Treffen der Parl. Gruppe Musik PGM im März 2020

Treffen der Parl. Gruppe Musik PGM im März 2020

25.03.2020

Im Februar hat der Bundesrat die Kulturbotschaft 2021-2024 verabschiedet und an das Parlament überwiesen. Am Treffen der Parl. Gruppe Musik in Bern wurden drei Förderbereiche besonders beleuchtet: Der Ausbau des Programms Jugend & Musik, die Begabtenförderung sowie der Musikexport.

Stefano Kunz / Nina Rindlisbacher — In der Kulturbotschaft formuliert der Bundesrat die strategische Ausrichtung der Kulturpolitik des Bundes und beantragt dem Parlament die zur Umsetzung erforderlichen Finanzmittel. Das Vernehmlassungsverfahren ist beendet, noch dieses Jahr soll die Kulturbotschaft 2021-2024 vom Parlament diskutiert und verabschiedet werden.

Die PGM durfte hochkarätige Gäste begrüssen, die über die Inhalte der Kulturbotschaft und/oder die Ergebnisse des Vernehmlassungsverfahrens berichteten: Yves Fischer (stellvertretender Direktor des Bundesamts für Kultur BAK), David Vitali (Leiter Sektion Kultur und Gesellschaft, BAK), Philippe Bischof (Direktor Pro Helvetia) sowie Andri Hardmeier (Leiter Musik Pro Helvetia). Die Anzahl der Teilnehmende aus den eidgenössischen Räten (insgesamt 12 Mitglieder des National- sowie Ständerats) sowie rund 40 VertreterInnen aus dem Musiksektor verzeichnete ein Rekordhoch.

Ausbau des Programms Jugend und Musik (J+M)

J+M, das Programm des Bunds zur Breitenförderung im Bereich Musik, erfreut sich einer grossen Nachfrage und wächst stetig. Um dieser Nachfrage auch finanziell zu begegnen, beantragt der Bundesrat eine Anhebung der Mittel. Ebenfalls geplant ist eine stärkere Einbindung der Volksschulen. Beides begrüsst der SMR sehr. Eine breite Verankerung des Programms in allen relevanten Bereichen des Musiklebens ist unabdingbar, da nur so dem Anspruch, möglichst allen Kindern und Jugendlichen den Zugang zu musikalischer Bildung zu verschaffen, erreicht werden kann.

Begabtenförderung

Die Grundlage zur Begabtenförderung soll im neu geschaffene Art. 12 Abs. 4 Kulturförderungsgesetz KFG geregelt werden. Dieser verpflichtet den Bund, musikalisch Begabte durch spezifische Massnahmen zu fördern

Vorgesehen ist, dass der Bund ab 2022, aufbauend auf bestehende Begabtenförderungsprogramme der Kantone, ein entsprechendes eidgenössisches Programm erarbeitet. Als Instrument ist eine sog. Talentcard vorgesehen, deren Ausgestaltung aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar ist. Erste konzeptionelle Vorarbeiten wurden von dem Verband Musikschulen Schweiz (VMS) und der Konferenz Musikhochschulen Schweiz (KMHS) bereits geleistet. Beide Organisationen sind Mitglieder des SMR. Damit ein solches Vorhaben gelingen kann, müssen aber alle Bereiche des Musiklebens, insbesondere auch die Laienmusik und die Volksschulen, miteinbezogen werden. Das BAK stellt einen diesbezüglichen partnerschaftlichen Einbezug von Musikorganisationen in Aussicht.

Vorgesehen ist weiter, das Thema «Musik in der Berufsbildung» anzugehen. Um BerufsfachschülerInnen eine intensive musikalische Tätigkeit neben der beruflichen Grundbildung zu erleichtern, soll ein Label «Musikfreundlicher Lehrbetrieb» geschaffen werden.

Musikexport

In den vergangenen Jahren erlebte die Schweizer Musik im Ausland einen bemerkenswerten und hoch erfreulichen Aufschwung. Gleichzeitig kämpfen MusikerInnen mit den hohen Fixkosten, die sie im Vergleich mit ihren ausländischen KollegInnen haben. Deshalb will Pro Helvetia die Unterstützung in diesem Bereich ausbauen und beantragt dafür 1 Mio CHF Mehrmittel. Der Musikrat begrüsst die Aufstockung sehr, ist aber der Meinung, dass der Betrag nicht ausreicht, sondern verdoppelt werden müsste. Dieses Anliegen wird entweder in den vorberatenden Kommissionen oder dann in der Ratsdebatte eingebracht.

Coronavirus: Massnahmen des Bundes

Aufgrund aktueller Entwicklungen – es ging dabei um die vom Bund getroffenen Massnahmen um die Verbreitung des Coronaviruses einzudämmen – kamen auch die bereits jetzt erheblichen bis hin zu existenzbedrohenden finanziellen Einbussen, die der Musiksektor aufgrund von abgesagten Veranstaltungen zu beklagen hat, zur Sprache. Die anwesenden AkteurInnen des Musiksektors konnten die Sorgen und Nöte direkt gegenüber VertreterInnen von BAK, Pro Helvetia und den Parlamentsmitgliedern schildern.

Die VertreterInnen der Kulturschaffenden sowie der Veranstaltungsbranche waren am 12. März 2020 zu einer Anhörung mit dem Bundesamt für Kultur BAK und der Pro Helvetia geladen. Gemeinsames Ziel ist der Erhalt der vielfältigen Schweizer Kulturlandschaft und ihrer Orte und Arbeitsplätze, auch im Bereich der Laienkultur ist. Schnell greifende Massnahmen sind nötig, um Schäden wegen der «Coronakrise» zu verhindern oder zumindest abzumildern, die die Branche im Speziellen, aber auch die wirtschaftliche Entwicklung des ganzen Landes nachhaltig treffen können.

In einer gemeinsamen Medien-mitteilung kommunizierten unzählige Kulturverbände die gemeinsamen Forderungen. In dieser Medienmitteilung wurde auch konstatiert, dass, obwohl die Kultur- und Veranstaltungsbranche zweifelsohne ein bedeutender Wirtschaftszweig sei, nur wenig konkrete Daten zu tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen eines plötzlichen Wegfalls von Teilen dieser Branche vorhanden sind. Die seit Jahrzehnten vorgetragene Forderung nach statistischer und volkswirtschaftlicher Erfassung des Kultur- und Veranstaltungssektors hätten deshalb eine neue Dringlichkeit erhalten. Weiter, so die Kulturverbände, zeigten die aktuellen dramatischen Entwicklungen erneut auf, wie viele Arbeitnehmende im Kultur- und Veranstaltungsbereich in prekären und unterversicherten Arbeitsverhältnissen agieren müssten. Der Anteil der Selbstständigerwerbenden, Freischaffenden und EinzelunternehmerInnen, die weder vom Instrument der Kurzarbeit erfasst werden könnten noch durch die Arbeitslosenversicherung abgesichert seien, sei ungleich höher als in den meisten anderen Branchen.

Der Bundesrat kommunizierte am 13. März 2020 verschiedene Massnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronaviruses. Diese Massnahmen gelten für alle Branchen und damit auch für den Kultursektor. Ergänzend dazu wird das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) dem Bundesrat rasch eine neue Gesetzesgrundlage vorlegen, die Massnahmen zur Milderung von Härtefällen im Kulturbereich vorsehen wird. Über die konkrete Ausgestaltung der spezifischen Massnahmen für den Kulturbereich wird der Bundesrat nach deren Verabschiedung informieren.

> www.musikrat.ch