75 Jahre Sektion
 Winterthur


75 Jahre Sektion
 Winterthur


02.12.2015

Mit diversen Veranstaltungen feierte die Sektion Winterthur-Zürcher Oberland ihr 75-jähriges Bestehen am
25. und 26. September.


Lucas Bennett —Ein Konzert mit Werken für Violine und Klavier von Johann Carl Eschmann, Igor Strawinsky, Othmar Schoeck, Darius Milhaud und anderen eröffnete den Reigen der Jubiläumsveranstaltungen am Abend des 25. September im Alten Stadthaus in Winterthur. Die Ausführenden waren Noëlle Grüebler, Violine, sowie Olivia Geiser, Klavier. Ein «musikalisch-literarischer Salon» stand am Samstagabend auf dem Programm. Den Anfang machte nach der Begrüssung durch den Sektionspräsidenten Wolfgang Pailer und einer kurzen Rede der Gemeinderätin Chantal Leupi ein Konzert im Rahmen der Reihe «Musik um Fünf» in der Villa Sträuli, in welchem Werke von Robert Schumann, Johannes Brahms, Hermann Goetz, Othmar Schoeck, Willy Hess, Alfred Felder und Maja Fügli präsentiert wurden. Die Mitwirkenden waren Ines Hübner, Sibylle Isler, Pär Näsbom, Violine; Linda Felder, Viola, Alfred Felder, Violoncello; Egmont Rath, Kontrabass, Maja Fügli, Olivia Geiser, Gudny Stäuble, Klavier, sowie Gesangsschülerinnen von Brigitta Dardel. Unter dem Titel «O sole mio» führte Beat Buser Schellackplatten vor, während die Schriftstellerin Tanja Kummer «Musik mit Wörtern – eine Spoken Word Show» präsentierte. Unter der Leitung von Beat Buser musizierten dann das Ensemble TonVielFalt und den Schlusspunkt setzte Hanspeter Krüsi mit Farbmusik für Gitarre.


Interview mit dem Sektionspräsidenten Wolfgang Pailer


Die Sektion Winterthur-Zürcher Oberland durfte am 25. und 26. September ihr 75-jähriges Jubiläum feiern. Ihr habt dazu ein beeindruckendes Programm auf die Beine gestellt. Welches waren für Dich die Höhepunkte?


Höhepunkte waren für mich sicher die beiden Konzerte, bei denen ausschliesslich Komponisten (und eine Komponistin) aufgeführt wurden, die einen Bezug zu Winterthur hatten oder haben. Gefreut hat mich auch, dass uns die Vizepräsidentin des Gemeinderates, Chantal Leupi, eine persönlich gehaltenen Grussbotschaft überbrachte. 


Du hast selber die Sektion Winterthur/Zürcher Oberland als Präsident über viele Jahre mitgeprägt. Seit wann bist Du im Vorstand aktiv und wie hat sich die Sektion in dieser Zeit aus Deiner Sicht entwickelt?


Ich wurde Ende der 1970er-Jahre als Kassier in den Vorstand des SMPV St. Gallen-Appenzell gewählt, dem ich bis 1993 angehörte. Seit dann bin ich Präsident des SMPV Winterthur/Zürcher Oberland, 2013 wurde ich noch Präsident des neugegründeten SMPV Thurgau. Von 1999 bis 2014 war ich zudem Mitglied des Zentralvorstands und dort für die externe Kommunikation zuständig, später auch für die Finanzen. In Winterthur haben wir in den letzten 20 Jahren die Bedeutung der Politik für uns entdeckt: Wir lancierten durch ein von uns angeregtes Behördenreferendum eine Volksabstimmung gegen die Fünftagewoche an der Volksschule, wir engagierten uns für die Blockzeiten sowie gegen das neue Zürcher Volksschulgesetz und konnten im Gemeinderat mit unserem SMPV-Mitglied Eva Schlegel auf eine Lobbyistin zählen, der wir u. a. das Winterthurer Musikförderleitbild verdanken. 


Vielerorts wird der Mangel an Interessentinnen und Interessenten für Vorstandsarbeit beklagt. Wie gelingt es Euch, Kolleginnen und Kollegen für die Vorstandsarbeit zu gewinnen?


Es war mir immer schon ein Anliegen, unsere Mitglieder, soweit als möglich, persönlich kennenzulernen. Ich telefoniere gerne, und aus diesen Gesprächen ergeben sich dann immer wieder persönliche Kontakte, die zu einer Mitwirkung im Vorstand führen können. Wir treffen uns nur drei bis vier Mal pro Jahr zu Vorstandssitzungen – bei denen es auch meistens etwas zu Essen gibt –, die übrige Zeit kommunizieren wir per E-Mail oder Telefon. Wichtig ist uns ein gutes Klima, das konstruktive Diskussionen ermöglicht. 


Welches sind die aktuellen musik- und bildungspolitischen Themen, die Euch in der Sektion derzeit beschäftigen? Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit anderen Interessensvertretungen der Zürcher Musiklandschaft?


Zurzeit beschäftigen wir uns mit dem Zürcher Musikschulgesetz, wir haben aber auch schon über die Initiative für eine Fremdsprache an der Primarschule diskutiert und über flexible Unterrichtszeiten für Musikschülerinnen und -schüler. Ein Anliegen ist uns zudem die bessere Verteilung der Mitgliederbeiträge zwischen Zentralverband und Sektionen. Kontakte pflegen wir z.B. zum Musikkollegium Winterthur durch gegenseitige (Passiv-) Mitgliedschaften, sowie natürlich zum SMPV Zürich, mit deren Präsidentin, Karen Krüttli, ich in zwei Arbeitsgruppen – u.a. im Verband Zürcher Musikschulen (VZM) – zusammenarbeite. Am Konservatorium Winterthur konnten wir vor zehn Jahren, gemeinsam mit dem MusiklehrerInnen Verband (MuV), einen Gesamtarbeitsvertrag abschliessen. Nächstes Jahr möchten wir wieder das «Forum für Musikalische Bildung» organisieren, bei dem sich die Leiter der Musikschulen mit den Vertretungen der Gemeinderatsfraktionen zu einem Gedankenaustausch treffen.


Welche Herausforderungen siehst du in Bezug auf die Sektionsarbeit in den nächsten Jahren?


Wir müssen die Vorteile des SMPV noch besser kommunizieren. Dass der SMPV das grösste Schweizer Netzwerk für Musikerinnen und Musiker ist, dass wir unsere Mitglieder bei Problemen an der Musikschule unterstützen können – um nur zwei Beispiele zu nennen – ist viel zu wenig bekannt. Die grösste Herausforderung sehe ich aber darin, diejenigen Musikschullehrpersonen, die unserem Verband noch nicht angehören, – das sind ca. 80% – für den SMPV zu begeistern.