2019 – Wegweisendes Jahr für den Musiksektor

2019 – Wegweisendes Jahr für den Musiksektor

20.02.2019

Das aktuelle Jahr dürfte politisch in vielerlei Hinsicht äusserst wichtig, ja sogar wegweisend für den Schweizer Musiksektor sein. Vom Rahmenabkommen mit der EU über die neue Kulturbotschaft bis hin zu den nationalen Wahlen im Herbst: Kulturpolitische Weichenstellungen stehen an.

Stefano Kunz, Nina Rindlisbacher — Der Schweizer Musikrat SMR verortet den Schwerpunkt seiner Tätigkeit in der politischen Arbeit. Neben der Umsetzung von Artikel 67a der Bundesverfassung (Musikalische Bildung), einem der wichtigsten Dossiers des SMR, stehen dieses Jahr weitere wegweisende Projekte auf nationa- ler Ebene an, die ein Aktivwerden erfordern.

Schweizer Musik(export) und Europapolitik

Die Diskussionen um das EU-Rahmen-abkommen haben auch Auswirkungen auf den Bildungs-, Forschungs- und Kulturbereich und somit auf den Musiksektor. Die Verhandlungen der Schweiz bezüglich Teilnahme an gewissen EU-Kulturprogrammen wie beispielsweise «Creative Europe» sind unter anderem auch deshalb erschwert oder blockiert, weil die EU eine Mitwirkung vom Abschluss eines Rahmenabkommens abhängig macht.

Schweizer Musik ist auch ein Exportgut. Ganz grundsätzlich ist der Schweizer Markt zu klein für alle Musikschaffenden. Diese sind deshalb darauf angewiesen, dass sie ihre Musik auf europäischen Plattformen präsentieren und an europäischen Wettbewerben teilnehmen können. Zudem beschäftigen bspw. Symphonieorchester Musikerinnen und Musiker aus dem EU-Raum. Umgekehrt lassen sich auch Schweizer Musikschaffende im EU-Raum nieder. Deshalb ist der langfristige Fortbestand des Abkommens über die Personenfreizügigkeit für den Musiksektor wichtig. Dieser Fortbestand dürfte auch davon abhängen, ob ein Rahmenabkommen abgeschlossen werden kann. Zudem sind viele Schweizer Musikverbände im EU-Raum vernetzt.

Der SMR bringt sich aktiv in die Diskussion ein und setzt sich dafür ein, dass den Anliegen des Musiksektors im Kontext der Europapolitik des Bundes Gehör verschafft wird.

Kulturbotschaft 2021-2024

Im Sommer findet das Vernehmlassungsverfahren zum Entwurf der neuen Kulturbotschaft statt. Mit Spannung erwartet werden insbesondere die Vorschläge des Bundesrats zur Umsetzung der Begabtenförderung.

Der SMR hat, unter Mitarbeit seiner Mitglieder, ein internes Positionspapier erarbeitet, anhand dessen eine Musterantwort zur Vernehm- lassungsvorlage erstellt wird. Diese Musterantwort wird allen Mitgliedern des SMR zur Verfügung gestellt. Das Ziel ist, dass die Akteurinnen und Akteure aus dem Musiksektor sich möglichst zahlreich an der Vernehmlassung beteiligen, damit dessen Stimme in der Auswertung Gewicht erhält.

Wert und Wertschöpfung des Musiksektors

Musik hat auch einen ökonomischen Wert, der vielfach in den Diskussionen rund um die Kulturförderung vergessen geht. Die sogenannte Kultur- und Kreativwirtschaft, zu der auch die Musikwirtschaft gezählt wird, umfasst gemäss Bundesamt für Kultur BAK die Kulturproduktion des privatwirtschaftlichen Sektors. Nicht dazu gezählt werden hier aber beispielsweise mit öffentlichen Geldern finanzierte Institutionen oder auch Verbände. In der Kultur- und Kreativwirtschaft der Schweiz waren im Jahr 2013 – das sind die aktuellsten verfügbaren Zahlen ... (!) – gut 275 000 Personen in rund 71 000 Betrieben beschäftigt und es wurde ein Gesamtumsatz von rund 69 Milliarden Franken und eine Bruttowertschöpfung von 22 Milliarden Franken erwirtschaftet. Auf die (privatwirtschaftlich tätige) Musikwirtschaft entfielen rund 30 000 Beschäftigte und knapp 10 000 Betriebe und sie erwirtschaftete einen Umsatz von knapp 2 Milliarden Schweizer Franken. [Bundesamt für Kultur BAK, Taschenstatistik Kultur in der Schweiz 2018, Bern, Seiten 70-75].

Die Kreativ- inkl. Musikwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftszweig der Schweiz – Tendenz stark steigend. Der SMR möchte darauf hinwirken, dass genauere Zahlen zur Wertschöpfungskette und der Wertschöpfung im Musiksektor erhoben werden, unter Einbezug der mit öffentlichen Geldern finanzierten Institutionen und der Musikvereine und -Verbände.

Wahlen 2019

In diesem Jahr finden National- und Ständeratswahlen statt. Dabei ist es wichtig, dass die Anliegen des Musiksektors mehr Unterstützung im Par-lament erfahren. Vorgesehen ist deshalb, dass die Kandidierenden, ungeachtet der Parteizugehörigkeit, eine Charta unterzeichnen können, in der sie sich dazu bekennen, spezifische Forderungen des Musiksektors zu unterstützen. Es ist geplant, die Liste jener Kandidatinnen und Kan-didaten, die die Charta unterzeich- net haben, rechtzeitig an die SMR- Mitglieder zu verschicken, um damit der Basis eine Wahlempfehlung zur Verfügung zu stellen.