Schweizer Musik Syndikat SMS  
Jazzerinnen und Jazzer im Generationendialog

Jazzerinnen und Jazzer im Generationendialog

Benedikt Wieland, 28.04.2016

Wie profitieren die Jungen von den Alten und was können die Reifen von den Jungen lernen? Die diesjährigen Schaffhauser Jazzgespräche finden am 28. Mai unter dem Titel «Young Lions and Old Cats – der Generationendialog im Jazz» statt. Das Schweizer Musik Syndikat SMS ist wiederum Veranstaltungspartner.

In den Jazzschulen büffeln die Studierenden seit jeher Jazzgeschichte. Es herrscht die einhellige Meinung, dass musikhistorische Kenntnisse auch im Jazz zur Hochschulbildung gehören sollen. Viel realer wird die Auseinandersetzung mit der Jazzgeschichte allerdings, wenn junge Jazzerinnen und Jazzer in generationenübergeifenden Projekten musikalisch tätig werden. Viele ältere Musikerinnen und Musiker holen sich auch hierzulande ganz bewusst junge musikalische Partner in ihre Bands. So fördern sie den Nachwuchs, lassen sich aber auch selbst künstlerisch beeinflussen. Was passiert in Projekten, wenn Altersweisheit auf Sturm und Drang trifft und wie funktioniert die gegenseitige Inspiration? Diesen Fragen gehen die 13. Schaffhauser Jazzgespräche im Rahmen des 27. Schaffhauser Jazzfestival nach. Unter der Leitung des Journalisten und Dozenten Michael Zollinger diskutierten junge und ältere Exponentinnen und Exponenten der Szene und pflegen den Generationendialog im Jazz.

Die Kraft der Routine als Erlebnis

Mit dabei ist auch der junge Zürcher Saxofonist Christoph Irniger, der das Thema in Schaffhausen im Gespräch mit der 75-jährigen Irène Schweizer erörtern wird. «Jeder Jazzmusiker und jede Jazzmusikerin setzt sich irgendwann mit der Tradition auseinander und kommt so nicht umhin, sich mit vorhergehenden Generationen zu befassen », meint der 36-jährige Irniger. «Routine ist ein ganz wesentliches Gut eines reifen Musikers. Von dieser Kraft angetrieben zu werden, ist ein grosses Erlebnis.» Die Stärke der heutigen Generation sieht Irniger nebst dem soliden Handwerk in der stilistischen Flexibilität. Wer sich als Älterer darauf einlasse, werde vielleicht dadurch auf neue Ideen kommen. Gemäss dem 80-jährigen Saxofonisten und Autoren Bruno Spoerri sind generationenübergreifende Projekte heute viel häufiger als früher. «Zu unserer Zeit versuchten sich die Jungen vor allem von den Älteren abzusetzen - die Bebopper von den Swingleuten, die Cool- Anhänger vom Bebop, die Hardbopper vom Westcoastjazz und die Freejazzer von allen anderen. In den gängigen Jazzbüchern wurden Jazzstile als aufeinanderfolgend und inkompatibel gesehen – vor allem von den Theoretikern, die darüber schrieben. Viele Musiker waren allerdings pragmatischer und übersprangen oft Grenzen», sagt Spoerri.

Weitere spannende Gäste

Nebst Irène Schweizer referiert er am 28. Mai in Schaffhausen als Vertreter der älteren Generationen. Sein Vortrag zum Thema «Wann ist ein Jazzmusiker, eine Jazzmusikerin alt?» darf mit Spannung erwartet werden. Weitere Gäste sind Michael Kaufmann, der Direktor der Hochschule Luzern – Musik, der die Hochschulsicht auf das Thema einbringen wird und unterder Leitung des Musikers und Journalisten Christoph Merki geben die beiden Vater-Sohn- Duos Roberto und Raffaele Bossard und Florian und Raphael Walser Einblicke in die künstlerische Inspiration innerhalb der Familie. In der abschliessenden Podiumsdiskussion sind nebst Bruno Spoerri die junge Komponistin Luzia von Wyl, der Pianist Chris Wiesendanger und Anja Illmaier mit von der Partie. Ilmaier arbeitet fürs Label Intakt Records und ist neues Vorstandsmitglied des Schweizer Musik Syndikats SMS.

Buchvernissage Irène Schweizer im Anschluss

Gleich im Anschluss findet die Buchvernissage zur neuen Biografie von Iréne Schweizer zu deren 75. Geburtstag statt. Das umfangreiche Buch von Autor Christian Broecking mit dem Titel «Dieses unbändige Gefühl der Freiheit – Irène Schweizer – Jazz, Avantgarde, Politik» ist Rahmeneines Forschungsprojekts der Hochschule Luzern–Musik entstanden. Nebst der HSLU – Musik und dem SMS sind die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und die Pro Helvetia die weiteren Veranstaltungspartner der diesjährigen Schaffhauser Jazzgespräche.

Mehr Infos zu den Schaffhauser Jazzgesprächen und zum Festival auf:
www.jazzfestival.ch

Das Schweizer Musik Syndikat in Kürze

Das Schweizer Musik Syndikat SMS ist die Organisation für den Jazz und die improvisierte Musik in der Schweiz. Der Berufsverband vertritt die Interessen der Jazzerinnen und Jazzer. Dabei verfolgt er berufsspezifische und kulturpolitische Ziele, fördert den Austausch in der Szene und bietet umfassende Dienstleistungen. Aktuell hat das SMS 450 Mitglieder. Präsidentin ist Marianne Doran, langjährige Geschäftsführerin der Jazzschule Luzern und heute HR-Verantwortliche und Projektbeauftragte der Hochschule Luzern–Musik.
 

www.musiksyndikat.ch