit mit den Schülern und Schülerinnen ausgerichtet. Ziel ist die Vermittlung von grundlegendem Wissen zu Anatomie und Physiologie sowie
zu instrumentenspezifischen Beschwerden. Ebenso unterrichten wir Übungen zur Wahrnehmung, Kräftigung und Förderung der Koordination. 


Die theoretischen Grundlagen zur Anatomie lassen sich am besten erfahren, wenn die jeweiligen Körperteile an sich selbst abgetastet und bewegt werden. Ein Schlüsselerlebnis für viele ist es, wenn sie gegenseitig die Bewegungsmöglichkeiten der Schulterblätter spüren, Körperteile, die in unserer Wahrnehmung häufig Terra incognita sind. Die Vertiefung in die Physiologie der Muskelfunktion macht deutlich, wie ein Muskel funktioniert, was Ermüdung bedeutet und warum sich Übungspausen lohnen. Kontroverse Fragen werden ebenso diskutiert: Ersetzt eine gute Haltung und Bewegung ein Muskeltraining? Sollen mit einem Krafttraining Reserven aufgebaut werden, um den Herausforderungen des Musizierens zu begegnen?


Gibt es die gute Haltung und Bewegung?


Die gemeinsame Analyse von Problemstellungen anhand von Videobeispielen macht deutlich, dass Haltung und Bewegung etwas Persönliches sind und individuelle Betrachtung verdienen. Trotz aller Individualität hat die Lehrperson jedoch ‒ abgesehen von ihren musikalischen Fähigkeiten ‒ immer auch Vorbildfunktion in Bezug auf Haltung und den Umgang mit dem eigenen Körper. Wie ein Musikschulleiter meint: «Am Musikspiel der Schüler erkennt man die Lehrperson».


Die Gruppenarbeiten sind durchgängig beliebt: Instrumentenverwandte Lehrpersonen diskutieren Haltungsprobleme von Schülern und Schülerinnen und tauschen sich über mögliche Hilfestellungen und bewährte Übungen aus. 


Die praktischen Übungen zu den verschiedenen Körperabschnitten lockern das Programm buchstäblich auf. So zeigt der Kurs zum Beispiel die Auswirkungen der mangelhaften Spannung in der Aufrichtung des Rückens auf die Motorik der Arme und Hände. Über verschiedene Bewegungen zeigt sich etwa, wie die dynamische Stabilität des Rumpfes verbessert und das Musikspiel erleichtert werden können. 


Über die Unterrichtstunde 

hinaus


Schliesslich bleibt aber doch die Abwägung, ab wann ein Problem nicht mehr nur im Unterrichtszimmer angegangen werden kann. Die Autorinnen regen den Dialog mit den Eltern der Betroffenen sowie mit Instrumentenbau-Fachleuten an. Anhaltende Probleme sollten aber unbedingt von Fachpersonen beurteilt werden. Sie bereiten weder im Kindesalter noch im professionellen Musikeralltag Vergnügen, noch befähigen sie zu einem musikalischen Höhenflug. Musizieren mit Beschwerden ist unnötig! 


Die Frage, ob gute Haltung und gutes Bewegungsverhalten Grundlagen für das Musizieren sind, wird in jedem Workshop rege bis in die Kaffeepause diskutiert. Ist es wichtig, einen überbeweglichen Kinderrücken auf dem Cellostuhl aufzurichten? Wie weit soll Musizieren einfach Spass machen und ab welchem Alter beginnt eine ernsthaftere Profikarriere? Über diese und weitere Fragen tauschen sich Fachleute mit Fachleuten «auf Augenhöhe» aus ‒ vorausgesetzt, sie haben sich vorher korrekt aufgerichtet! 


Inhalt SMM

Schweizerische Gesellschaft für Musik-Medizin

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