AK-Fusion: «Drei gute zu einer besseren!»

AK-Fusion: «Drei gute zu einer besseren!»

Andreas Grünholz / verom, 24.02.2021

Die drei AHV-Ausgleichskassen «Gärtner & Floristen», «Schreiner» und «Verom», zu welcher auch der SMPV gehört, sollen sich zu einer neuen Kasse vereinen. Man will bündeln, vereinfachen und beschleunigen, was heute dreispurig läuft. Die angestrebte Fusion der drei Kassen macht die AHV-Betreuung der Branchen und Betriebe moderner, schlanker und produktiver. Die so entstehende Ausgleichskasse «Forte» signalisiert mehr Fitness, soziale Sicherheit und Zukunft – ein Gespräch mit dem Direktor und Kassenleiter der drei Ausgleichskassen

 

Dr. Urs Fischer ist Direktor und Kassenleiter der drei AHV-Ausgleichskassen «Gärtner & Floristen», «Schreiner» und «Verom». Im Interview stellt er sich den Fragen der perspective zur angestrebten Kassenfusion.

Die in den drei heutigen Ausgleichskassen vertretenen Branchen und Berufsgruppen sind vielfältig: Neben Eisenwaren & Haushalt, Früchte- & Gemüsehandel, Obstproduzenten und -verarbeitern, Mulimediafachleuten und Schreinern zählen auch Gärtner & Floristen sowie Musikpädagogen zu den Versicherten. Die drei Ausgleichkassen «Gärtner & Floristen», «Schreiner» und «Verom» erbringen umfassende Dienstleistungen rund um AHV/IV/EO, Familienzulagen, Berufsbildungsfonds und berufliche Vorsorge (PK). Die drei Kassen werden seit 5 Jahren von der gemeinsamen Geschäftsstelle in Schlieren in Personalunion unter der Leitung von Dr. Urs Fischer geführt. – Eine dreifache parallele Kassenführung ist aufwändig und komplex. Die Verschmelzung zu einer neuen, einheitlichen Kasse birgt Sparpotenzial und Produktivitätsgewinn. Das Projekt ist auf guten Wegen, die definitiven Beschlüsse sind vorbereitet. Termin der Fusion ist der 1. Januar 2022. Urs Fischer erklärt die Hintergründe.

Herr Fischer, Sie führen heute parallel drei Kassen mit nahezu identischen Leistungen. Wie ist dieses Konstrukt entstanden?
Zunächst startete mein Engagement als Kassenleiter bei der AK Gärtner und Floristen. Danach durfte ich die AK Schreiner mit übernehmen. Später ergab sich die Chance, die AK Verom zusätzlich ins Portfolio zu integrieren und die drei Kassen am gemeinsamen Standort in Schlieren zu führen. Die Zusammenarbeit an einem Ort brachte bereits Synergien und ermöglichte Einsparungen. Drei eigenständige Kassen bedeuten aber dennoch drei Kassenvorstände, drei Sitzungsplanungen, drei Websites, drei Kassenberichte, drei Jahresversammlungen, drei Datenbanken, dreifache Kostenaufteilungen, drei Revisionen usw. – Im Hintergrund dieser drei Rechtseinheiten bleiben auch weiterhin 11 Gründerverbände und Branchen mit ihrem Stallgeruch, ihren Eigenarten und ihrem Autonomieanspruch. Diese Besonderheiten gilt es als Dienstleisterin bestmöglich zu respektieren und mit dem gesetzlichen Auftrag unter einen Hut zu bringen.

Aber aufwändig ist die dreifache Kassenführung mit 11 Gründerverbänden schon – zumindest von aussen gesehen … aufwändig und teuer!
Ja, diese Erkenntnis setzt sich durch. Und die logische Folge ist die Zusammenführung der drei Kassen in eine einzige Rechtseinheit. Die individuelle Betreuung der Verbände, ihrer Mitglieder und Versicherten muss dabei bestehen bleiben.

Wie soll die Organisation der neuen Kasse aussehen?
Im 24köpfigen Kassenvorstand wird jeder Gründerverband mit mindestens einem, die grösseren Verbände anteilmässig mit weiteren Mitgliedern vertreten sein. Dieser Vorstand hat primär gesetzliche und strategische Aufgaben. Ein Ausschuss mit 6 Mitgliedern übernimmt dann die enge Begleitung der Geschäftsstelle und überwacht die Kasse im Auftrag des Kassenvorstandes. Ein Compliance Officer wird direkter Ansprechpartner für alle Stakeholder. Er rapportiert periodisch dem Vorstand und kann nötigenfalls spezifische Kontakte (Präsident, Bundesamt für Sozialversicherung, Revisionsgesellschaften) aktivieren.

