Musik in der Volksschule – grosser Handlungsbedarf

Musik in der Volksschule – grosser Handlungsbedarf

24.02.2021

Auch neun Jahre nach Einführung des neuen Artikels über Jugend und Musik, gibt es noch viel für Musikunter-richt an den Schulen zu tun. Eine Umfrage des Verbands Schweizer Schulmusik VSSM zeigt dies deutlich auf.

Armon Caviezel (VSSM), Rainer Schweizer — Die Annahme von Art.67a Bundesverfassung (BV) über Jugend und Musik im Jahre 2012 war ein bildungspolitischer Erfolg: Endlich wurde die Wichtigkeit von musikalischer Bildung anerkannt und Verantwortung übernommen.

Der VSSM richtete sich fünf Jahre später mit einer Umfrage an alle kantonalen BildungsdirektorInnen mit der Frage: Wie hat sich dieser Entscheid in den Kantonen ausgewirkt? Die daraus entstandene Studie bildet eine wichtige Grundlage für das weitere Vorgehen zum Thema musikalische Bildung.

Gegliedert ist die Auswertung der Studie in drei Themenschwerpunkte:

1. Umsetzung des Lehrplans 21 in den kantonalen Stundentafeln (Fach Musik)

2. Umsetzung von Art. 67a BV wo und wie?

3. Musikausbildung der Lehrpersonen an den Pädagogischen Hochschulen.

Zur Auswertung und rechtlichen Beurteilung wurde Prof. Rainer Schweizer herangezogen. Hier fasst er die wichtigsten Punkte zusammen.

Anpassung der Stundentafeln

Im Laufe der Einführung des Lehrplans 21 haben einige Kantone Anpassungen in den Stundentafeln vorgenommen und erreichen die empfohlene Anzahl Lektionen im Fach Musik. Nichtsdestotrotz bestehen zum Teil noch grosse kantonale Unterschiede in der Gewichtung des Fachs Musik in der Volksschule. Vor allem auf Sekundarstufe I wird die gewünschte Anzahl Wochenlektionen in der deutschsprachigen Schweiz noch nicht erreicht. Das liegt auch daran, dass auf dieser Stufe Musik oft nur als Wahlfach oder Wahlpflichtfach angeboten wird.

Beim LP 21 handelt es sich um interkantonales soft law. Solche Bestimmungen haben einen gewissen Grad an Verbindlichkeit. Wenn die in einem Lehrplan vorgesehenen Lerninhalte keine ausreichende Schulbildung gewährleisten, kann der Individualanspruch aus Art. 19 BV der Schülerinnen und Schüler verletzt sein; sie haben dann einen verfassungsmässigen Anspruch, der rechtlich durchsetzbar ist.

Die Umsetzung von Art. 67a BV betrifft Bund und Kantone

Die VSSM-Umfrage ergibt, dass sich die Umsetzung von Art. 67a BV in den Kantonen nicht wirklich mit den von den Schulen ergriffenen Massnahmen deckt. Mehrheitlich wird die Ansicht vertreten, dass mit der Einführung des LP 21 die Umsetzung von Art. 67a BV auf kantonaler Ebene erfüllt sei; hier zeigt sich, dass eben Nationale Bildungsziele in der Musik noch fehlen. Durch Auslegungen von Art 67a BV ergibt sich auch, dass für Bund und Kantone gewisse Auswirkungen und Pflichten bezüglich des Musikunterrichts bestehen.

Pflichtfach Musik an den PHs

Betreffend der Musikausbildung der Lehrpersonen an den Pädagogischen Hochschulen ergibt sich ein unterschiedliches, aber mehrheitlich nicht zufriedenstellendes Bild. Durch das an den PHs weitverbreitete Wahlfachsystem für das Fach Musik kommt es zu einem Mangel an ausreichend ausgebildeten Lehrpersonen. Das macht es wiederum für die Kantone schwierig, hochwertigen Musikunterricht in der Volksschule anzubieten. Vor allem in der Ausbildung zur Primarlehrperson muss das Fach Musik einschliesslich Instrumentalunterricht zum Pflichtprogramm gehören, da jedenfalls in der Primarstufe meist keine Fachlehrpersonen beigezogen werden. Um eine Harmonisierung in der Ausbildung der Lehrpersonen zu erreichen, böte sich eine interkantonale Vereinbarung an, die Mindeststandards für die Bildung im Fach Musik festlegt.

Zusammenfassend bedarf es unbedingt verbindlicher rechtlicher Massnahmen, die Mindeststandards für einen hochwertigen harmonisierten Musikunterricht an der Volksschule in qualitativer und quantitativer Hinsicht festlegen. Hier wäre eine interkantonale Regelung sinnvoll. Als entscheidendes Instrument sollten die nationalen Bildungsstandards gemäss Art. 7 HarmoS-Konkordat dienen. Zudem sollte Musik bei der Ausbildung von Lehrperso-nen an den PHs ein Pflichtfach sein. Zumindest in der Ausbildung zur Primarlehrperson. Um diese Massnahmen umzusetzen, sollte der Schweizerischen Hochschulkonferenz und allenfalls den Kantonen Vorschläge für eine Regelung eines stufengerechten Musikunterrichts vorgelegt werden.

Schlussfolgerungen des VSSM

Aus dem Bericht haben sich zwei dringliche Forderungen herauskristallisiert.

Um eine Chancengleichheit für SchülerInnen zu gewährleisten, müssen sich zwei Dinge ändern:

Der VSSM fordert

die Einhaltung der Stundentafel in allen drei Zyklen und

Musik als Pflichtfach in der Ausbildung an den Pädagogischen Hochschulen in Zyklus l und ll.

Der VSSM hat mit dieser Studie zentrale Probleme in der musikalischen Bildung lokalisiert und zeigt Lösungsansätze für die Entscheidungsträger auf.

Die gesamte Studie ist auf der Website

verbandschweizerschulmusik.ch/studie einsehbar.

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