Gemeinsam online musizieren

Gemeinsam online musizieren

24.02.2021

Zusammenfassung eines Blogbeitrags von Matthias Krebs.

nmz/VdM — Matthias Krebs, Gründer und Leiter der Forschungsstelle Appmusik (FAM) an der Universität der Künste Berlin sowie Verantwortlicher des Lehrforschungsprojektes DigiMediaL_musik, dem VdM durch verschiedene Projektkooperation verbunden, hat im Netz einen umfangreichen Beitrag unter dem Titel «GemeinsamonlineMusizieren– Online-Musikplattformen zum Musizieren und zur kollaborativen Musikproduktion über Distanz» veröffentlicht.

Krebs präsentiert eine strukturierte Sammlung von knapp 40 Online-Musikplattformen, die dazu verwendet werden können, mit anderen Menschenüber das Internet musikalisch in Interaktion zu treten. Für Musiker*innen und Musikpädagog*innen bietet die Sammlung zahlreiche Informationen sowie Anregungen und Einblicke zur Nutzung in Form von Videos. Hier eine Zusammenfassung des Beitrags, die Interessierte auf detaillierteres Wissen neugierig machen soll. Im Zuge der Massnahmen zur Eindämmung der aktuellen COVID-19-Pandemie gewinnen Ansätze an Aufmerksamkeit, die es ermöglichen, das Internet als verbindendes Medium zur Herstellung eines musikalischen zwischenmenschlichen Austauschs zu nutzen. Im Blogbeitrag werden dazu überblicksartig verschiedene Webseiten und Apps zum gemeinsamen Online-Musizieren, Online-Aufführen, kollaborativen Musikproduzieren und Komponieren im Netz et cetera zusammengeführt und kurz beschrieben. Sie reichen von Systemen, die ein ausgeprägtes Expertenwissen voraussetzen, bis hin zu experimentell-spielerisch erschliessbaren digitalen Umgebungen, die ohne jegliche musikalische und/oder Software-technische Kenntnisse benutzt werden können.

Im Unterschied zu vorhandenen Beiträgen mit Empfehlungslisten zu diesem Thema, stellt dieser Beitrag nicht einzelne Nutzungsmöglichkeiten, sondern das Ergebnis einer Untersuchung vor, womit eine übergeordnete Systematik im Zentrum der Betrachtung steht. Sie soll bei der Orientierung helfen, um sich bei der Vielfalt an Funden im Netz einen Überblick zu verschaffen. Die Typisierung geht von vier Grundtypen kultureller Praktiken im Netz aus, die auf Kollaboration ausgerichtet sind:

− Das Netz als Proberaum (gemeinsames Musizieren)

− Das Netz als Konzertbühne (synchronisiertes Musik-Erleben)

− Das Netz als geteiltes Produktionstool (kollaboratives kompositionsorientiertes Musikmachen)

− Das Netz als Forum (sich sprachlich Austauschen)

Alle für diesen Beitrag untersuchten Musikplattformen kennzeichnet, dass die Beziehungen innerhalb von Nutzergruppen höchste Priorität haben. Die Beispiele bieten eine Vielzahl höchst unterschiedlicher künstlerischer und technischer Ansätze zur musikalischen Interaktion zwischen Beteiligten. Das Internet wird bei den im Beitrag dargestellten Beispielen nicht einfach als Übertragungsmittel und Speicher genutzt. Vielmehr stellen die aufgeführten Webseiten Strukturen zur Verfügung, die es ermöglichen, sie als «Plattform» zu verwenden. Das heisst, es handelt sich um Netzanwendungen vergleichbar mit Programmen, die vormals lokal auf einem Rechner installiert werden mussten. Damit können Nutzende direkt über einen Browser produktiv werden, wodurch die Verwendung auch unabhängig davon ist, welches Betriebssystem genutzt wird und ob man zu Hause, in der Schule, im Büro, im Studio oder unterwegs arbeiten will. Das Plattformprinzip schafft darüber hinaus aber auch fruchtbare Bedingungen für Kollaborationen, um zusammen mit anderen Menschen Musik zu machen. Die Untersuchung der Online-Musikplattformen zeigt eine Bandbreite an verschiedenen Nutzungsweisen in der vernetzten Musikausübung von Musiker*innen diverser musikalischer Genres. Über popmusikalische Musik hinaus werden viele auch für experimentelle oder klassische Musik verwendet. Sie werden sowohl im Freizeitbereich als auch für professionelle Zwecke und für Kunstprojekte genutzt. Darüber hinaus werden sie als zum Teil kostenlose Varianten und auf Grundlage ihrer Zugänglichkeit und Verbreitung aber auch zunehmend in musik-pädagogische Kontexte eingebunden. Bei einem solchen Vorhaben, einen breiten Überblick zum Thema Online-Musikplattformen zu bieten, muss von vornherein klar sein, dass jede Link-Sammlung chronisch unvollständig ist. Einerseits erscheinen immer neue Musik-Plattformen, andererseits sind manche Plattformen nach einiger Zeit technisch unbrauchbar, verschwinden oder ihre Erscheinungsweise und Funktionalität verändern sich entscheidend. Mit dem Ziel, eine sich stetig aktualisierende und erweiternde Sammlung an Online-Musikplattformen sowie einen Ort für den Austausch von damit zusammenhängenden Projekterfahrungen zu schaffen, wurde daher von Matthias Krebs die offene Form eines Blogbeitrags mit den kollektiven Ergänzungsmöglichkeiten durch Kommentare gewählt. Aktuell finden sich im Kommentarbereich bereits erste weiterführende Hinweise und Erfahrungsberichte von Nutzer*innen. Der Blogbeitrag kann damit eine Inspirationsquelle sein, die auf Grundlage einer facettenreichen, strukturierten Sammlung und der von Kommentaren stetig aktualisierten und erweiterten Form Musiker*innen und Musikpädagog*innen neue Perspektiven aufzeigt. Damit verbunden ist das Ziel, Nutzer*innen mit unterschiedlichen Vorerfahrungen dabei zu unterstützen, auf künstlerische Weise die Ästhetik digitalisierter Formen des Musikmachens zu erkunden. Dafür lohne es, sich auf das Spezifische des Digitalen einzulassen, das gemeinsame Handeln zu reflektieren und erste Ergebnisse nicht vorschnell in einen direkten Vergleich mit lange Gewohntem zu führen, so der Autor. Mittlerweile ist auch ein ergänzender Beitrag dazu in der Fachzeitschrift Üben & Musizieren in den Ausgaben 5 und 6/2020 erschienen, in denen die Einsatzmöglichkeiten der Musikplattformen für instrumentalpädagogische Kontexte erläutert werden. Den kompletten Text mit integrierten Videos finden Sie unter: http://forschungsstelle.appmusik.de/gemeinsam-online-musizieren.

Dieser Text erschien in der Ausgabe 12/20 / 1/21 der nmz (Neue Musikzeitung). Abdruck mit freundlicher Genehmigung.

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