«Musikalische
Bildung» und Musik in der Schule 


«Musikalische
Bildung» und Musik in der Schule 


Armon Caviezel , 03.09.2014

Was hat der Verfassungs-
artikel 67a «Musikalische 
Bildung» mit der Musik in der Schule zu tun?


Was soll diese provokante Frage?


… natürlich ist die Thematik Musik in der Schule eng mit dem neuen Verfassungsartikel verbunden. 


… natürlich war der Bereich Schulmusik das Filetstück der Abstimmungsvorlage allgemeinen.


… natürlich bildet die Musik in der Schule ein wesentlicher Bestandteil der allgemein musikalischen Bildung. 


… natürlich ist die Musik in der Schule eine entscheidende Grundversorgung und somit Voraussetzung für die kulturelle Teilhabe in diesem Lande.


Also, alles paletti?...Bei weitem nicht!


Landauf landab wurde und wird immer wieder moniert, dass der Musikunterricht in der Volksschule nicht den Vorgaben entsprechend durchgeführt werden kann. Es fehlen genügend ausgebildete Lehrpersonen; an verschiedenen Pädagogischen Hochschulen kann das Fach Musik abgewählt werden; die Ausbildung reicht nicht, um die vorgeschriebenen Unterrichtsziele zu erreichen, etc. Das stimmt; ja sogar noch mehr, die Grundversorgung des Musikunterrichts in der Volksschule ist schon heute nicht mehr gewährleistet. 


Rahmengesetz


Mit dem eingeschlagenen Weg der Umsetzung wurde eine fatale Weichenstellung vorgenommen. Die Inhalte des Art. 67a betreffen sowohl Bildung wie auch die Kultur. Dieser Artikel hält in seinen Aussagen zur musikalischen Bildung klar eine bundespolitische Bildungsvorstellung, einen Bildungswert und ein Bildungsziel fest. Es besteht kein Bundesgesetz, das die Inhalte des BV67a in ihrer Ganzheit aufnehmen könnte. Eine Aufsplitterung in verschiedene Bereiche bewirkt den Verlust des Zusammenhangs, resp. schwächt die Gesamtwirkung des Verfassunsgartikels. 


Die Vermischung mit der Kulturförderung schwächt Kultur und Bildung. Das KFG fördert in erster Linie Kulturanliegen. Die Massnahmen zu Art. 67a im KFG stehen in keinem direkten Zusammenhang zu den Schulen, welche für eine nachhaltige musikalische Bildung zuständig sind.


Um dem klaren Auftrag der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, welcher Art. 67a BV auslöst, gerecht zu werden, braucht es ein eigenständiges Rahmengesetz.


Bund und Kantone stehen in der Pflicht


Bund und Kanton sind aufgefordert, ihren Zuständigkeiten entsprechend den klaren Volksentscheid von 73% Ja-Stimmen umzusetzen. Dieser Entscheid beinhaltet auch eine unmissverständliche Aufforderung, den z. T. unhaltbaren Zuständen in der Schulmusik Einhalt zu gebieten. Auf diesem Hintergrund dürfen es sich weder der Bund noch die Kantone leisten, untätig zu sein und so den Volkswillen zu missachten.


Gemäss Art. 67a, Abs. 2 werden die Kantone zur Zusammenarbeit aufgefordert. Die Ziele des schulischen Musikunterrichts müssen koordiniert werden. Der Bund soll den Stand der interkantonalen Harmonisierung periodisch prüfen und allenfalls Eckwerte für einen harmonisierten schulischen Musikunterricht erlassen. Bevor die Harmonisierung der Kantone angegangen wird, ist die Festlegung von Mindest-Standards zur Sicherstellung des hochwertigen Musikunterrichts Voraussetzung. Natürlich kann die Umsetzung von Art. 67a auf kantonaler Hoheit von Art. 67a nicht via Kulturbotschaft koordiniert werden. Dennoch vermissen wir in der Kulturbotschaft Hinweise auf die eminent wichtige Rolle, die der schulische Musikunterricht in der Umsetzung von Art.67a spielt. Die totale Ausklammerung der schulischen musikalischen Bildung sowie die Bezugnahme zur Lehrerbildung irritiert und befremdet uns sehr.


Mit dem Erlass eines eigenständigen Gesetzes zur Umsetzung des Förderauftrags nach Abs. 1 und 2. des Art. 67a sowie dem Erlass von Grundsatzregeln nach Abs. 3 betreffend Zugang der Jugend zur Musik und Begabtenförderung steht der Bund in der Pflicht. Zudem ist der Bund in Bezug auf die Zielnorm in Abs. 2 «hochwertiger Musikunterricht» aufgerufen, dass er in seinem Zuständigkeitsbereich einen ausreichend und hochwertigen Musikunterricht ermöglichen muss.


Die Teilhabe an Kultur gelingt dann besonders, wenn der Zugang zur Kultur in jungen Jahren positiv ermöglicht und geschaffen wird. Kultur muss gelernt und erlebt werden! Die Volksschule ist der prädestinierteste Ort der musikalischen Bildung und somit auch der Kulturförderung. Alle Gesellschaftsschichten sind in der Volksschule vertreten. Somit ist ein chancengerechter Zugang zur musikalischen Bildung und Kultur für alle sichergestellt. Erfahrungsgemäss ist die schulmusikalische Aktivität gemeinsam mit dem Sport ein Integrationsfaktor erster Güte. Damit dieser Zugang gut gelingt, muss die qualitative und quantitative Versorgung des Musikunterrichts sichergestellt werden.


Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir weit davon entfernt!