Gewaltfreie Kommunikation und «Voll Motiviert»

Gewaltfreie Kommunikation und «Voll Motiviert»

30.06.2021

Der Monat Mai brachte dem SMPV zwei spannende und praxisorientierte Online-Weiterbildungen: Im ersten Workshop, der in drei Teilen ausgerichtet wurde, wurden die Grundprin-zipen der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg (GFK) erlernt und erprobt. Am 25.5. wurde in einem zweiten Workshop mit Kristin Thielemann das Thema der Motivation im Musikunterricht in all seinen Facetten erörtert.

Beatrice Villiger — Beide Kurse waren sehr gut besucht, und die Onlineformate haben sich auch im praktischen Üben bewährt. Folgekurse mit beiden Dozentinnen sind in Vorbereitung, auch in der Romandie.

Was ist Gewaltfreie Kommunikation?

Was unter gewaltfreier Kommunikation zu verstehen sei, beschreibt die Kursdozentin Sylvie Hörning folgendermassen: «Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg ist eine Art des achtsamen und wachsamen Umgangs miteinander, die den Kommunikationsfluss erleichtert. Dieser ist im Austausch miteinander und im friedlichen Lösen von Konflikten notwendig. Der Schwerpunkt liegt beim Hervorheben der jeweiligen Bedürfnisse, die alle Menschen gemeinsam haben. Wir werden zu einem Sprachgebrauch angeregt, der gegenseitiges Wohlwollen anstrebt […] Es handelt sich bei der Gewaltfreien Kommunikation nicht um einen Zauberstab, der Konflikte wegzaubert. Es handelt sich auch nicht um eine antiautoritäre Theorie, die alles erlaubt. Dank der Gewaltfreien Kommunikation kann man Lösungen finden, die auf Verbindung, gegenseitigem Respekt, Rücksichtnahme und Konsens beruhen. Neugierde, Offenheit, Humor, Zeit und Geduld sind unerlässlich, um sich auf diesen Weg zu begeben.»

Was bringt es dem Musikunterricht?

Mit etwas Übung ermöglicht uns ein bewusster Umgang mit Gewaltfreier Kommunikation in unserem Musikunterricht, gleichzeitig bei uns selbst (den eigenen Bedürfnissen) zu bleiben und dabei offen die Bedürfnisse unserer Schüler (und diejenigen ihrer Eltern…) zu erkennen.

Die Gewaltfreie Kommunikation ermöglicht einen Perspektivenwechsel in einer Situation. Nehmen wir ein Beispiel: Mein Schüler kommt in die Lektion und hat schon wieder nicht geübt. Nun habe ich die Wahl, mich entweder aufzuregen und dem Schüler Vorwürfe zu machen, oder ich versuche einen Perspektivenwechsel, um lösungsorientiert handeln zu können.

Meine Perspektive: Was beobachte ich (neutral, so wie es eine Kamera machen würde)? Was fühle ich dabei? Welche Signale sendet mir mein Körper? Was ist mein Bedürfnis (was ist mir wichtig)?

Wie in einem gemeinsamen Tanz versuche ich nun, die Perspektive des Gegenübers zu erfassen: Was magst du beobachtet haben (Vermutung!)? Wie unterscheidet sich dies von deinen Gedanken? Was magst du dabei gefühlt haben? Was ist dir dabei vermutlich wichtig (Bedürfnis)?

Auf meinen Schüler könnte ich nun folgendermassen eingehen: «Warum konntest du denn nicht üben? Wäre es dir wichtig, mehr zu üben, und warum?»

Nachdem beide Perspektiven wahrgenommen werden konnten, kann eine gemeinsame Strategie zur Lösung erarbeitet werden: «Was könnte dich denn zum Üben motivieren? Wie oder wann könntest du dir Zeit einplanen?»

Zusammengefasst bedeutet diese Vorgehensweise also: Impuls – innehalten – beobachten – meine Bedürfnisse erläutern – deine Bedürfnisse wahrnehmen – gemeinsam eine Lösung suchen.

«Voll motiviert»

Lösungsorientiert war auch das Seminar «Voll Motiviert – Erfolgsrezepte für Ihren Unterricht» mit Kristin Thielemann. Nach einem eher theoretischen Teil über die drei verschiedenen Motivations-Typen (leistungs-, anschluss-, machtmotiviert) wandte sich der Fokus rasch der Praxis zu mit vielen spannenden Beispielen; so zum Beispiel wie eine Improvisation mit der Klasse über ein Bild (z.B. «Leben auf dem Bauernhof») zustande kommen kann oder wie viel das Modell vom Paten-Schüler den Kleineren und den Grösseren bringen kann. Mit etwas Übung und Beobachtung können wir Lehrer*innen bei unseren Schüler*innen entschlüsseln, ob sie macht- (steht gerne im Rampenlicht), anschluss- (liebt Gruppenprojekte) oder eher leistungsmotiviert (freut sich schon darauf, beim nächsten Heft anzugelangen) sind und dementsprechend unseren Unterricht gestalten.

Beim motivationsorientierten Unterricht wie auch bei der Gewaltfreien Kommunikation verhält es sich wie in der Musik: für ein harmonisches Zusammenspiel braucht es Übung, Vertrauen und Spass!

Nützliche Links

Gewaltfreie Kommunikation: Sylvie Hörning, Basel. www.callimani.ch

«Voll Motiviert»: Kristin Thielemann.

www.vollmotiviert.com

Beatrice Villiger

… ist Sängerin und Zentralvorstandsmitglied des SMPV.

Schweizerischer Musikpädagogischer Verband

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