Können Sie die angepeilten Vorteile dieser Fusion noch konkretisieren?
Viele Prozesse laufen künftig nur einmal ab. Das ist wirtschaftlicher und wir können schneller agieren und entscheiden. Die Erwartungen der Kunden steigen. Schnelligkeit wurde de facto zu einem Qualitätsmerkmal, die Pandemie-bedingten Notlagen bestätigen dies. Zudem wollen wir vermehrt Fachkompetenz und Kommunikation statt komplizierter Abläufe in den Fokus unserer Bemühungen stellen. Weniger Instanzen und Sitzungen, raschere Beschlüsse, weniger Aufwand für Prozesskontrollen, Prüfungen, Software- und IT-Konfiguration – all das wird sich mittelfristig positiv auf die Verwaltungskosten auswirken. Alle Aufwendungen, insbesondere für die technische Zusammenführung der Daten, werden aus bestehenden Eigenmitteln finanziert. Wir sehen das als Investition und erwarten den Payback bereits nach 3–4 Jahren. Der Minderaufwand wird zugunsten der bei uns angeschlossenen Betriebe und Versicherten eingesetzt werden.

Gibt es auch mögliche Schwachstellen und Risiken zu gewärtigen?
Mit dem neutralen Kassennamen «AK Forte» gerät die Branchenidentifikation in den Hintergrund. Aber bereits der Name «Verom» ist branchenneutral. Alle Beteiligten haben sich schnell daran gewöhnt. Die Datenzusammenführung in eine einheitliche Struktur ist aufwändig und verlangt viel Sorgfalt. Zudem ist die rechtliche Abwicklung einer Fusion immer ein Kraftakt. Diese Prozesse werden uns bis an unsere Belastungsgrenzen fordern.

Wer gibt bei den einzelnen Gründerverbänden das definitive grüne Licht?
Das jeweilige Verbandsgremium, das die Kompetenz für Statutenänderungen hat. Das können je nach Grösse und Struktur des Verbands General-, Delegierten- oder Mitgliederversammlungen sein. Die Beschlüsse in diesen Kompetenzgremien sind bindend. Es ist wichtig, dass alle 11 Gründerverbände der Fusion zustimmen.

Und welche Mehrheitsverhältnisse sind jeweils für einen Fusionsentscheid nötig?
Damit die Fusion als angenommen gilt, muss ein Ja-Quorum von jeweils drei Viertel der abgegebenen Stimmen erreicht werden. Als abgegebene Stimmen zählen alle Ja- oder Nein-Stimmen sowie die aktiven Stimmenthaltungen. Eingereichte Enthaltungen fliessen dem Neinstimmen-Anteil zu, denn sie sind keine expliziten Ja-Stimmen. Wir brauchen eine explizite Ja-Mehrheit von drei Viertel aller abgegebenen Stimmen. In normalen Zeiten entscheiden die erwähnten Gremien in ihren ordentlichen Jahresversammlungen. Werden diese Abstimmungen in der Pandemie aber postalisch oder elektronisch durchgeführt, steigt das Risiko von Nichtteilnahmen an den Abstimmungen. Das wären also nicht aktive Stimmenthaltungen, vor allem aber verlorene potenzielle Ja-Stimmen.

Wer sich der Stimme enthalten und damit die Entscheidung nicht beeinflussen möchte, sollte also eigentlich gar nicht abstimmen …
… Ja! Denn jede aktiv eingereichte Stimmenthaltung schwächt das Ja-Lager. Insofern ist es wichtig, dass wir gute Stimmbeteiligungen und möglichst wenige eingereichte Stimmenthaltungen bekommen, denn wir wollen die Fusion mit einer stabilen Zustimmung der Mitglieder und auf überzeugenden Fakten umsetzen können.

Wie sieht der Wunschfahrplan aus?
Wir möchten diese Entscheide im ersten Halbjahr 2021 unter Dach haben. Das zweite Halbjahr dient den Eingaben an die Aufsicht sowie der weiteren operativen Umsetzung. So wird ein Start der AK Forte per 1. Januar 2022 möglich sein. Nach Projektende soll der erwartete Gewinn zu Gunsten aller an der neuen AK «Forte» Beteiligten eingesetzt werden.

Da bleibt eigentlich nur noch, Ihnen gutes Gelingen zu allen Abstimmungen und Prozessen zu wünschen!

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