Im Gedenken an Markus Flury

Im Gedenken an Markus Flury

Stefano Kunz, 01.05.2016

Am 7. März dieses Jahres verstarb Markus Flury (20. Juli 1960 – 7. März 2016), Präsident des Schweizer Musikrats, in seinem Amt. Obschon bekannt war, dass er seit dem Frühling 2013 krank war, kam sein Tod für alle unvermittelt rasch und plötzlich.

In einer bewegenden Trauerfeier, welche am 15. März in der Katholischen Kirche Hägendorf stattfand, nahmen die Hinterbliebenen und eine grosse Anzahl von Menschen, welche in der einen oder anderen Form mit Markus Flury verbunden waren, von ihm Abschied.

Im Sinne eines Nachrufs drucken wir nachstehend die Ansprache, welche unser Geschäftsführer an der Trauerfeier hielt, in gekürzter Form ab.

«Liebe Trauerfamilie, geschätzte Kolleginnen und Kollegen aus den Kreisen von Musik, Kultur, öffentlichen Verwaltungen und Politik, sehr geehrte Damen und Herren

Als Geschäftsführer des Schweizer Musikrats darf ich stellvertretend für den Vorstand und die Geschäftsstelle ein paar Worte an Sie richten. Ich wünschte, ich müsste dabei nicht zurückblicken, sondern könnte Ihnen von all dem erzählen, was Markus Flury noch anpacken wollte. Aber es ist nicht so. Die Krankheit nahm ganz plötzlich überhand und zerstörte den Körper von Markus Flury, nahm ihm damit sein Leben und riss ihn aus unserer Mitte – für uns alle viel zu früh!

Weil ich somit hier stehen muss, bin ich froh, dass ich dabei von den Fähnrichen und den Fahnen des Eidgenössischen Jodlerverbandes, der Schweizerischen Chorvereinigung und des Schweizer Blasmusikverbandes begleitet werde. Sie stehen mit ihren Fahnen stellvertretend hier für die 53 Mitgliedsorganisationen des Schweizer Musikrats, welche ihrerseits über 600 000 Aktive vertreten. Das gibt Kraft, die wir alle brauchen, denn der Musikrat hat seinen Präsidenten verloren – die Familie den Sohn, den Partner, den Vater, den Bruder – und ich einen guten Freund.

Mit unserer Anwesenheit bringen wir der Familie gegenüber zum Ausdruck, dass wir den Schmerz und die Trauer mit ihnen teilen und wir sie in unseren Gedanken und Gebeten begleiten. Für uns ist es zugleich der Moment, um bewusst von Markus Flury Abschied zu nehmen und ihm nochmals die Ehre zu erweisen:

Elf Jahre lang hat Markus Flury im Schweizer Musikrat gewirkt – elf Jahre, in denen er für die Anliegen der Musik in unserem Land gekämpft hat: Fünf Jahre im Vorstand und sechs Jahre als Präsident.

Er war ein beherzter Kämpfer, hatte Mut und scheute sich nicht, auch Konflikte einzugehen. Als z.B. Swiss Olympic vor zwei Jahren öffentlich forderte, dass dem Sport mehr Gelder zu Lasten der Kultur zur Verfügung zu stellen sei, schrieb Markus Flury dem Präsidenten von Swiss Olympic, alt Regierungsrat Jörg Schild, umgehend ein deutliches Mail, um ihm klar zu machen, dass es nicht angehen kann, den Sport gegen die Kultur auszuspielen. Obschon die Antworten zu Beginn wenig freundlich waren, entstand schliesslich ein fruchtbarer Austausch zwischen den beiden Dachverbänden.

Es war eine der ganz grossen Stärken von Markus Flury, dass er intuitiv wusste, wie er Persönlichkeiten begegnen oder sich in schwierigen Situationen verhalten musste. Von dieser einzigartigen Intuition profitierte der Schweizer Musikrat immer wieder – sei es im Zusammenhang mit der Initiative ‹Jugend und Musik› oder der Kulturbotschaft 2016 – 2020, um nur zwei Beispiele zu nennen. Dabei spielten für Markus Flury Äusserlichkeiten und Positionen kaum eine Rolle, sondern er begegnete den Gesprächspartnerinnen und -partnern immer von Mensch zu Mensch – eine Qualität, die sehr geschätzt wurde.
Markus Flury liebte das Leben! So sehr, dass er sich nicht von der Krankheit bestimmen lassen wollte. Auch davon profitierte der Musikrat, indem Markus Flury bis zum Schluss aktiv blieb. Aber er ignorierte die Krankheit auch nicht, sondern begegnete ihr immer auf Augenhöhe. Und vor allem: Er beklagte sich nie! Dieser Umgang mit der Krankheit und seine Offenheit, mit der er darüber sprach – das beeindruckte die Menschen zutiefst.
Am Jubiläumsanlass des Musikrats vor zwei Jahren sprach Markus Flury in seiner Begrüssung vom Musikrat als grossem Raddampfer und der Leidenschaft zur Musik, die die Maschine antreibe. Als Kapitän dieses grossen Dampfers musste er nun zwar die Kommandobrücke für immer verlassen. Aber seine Leidenschaft für eben diese Musik, sein vorbildlicher Kampf für den Wert der Musik in unserem Land - dies bleibt als sein Vermächtnis.
Frau Johanna Lier, Präsidentin von Suisseculture, schrieb in ihrem Kondolenzbrief: ‹Während der Lobby- Arbeit für die Kulturbotschaft habe ich Markus Flury als leidenschaftlichen und äusserst hilfsbereiten und kompetenten Mitstreiter erlebt. Sein Tod ist ein grosser Verlust für uns alle.›
Wir verneigen uns vor diesem Mann, welcher sich über so lange Zeit in die Musik der Schweiz investiert hat. Wir schulden ihm grossen Dank für alles, was er dabei gegeben und geleistet hat. Und wir werden das, was er begonnen hat, weiterführen: leidenschaftlich, hilfsbereit und kompetent! »