Mit Musik geht  alles besser

Mit Musik geht alles besser

16.08.2016

Der Schweizerische Musikpädagogische Verband Thurgau hatte allen Grund zum Feiern. Galt es doch an die Gründung vor fünfzig Jahren zu erinnern. Dazu hatten aktive Mitglieder des Verbandes zu einem musikalisch-literarischen Abend in Stein am Rhein geladen.

Hans-Jürgen Becker — Das klingende «Rendez-vous» zeigte die ganze Bandbreite der Musikpädagoginnen und -pädagogen. So fanden fast alle Zuhörerenden etwas Passendes für ihre Ohren geboten. Man begann mit Improvisationen unter Leitung von Ulrike Hethey, setzte fort mit Violinsonaten von Brahms und Mozart mit der SAMP-Studentin Andrea Spöhel und Regula Dudás, Klavier. Gab Klaviermusik zu vier Händen von Mozart und Laurenz Custer, gespielt von Elisabeth Tanner und Andreas Walder.

Einen ersten grösseren Auftritt legte das Frauenvokalensemble der Pädagogischen Hochschule Thurgau auf das Parkett.

Hierzu hatte sich zahlreiches Publikum gesellt. Unter Leitung von Eva Berger, begleitet von Irène Roth-Halter am Klavier und Alfred Stoppel am Akkordeon, gab das Vokalensemble einen bunten Reigen englischer, französischer und Schweizer Lieder.

Selbst japanisches, schwedisches und jiddisches Liedgut bereicherte das Programm. Dabei zeichnete sich der Chor durch stimmliche Homogenität aus. Ein schöner Reigen melodienreicher Lieder! Das passte wunderbar in eine lauschige Sommernacht.

Nachdem der Vokalklang des Frauenchores für gute Stimmung gesorgt hatte, übernahm das Winterthurer Instrumentalensemble TonVielFalt das Spiel mit Jazz-Standards und internationaler Folklore. Eine reiche Bläserbesetzung unter der Leitung von Beat Buser sorgte für schillernde Klangfarben. Blockflöte, Fagott, Klarinetten, zwei bis drei Querflöten begleitet von Akkordeon und Klavier formierten sich in Stücken wie Summer Nights oder gaben so exotische Programmmusikstücke wie eine von Kathelby als Stummfilmmusik erdachte Szene eines persischen Marktes zum Besten. Auch folkloristische Musik wie ein Tzigane-Stück der Roma, das mit spannungsvollen Akkordeontönen einsetzte, verbreitete gute Laune. Darin eingewoben war ein Auftritt der Thurgauer Schriftstellerin Tanja Kummer. In ihrer eigenen Musik mit Wörtern gestaltete Tanja Kummer eine Slam-Poetry-Einlage von besonderem Klang. Zuerst zeigte sie was man aus dem Vokal «U» so alles machen kann und gab zu verstehen, selbst manchmal «unheimlich unsicher» zu sein. Wie gerne wäre sie die Perfektion in Person! Und wie wäre es mit der perfekten Konzertbesucherin? Die, sobald der Maestro seinen Taktstock schwingt, auf dem richtigen Platz sitzt, zuhört und erst klatscht, wenn wirklich das ganze Stück vorbei ist und auch nicht zischelt oder aufdringlich fragt, was die da eigentlich spielen.

Und wäre sie perfekt, dann würde sie im richtigen Takt mitnicken. Auch machte sich Tanja Kummer ihr Bild darüber, wie heute die Effizienz in der Kommunikation ausschaut. Statt langer, schöner und handgeschriebener Briefe auf Büttenpapier beanspruchen heute merkwürdige Kürzel ihr Recht. Die Romantik bleibt dabei freilich auf der Strecke, und Brieftauben gibt es wohl nur mehr in einer nos-talgischen Fantasie. Dafür ist alles effizient: gut «gesimst» scheint gut geschrieben. Mit der Technik zumindest ist man, wenn’s klappt, zufrieden.

Keinesfalls auf Kürzel technischer Art beschränken lässt sich das Werk des Komponisten Ulrich Gasser. Verschiedene kammermusikalische Werke aus Gassers Feder erklangen, wie z.B. Steinkreis mit Hans Galli, Klavier. Die Gedichtvertonungen von Lyrik Rilkes und von Versen Anna Maria Bachers zeigten einmal mehr die ganze Bandbreite von Gassers Musik. Barbara Böhi (Sopran), Barbara Schlatter-Wiederkehr (Querflöte) und Mariana Doughty (Bratsche) zeigten dabei ihr Können. Am Klavier begleitete Rafael Rütti die Lieder Gassers. Damit kam das Jubiläumskonzert zu einem würdigen und gewichtigen Abschluss.