Körperorientierte Ansätze in der Musik

Körperorientierte Ansätze in der Musik

24.06.2020

Die Schweizerische Gesellschaft für Musik-Medizin bietet an ihrem 18. Symposium an der HKB Bern mit vergleichenden Einblicken einen Wegweiser durch den Therapiendschungel für Musizierende.

SMM — In den Räumen der HKB bietet die Schweizerische Gesellschaft für Musik-Medizin (SMM) am 24. Oktober körperorientierten Ansätzen zur Verbesserung oder Behandlung berufstypischer physi-scher Herausforderungen eine Plattform. Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Tagung erhalten die Gele-genheit, vor Ort beliebte und anerkannte Therapieformen kennenzulernen und zu vergleichen. Sie erhalten so die Möglichkeit, ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche der Angebote ihnen am besten entsprechen – darunter Alexandertechnik, Dispokinesis, Pilates, Spiraldynamik, spezielle Physiotherapieformen, Atemtherapien oder Feldenkrais. Wir haben die Planung des Symposiums begonnen, bevor die Coronakrise die Musik- und Therapiewelt fundamental verändert hat. Nun kann der Anlass auch genutzt werden, um an den Präsentationen und Roundttables die Frage zu erörtern, wie solche Körperarbeiten künftig gestaltet werden können.

Daneben möchte die SMM mit dem Anlass dieses Jahr aber auch Brücken schlagen, einerseits in die Romandie, andererseits zu einer unserer Partnergesellschaften im Ausland. Es freut uns ausserordentlich, dass wir dafür hochkarätige Keynote-Sprecher gewinnen konnten.

Kaum bekannt ist in der Deutschschweiz, dass sich an der Universität Genf eine Forschungsgruppe mit Weltruf am interdisziplinären «Schweizerischen Zentrum für affektive Wissenschaften» auch intensiv den Zusammenhängen von Musik und Emotion annimmt. Einer der geistigen Väter des 2003 gegründeten Forschungszentrums ist Klaus Scherer. Er wird uns die Arbeiten der Genfer Gruppe näherbringen und uns die körperlichen und psychischen Anforderungen emotionaler Interpretationen von Musik erläutern. Scherer fand über Theater und Oper zum Forschungsthema Musik.

Weshalb in der Geschichte der Musikwissenschaft immer wieder auf die zentrale Rolle des musikalischen Ausdrucks von Emotionen und die emotionalen Wirkungen von Musik auf den Hörer verwiesen wurde, erklärt Scherer damit, dass der evolutionäre Ursprung von Musik und Sprache die soziale Kommunikation von Affekten sei. In seiner Keynote wird er uns darlegen, welche Rolle dabei der Interpret spielt. Ist er nur ein kompetenter Techniker, der die vom Komponisten intendierte Emotion transportiert, oder sollte die Interpretation unmittelbar von den Gefühlen des Interpreten beeinflusst werden? Im Zentrum für interdis-ziplinäre Emotionsforschung an der Universität Genf ist Scherers Team dieser Frage theoretisch und empirisch nachgegangen. Der Vor-trag schildert den wissenschaftli-chen Hintergrund und berichtet über Resultate der Genfer Unter-suchungen mit Musikinterpreten (vorwiegend im Bereich Gesang). Diskutieren wird Scherer auch die körperlichen und psychischen Anforderungen solch emotionaler Interpretationen.

Als Vertreter und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Musik und Medizin dürfen wir Günther Bernatzky in Bern begrüssen. Er ist Leiter und Gründer des Salzburger Schmerzinstituts. Zu seinen zahlreichen Forschungsinteressen gehören unter anderem die Wirkung von Musik und Gesang bei verschiedenen Krankheiten und auf Tiere. Seine Forschungsarbeiten befassen sich darüber hinaus mit der Wirkung der Musikrezeption bei Parkinson- und Schmerzpatienten. Zusammen mit Gunther Kreutz zeichnet er auch als Herausgeber für das im Springer-Verlag erschienene Standardwerk «Musik und Therapie – Chancen für Therapie. Prävention und Bildung» verantwortlich.

Mehr Informationen und Anmeldung unter:

> www.musik-medizin.ch/aktuelles-symposium

Das Symposium wird mit der Schweizerischen Interpretenstiftung und in Zusammenarbeit mit dem SMPV, der Hochschule der Künste Bern und dem Verband Musikschulen Schweiz durchgeführt.