Musik und Bewegung an der Primarschule Basel

Musik und Bewegung an der Primarschule Basel

18.06.2016

Mit dem Fachunterricht Musik und Bewegung über die gesamte Primarschullaufbahn hinweg nimmt Basel-Stadt eine Sonderstellung ein.

Regelmässig präsentiert sich der Fachunterricht mit öffentlichen Auftritten in der Stadt. Bei «Basel singt» sind 300 Kinder aus allen Quartieren, begleitet durch ein Kammerorchester aus StudentInnen und DozentInnen der MAB, aufgetreten.

Eltern sehen im MuB-Unterricht eine «Bereicherung im Schulleben» und erhalten durch ihn «Impulse zum Besuch von Veranstaltungen». Zudem rege der Unterricht ihr Kind zum Erlernen eines Instruments an.

Als 1994/95 der Fachunterricht aus Spargründen in den 4. Klassen gestrichen worden war, haben sich 18 000 Personen mit einer Petition gegen diese Reduzierung gewehrt.

Heute unterrichten MuB-LehrerInnen, die ihrerseits schon als Primarschulkind in den Genuss dieses Fachunterrichts gekommen waren.

Esther Bacher — Der Kanton Basel-Stadt bietet seit 40 Jahren ein einmaliges Modell: Alle Kinder von der 1. bis zur 6. Primarschulklasse erhalten zusätzlich zum wöchentlichen Musikunterricht einen professionell geführten Fachunterricht Musik und Bewegung (MuB). Er wird von einer Fachlehrperson in Halbklassen in einem speziell ausgestatteten Zimmer durchgeführt. Während die Klassenlehrperson für das tägliche Singen im Klassenverband zuständig sein kann, ermöglichen die Spezialisierung der Fachlehrperson und das Halbklassensetting Differenzierung und weiterführende Gestaltungsprozesse in einzelnen Kompetenzbereichen wie etwa Hören, Instrumentalspiel und Tanzen.

Um diesen Fachunterricht erteilen zu können, sind in Basel-Stadt der Bachelor in Musik und Bewegung oder die Ausbildung zum Musiklehrer an der Sekundarstufe Voraussetzung. Die FachlehrerInnen sind dabei den Grundsätzen eines Unterrichts verpflichtet, der im Ansatz immer schöpferisches und künstlerisches Tun, Persönlichkeitsentwicklung und vernetztes Lernen verfolgt.

Ein ausgeklügeltes Springer- und Vertretungssystem garantiert, dass der Fachunterricht auch bei Absenzen von Lehrpersonen stattfindet.

Geschichtlicher Abriss und die Rolle der Musik-Akademie Basel

Die MAB trug mit der Leitung des Fachunterrichts MuB (früher Musikalische Grundkurse, MGK) knapp 4 Jahrzehnte lang im Auftrag des Erziehungsdepartments sowohl die personelle wie auch die inhaltliche Verantwortung für einen zeitgemässen, qualitativ hochwertigen Unterricht. Die Leitung durch musikalisch gebildete Fachpersonen der MAB gewährleistete die hohe Professionalität bei der Anstellung und Betreuung der MuB-Lehrpersonen in den Schulen.

Die MGK wurden in den 1970er-Jahren eingeführt, weil das Ausbildungsniveau der damaligen PrimarschullehrerInnen für einen solchen umfassenden Musikunterricht nicht ausreichte. Mittlerweile können die Musikmodule an der Pädagogischen Hochschule sogar abgewählt werden.

Zwischen den MGK und anderen Abteilungen der MAB entwickelte sich eine besondere Zusammenarbeit. Projekte mit StudentInnen und DozentInnen der Hochschule oder Ensembles der Musikschule sind zu einer festen Einrichtung geworden. Eine enge Beziehung besteht zum Studiengang Musik und Bewegung, dessen Bachelor berufsqualifizierend ist. Die StudentInnen werden während ihres Studiums in methodisch-didaktischer und musikalisch-tänzerischer Hinsicht speziell auf den Unterricht mit 6- bis 12-Jährigen vorbereitet und absolvieren 6 Semester lang Praktika in Regelklassen an Basler Primarschulen.

Bedeutung für die Schulen

Die Arbeit der Fachlehrpersonen erschöpft sich meist nicht im wöchentlichen Unterricht. Ob für ausserschulische Veranstaltungen oder schulinterne Anlässe und Projekte, vielmals werden die MuB-LehrerInnen um einen künstlerischen Beitrag gebeten. Kinderchor, Konzertbesuche, Schulhaustanzen und Aufführungen – alle diese Aktivitäten sind für das tägliche Schulleben ein wichtiger Beitrag zur musikalisch-künstlerischen Auseinandersetzung und eine Bereicherung für die Schulen nach innen und nach aussen.

Strukturelle Veränderungen und ein Blick in die Zukunft

Im Rahmen von HarmoS wurde mit dem Schuljahr 2015/16 der Leistungsauftrag für die Durchführung des Fachunterrichts MuB von der MAB abgezogen und dem Portfolio der (nicht musikalisch gebildeten) Leitungen der nunmehr teilautonomen Schulen übertragen.

Die Überführung in die allgemeine Schulverwaltung des Kantons und damit einhergehend der Verlust der unmittelbaren Anbindung an die MAB und deren fachlich kompetente Leitung gaben Anlass zur Sorge, es könnte auf Dauer zu Qualitätseinbussen kommen. Diese Befürchtung ist insbesondere auf den Druck zurückzuführen, der auf den Schulleitungen lastet, dass Fachlehrpersonen nunmehr in der Primarschule wenn immer möglich mehrere Fächer unterrichten. Noch sind die nötigen Qualifikationen der Fachlehrperson MuB schwarz auf weiss festgeschrieben, noch …

Es ist zu hoffen, dass dieses Erfolgsmodell eines flächendeckenden Fachunterrichts in Basel auch die nächsten Jahrzehnte in der aktuellen Qualität weiterbesteht und es als einzigartiges Vorzeigemodell in der Schweiz und über die Landesgrenzen hinaus Verwirklichung findet.