Junge Jazzer auf dem Sprung

Junge Jazzer auf dem Sprung

Michael Zollinger , 07.05.2014

An den Musikhochschulen sind Business-Themen in den letzten Jahren selbstverständlich geworden. Überleben 
junge Jazzerinnen und Jazzer deswegen leichter? Diese und ähnliche Fragen werden am 17. Mai an den Schaffhauser Jazzgesprächen diskutiert. Das Schweizer Musik Syndikat SMS ist Mitveranstalter.


«Zwischen Diplom und Erfolg – junge Jazzer auf dem Sprung». So lautet das Thema der diesjährigen Jazzgespräche in Schaffhausen, die am Samstag, 17. Mai in Kooperation mit der Hochschule Luzern – Musik, Pro Helvetia und dem Schweizer Musik Syndikat SMS durchgeführt werden. Exponentinnen und Exponenten der in- und ausländischen Szene und der Hochschulen erörtern, was es zum Erfolg in der Jazzszene heute braucht. Jährlich verlassen immer mehr bestens ausgebildete Jazzmusikerinnen und -musiker die Musikhochschulen. Alle drängen sie auf die Bühnen und suchen Anstellungen an einer Musikschule. Die Hochschulen haben auf den härteren Konkurrenzkampf reagiert, indem in ihrer Ausbildung auch Module zu Marketing, Recht, Kulturförderung, Social Media und dergleichen mehr fester Bestandteil sind. 


Hartnäckigkeit und 

Dringlichkeit


Doch sind die Absolventinnen und Absolventen deswegen auch besser auf den anspruchsvollen Musikerberuf vorbereitet? «Die Hochschulen können Know-how vermitteln und auf die konkreten Bedingungen in der Szene hinweisen. Die Erfahrung muss man dann aber selbst machen und seinen Platz finden», ist Benedikt Wieland überzeugt. Der E-Bassist ist selbst Abgänger der Jazzabteilung der Hochschule Luzern – Musik und heute nebst seinen musikalischen Aktivitäten Geschäftsführer des Schweizer Musik Syndikats SMS. Nebst einer klaren künstlerischen Idee brauche es heute vor allem Hartnäckigkeit und Geduld, um sich auf der Jazzszene durchzusetzen, glaubt Wieland. Wichtig sei Wissen über die Kulturbranche ganz allgemein, die Verwertungsgesellschaften und Möglichkeiten in der Kulturförderung. Zudem müsse man mit den Neuen Medien umgehen und seine Projekte auch attraktiv visualisieren können. Der heutige Pragmatismus vieler junger Musiker sei zwar grundsätzlich hilfreich, habe aber auch Nachteile. «Den heutigen Studierenden ist bewusst, wie schwierig es geworden ist. Das führt bei einigen zu einer Kompromissbereitschaft, die dann leider die eigentlich so wichtige Dringlichkeit vermissen lässt», beobachtet der SMS-Geschäftsführer.


Der SMS will künftig noch verstärkt beratend tätig sein, sagt Wieland: «Wir verstehen uns als Schnittpunkt in der Jazzszene und als Anlaufstelle für die Jazzmusiker und wir möchten regelmässig Plattformen für den Austausch bieten.»

Das Schweizer Musik
Syndikat in Kürze


Das Schweizer Musik Syndikat (SMS) ist die Organisation für den Jazz und die improvisierte Musik in der Schweiz. Der Berufsverband vertritt die Interessen der Jazzerinnen und Jazzer. Dabei verfolgt er berufsspezifische und kulturpolitische Ziele, fördert den Austausch in der Szene und bietet umfassende Dienstleistungen. Aktuell hat der SMS 450 Mitglieder. Präsidentin ist Marianne Doran, die langjährige Geschäftsführerin der Jazzschule Luzern und heute HR-Verantwortliche und Projektbeauf-
tragte der Hochschule Luzern – Musik.