Eine Erfolgsstory mit vielen Highlights

Eine Erfolgsstory mit vielen Highlights

25.03.2020

In seinen ersten fünfzig Jahren konnte das Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester (SJSO) mit zahlreichen Highlights im In- und Ausland begeistern. Die Gründung einer Stiftung (1982) half schliesslich die schwierigen organisatorischen Belange in zukunftsträchtige Bahnen zu lenken.

Felix Michel / Martin S. Weber (SJSO) — Seit 1970 bringen junge Musikbegeisterte ihre Leidenschaft und ihre Begabungen im SJSO zusammen, um sinfonische Glücksmomente entstehen zu lassen – und mit dem Konzertpublikum zu teilen.

Wer SJSO-Ehemalige nach ihren Highlights fragt, bekommt mehr Antworten als es Ehemalige gibt. Und wer eine Rückschau zusammenstellt (etwa auf www.sjso50.ch), braucht nicht lange zu warten, bis Ehemalige leidenschaftlich wie in ihren besten SJSO-Tagen darauf hinweisen, dass doch aber gerade dieses und jenes Highlight fehle! Gibt es ein sichereres Zeichen dafür, dass im SJSO Unvergessliches erlebt wird?

Unvergessene Highlights

Immerhin ein Konsens schält sich aus den Erzählungen heraus: Festivals und Tourneen waren stets Höhepunkte, die musikalische Glanzleistungen und besonderen Orchesterzusammenhalt verbanden. Das internationale Jugendmusikfestival in Lausanne 1971 z.B. hat die Gründungsgeneration beflügelt; weitere Festivalteilnahmen in Wien und Berlin folgten, bei denen überdies oft eine Art «All Star»-Gemeinschaftsorchester gebildet wurde, wo in grosser Besetzung unter berühmten Dirigenten wie Herbert von Karajan oder Walter Susskind musiziert werden konnte. Solche Orchester-leiter wussten dank ihrer überragenden Persönlichkeit und dank ihrer riesigen Erfahrung einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen

Ein anderes Beispiel: Zum 25-jährigen SJSO-Jubiläum (und gleichzeitig als Abschluss der Dirigenten-Ära von Andreas Delfs) tourte das Orchester von Hamburg über das Schleswig-Holstein Musikfestival bis nach Stockholm, wobei Gustav Mahlers 5. Sinfonie im Programm auch einen vorläufigen Höhepunkt darstellte, was die interpretatorischen Schwierigkeiten betraf. Und nach der Jahrtausendwende spielte das Orchester mit Kai Bumann Mahlers gigantische 3. Sinfonie am Berliner Festival «Young Euro Classics». Nicht zu vergessen sind die grossen Konzerte in der Schweiz beispielsweise mit der wunderbaren Sopranistin Gwyneth Jones, dem Geiger Igor Oistrakh oder mit dem erst kürzlich verstorbenen Nello Santi. Wie gesagt: Die Reihe der Highlights liesse sich beliebig lange fortsetzen.

Organisatorische Entwicklungen

Die Hürden, welche die erste SJSO-Generation mit riesigem Engagement meisterte, schärften das Bewusstsein schliesslich dafür, dass das Orchester eine bessere und zukunftsträchtigere Basis brauchte, um den verschiedenen Erfordernissen gerecht zu werden, die ein Klangkörper mit ständig wechselnden Besetzungen benötigt. So wurde 1982 die «Stiftung Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester» ins Leben gerufen, um die verschiedenen Belange und Anforderungen besser bewältigen zu können. Damit wurden die entsprechenden organisatorischen und planerischen Strukturen geschaffen, um mit optimalen Rahmenbedingungen in die Zukunft schreiten zu können.

Natürlich waren aber auch die Finanzen immer wieder ein grosses Thema. Wiederholt waren hier einzelne Personen aus dem Stiftungsrat aktiv, die das SJSO mit ihrem Einsatz tatkräftig unterstützten und die ihre Kontakte zu den unterschiedlichsten privaten, institutionellen wie öffentlichen Geldgeber konkret pflegten und pflegen.

Wie bei jeder Kulturinstitution bedarf es – neben allem Künstlerischen – einer vorsichtigen Planung und der unablässigen Suche und Sorge um breite Unterstützung. (Auch so bleibt noch genug Unplanbares übrig, wie dieser Tage die Verbreitung von SARS-CoV-2 zeigt.)

«Auf dem Gipfel – Vision»

Dank vielfältiger Unterstützung und umsichtiger Arbeit im Hintergrund konnte das SJSO in den letzten Jahren manch weiteres Highlight erleben, so den Auftritt im Wiener Musikverein 2013 oder zwei Jahre später die Aufführung von Richard Strauss’ Alpensinfonie mit mehr als 120 Mitwirkenden – ein geglücktes Wagnis. Ja, Vorsicht allein garantiert die Highlights halt doch nicht; es braucht auch Hartnäckigkeit, Können und Mut. Die Abschnittsüberschriften der Alpensinfonie zeigen es ja: «Der Anstieg» führt «durch Dickicht und Gestrüpp» empor, übersteht «gefahrvolle Augenblicke», bis – «auf dem Gipfel» angekommen – dann die «Vision» leuchtet…

So hofft das SJSO auch in Zukunft manchen musikalischen Gipfel erklimmen zu dürfen. Die Lust dazu ist in fünfzig Jahren jedenfalls kein bisschen kleiner geworden.

Absage der Frühlingstournee

Auch das SJSO leistet der Weisung des Bundesrates Folge und hofft, mit der Absage der Frühjahrstournee seinen Beitrag zur Eindämmung der SARS-CoV-2-Pandemie leisten zu können.

Neben den Auswirkungen für Stiftung und Orchester, die es erst abzuschätzen gilt, sind alle Beteiligten traurig, ihrer Leidenschaft nicht nachgehen zu können, gemeinsam Musik in die Konzertsäle der ganzen Schweiz zu bringen.

Wir planen, das Programm der diesjährigen Frühjahrstournee in einem Jahr nachzuholen.

 

Weitere Infos:
> www.sjso.ch

Alle Alumni, die uns ihr persönliches Highlight berichten (oder einfach so den Kontakt zum SJSO wiederfinden) wollen, laden wir ganz herzlich dazu ein, sich bei der Geschäftsstelle zu melden!
> info@sjso.ch

Und all diejenigen, die dem SJSO auch in Zukunft Highlights ermöglichen wollen, heissen wir gerne im Kreis unserer Fördererinnen und Förderer willkommen.
> sjso.ch/foerderergesellschaft