Berner Sparübungen verteuern die Elternbeiträge 


Berner Sparübungen verteuern die Elternbeiträge 


Lucas Bennett , 25.03.2015

Im Frühjahr 2012 trat im Kanton Bern das Musikschulgesetz (MSG) in Kraft. Noch im selben Jahr aber wurden Kürzungen beschlossen, mit denen die Beteiligung des Kantons an den Kosten des Musikunterrichts sank. 


Ungefähr 61 Millionen Franken betragen die Lohnkosten für den Unterricht an den 29 Musikschulen im Kanton Bern pro Jahr. Das Musikschulgesetz (MSG) des Kantons, welches 2012 in Kraft trat, regelt dessen Beteiligung an den Kosten. Demnach steuert der Kanton 30% an die Lohnkosten für Musikschülerinnen und -schüler bis 20 Jahre oder junge Erwachsene in Ausbildung bis 25 Jahren bei. Weitere 30% werden von den Gemeinden, und die restlichen 40% von den Eltern getragen. Jedoch liegt der kantonale Beitrag derzeit aus Spargründen bei nur bei 29,2% oder ca. 17 Millionen Franken, besagt das Gesetz doch, dass der Kanton «zur Erhaltung eines ausgeglichenen Finanzhaushalts (…) die Beiträge plafonieren» kann. So fehlen beim Kantonsbeitrag aktuell gegen 500 000 Franken. 


Instrumentalunterricht an den Gymnasien auch betroffen


Parallel zu dieser Sparmassnahme wurde im Rahmen einer Angebots- und Strukturüberprüfung (ASP) auch der Instrumentalunterricht an den Gymnasien von vormals 45, respektive 40 Minuten auf neu 30 Minuten pro Lektion reduziert. Auch davon sind die Musikschulen betroffen, da dieser Unterricht häufig durch sie erteilt wird. Laut dem «Bund» ist durch diese Sparübung bereits das Äquivalent von 7 Vollzeitstellen verloren gegangen (Ausgabe vom 6.2.2015). Besonders pikant ist die Reduktion deshalb, weil die Anmeldungen für den Instrumentalunterricht an den Mittelschulen nicht etwa zugenommen haben, sondern im Gegenteil zurückgegangen sind.


Eltern stärker zur Kasse gebeten

Die Musikschulen, die kaum über finanzielle Reserven verfügen, sehen sich nun vielerorts gezwungen, ihre Tarife anzuheben. Laut Hans Peter Hess, Geschäftsführer der Verbands Bernischer Musikschulen (VBMS), haben dies bereits etwa die Hälfte der 29 Musikschulen des Kantons getan. Aktuell bewegen sich die Erhöhungen im Durchschnitt zwischen 50 bis 60 Franken pro SchülerIn und Jahr. Bei Jahreskosten von bis zu 1700 Franken dürfte dabei für viele Eltern auch bald der Punkt erreicht sein, an welchem sie sich den Unterricht nicht mehr leisten können oder wollen. 


Aufhebung des Plafonds erwartet

Da die Finanzlage des Kantons sich unter anderem dank der Ausschüttungen der Schweizerischen Nationalbank schon in diesem Jahr verbessert präsentiert, geht man beim VBMS davon aus, dass die Plafonierung der Musikschulbeiträge für 2016 wieder aufgehoben wird. «Alles andere wäre kaum zu begründen, » so Hans Peter Hess. «Man müsste dann auch prüfen, inwiefern eine Plafonierung der Beiträge ohne genauere Kriterien im Gesetz überhaupt haltbar ist.» Aktuell sieht es nicht danach aus, dass der Kanton die Reduktion beim Instrumentalunterricht an den Gymnasien rückgängig macht. Sollten die Sparziele jedoch erreicht werden, müsste auch hier entsprechend reagiert werden.