Nachruf auf
Ehrenpräsident
Jakob Stämpfli 


Nachruf auf
Ehrenpräsident
Jakob Stämpfli 


Brigitte Scholl , 05.11.2014

Kurz vor seinem 80. 
Geburtstag ist der 
Ehrenpräsident des SMPV Schweiz, Jakob Stämpfli, nach längerer Krankheit – aber dennoch unerwartet – am 28. September 2014 verstorben.


Jakob Stämpfli war ein äusserst aktiver Mensch und neben seinen Tätigkeiten als gefragter Lied- und Konzertsänger, Gesangspädagoge, regelmässiger Juror bei internationalen Wettbewerben und Aufnahmeleiter auch ein Mann, der in vielen Institutionen und Verbänden in leitender Funktion tätig war. Im Bewusstsein, dass einige Aspekte dieses reichen Lebens unerwähnt bleiben werden, erlauben wir uns, an dieser Stelle den Verstorbenen aus SMPV-Sicht zu würdigen.


Ende 2004 suchte der Zentralverband einen neuen Präsidenten, da der damalige Amtsinhaber Roland Vuataz nach drei Amtsperioden im Frühjahr 2005 nicht mehr zur Wiederwahl antreten wollte.


Der Verband befand sich damals zudem in einer äusserst heiklen Phase: die Berufsausbildung hatte einen gigantischen Berg an Buchschulden angehäuft, die Administration war verzettelt; sie befand sich an drei Standorten.


Jakob Stämpfli, langjähriges SMPV-Mitglied, aber ohne «verbandsinterne Karriere» als Sektionspräsident oder Zentralvorstandsmitglied, sagte auf Anfrage zu, das Präsidium zu übernehmen, und dies, obwohl er sich gemäss eigenen Aussagen nach seiner Pensionierung als Direktor des Konservatoriums Bern geschworen hatte, «nie wieder Reglemente zu lesen.» Es kam anders: Er las in der Folge ziemlich viele neue Reglemente – die Berufsbildung wurde aus dem SMPV ausgelagert und in die SAMP überführt, viele Reglemente waren neu zu gestalten.


Jakob Stämpflis Zusage als Quereinsteiger ins Zentralpräsidium SMPV war aus zwei Gründen ein wahrer Glücksfall für den Verband. Der ehemalige Direktor der Musikschule Region Thun, des Konservatoriums Bern (in welchem damals noch sowohl Musikschule als auch Berufsabteilung untergebracht waren) und Dozent an mehreren Hochschulen in der Schweiz und in Deutschland verfügte einerseits über umfassende Erfahrungen in Musikpädagogik – sowohl als Lehrkraft als auch aus Leitungsperspektive mitsamt Führungserfahrung. Mit im Gepäck befand sich zudem ein reiches Beziehungsnetz, da er auch in zahlreichen Verbänden wichtige Ämter bekleidet hatte.


Der zweite Punkt war rückblickend aber wohl noch fast entscheidender für den SMPV: Jakob Stämpfli trat am Ende einer langen Karriere für genau eine Amtsperiode an – die Beschränkung auf drei Jahre war Bedingung seiner Zusage.


In diesen drei Jahren trieb er mutig alle Reformen voran, die nötig waren: «Ich muss ja nicht wiedergewählt werden», pflegte er zu sagen. Also legte er alle administrativen Tätigkeiten in einem einzigen Zentralsekretariat zusammen und wagte einen Neustart – mit grösstenteils neuem Personal. Wer je unter seiner Führung gearbeitet hat, erlebte einen strengen, fordernden Chef, der aber die Lösungsfindung und Willenskraft seiner Mitarbeitenden sehr wertschätzte und unterstützte.


Seine Hochschulerfahrung war Gold wert in der Zeit der Auslagerung der Berufsbildung SMPV in die Stiftung SAMP – sitzt doch der Zentralpräsident SMPV von Amtes wegen im Stiftungsrat der SAMP.


2008, am Ende dieser einen Amtsperiode als Zentralpräsident, war der SMPV modernisiert, die Zukunft der Berufsausbildung SMPV in die Wege geleitet, die Buchschulden getilgt, Vertrauen und Zuversicht an der Basis wieder hergestellt.


Als Finanzverantwortliche im Zentralvorstand seiner Präsidialzeit wage ich heute zu sagen: Jakob Stämpfli, der eine natürliche Autorität besass und eine grosse Folgerichtigkeit in seiner Führung an den Tag legte, hat dem Verband entscheidend beim Sprung in die Zukunft geholfen. In diesem Sinn gebühren unserem Ehrenpräsidenten ein grosser Dank und ein ehrendes Andenken.