10 Jahre Art. 67a BV: Rückblick und ein Farewell

10 Jahre Art. 67a BV: Rückblick und ein Farewell

07.09.2022

Nach gut zehn Jahren als Geschäftsführer und später als Leiter Politische Arbeit verlässt Stefano Kunz per Ende September den Schweizer Musikrat. Ein Rückblick als Farewell.

Stefano Kunz — Es war der Abend des 23. Septembers 2012 im Grossen Saal der früheren Musikhochschule Zürich: Dort, wo ich früher selber als Student ein- und ausgegangen war, stand ich nun ein wenig verloren inmitten vieler Menschen, die ich grösstenteils nicht kannte. Seit etwas mehr als einem halben Jahr Geschäftsführer des Schweizer Musikrates, nahm ich gleich an einer Abstimmungsfeier teil. Persönlich begeistert über die phantastische Zustimmung zum neuen Verfassungsartikel von 72,6 %, war ich ein wenig erstaunt, dass die Freude im Saal nicht spürbarer war.

Mehr Begeisterung entstand am Montag danach, als durch das Bundesamt für Kultur ein Brief von Bundesrat Alain Berset übermittelt wurde, in dem die Bildung einer Arbeitsgruppe angekündigt wurde, welche bereits ab November 2012 die Grundlagen zur Umsetzung des neuen Verfassungsartikels erarbeiten sollte.

Die Ernüchterung folgte quasi postwendend, als klar wurde, dass der Verband Schweizer Schulmusik VSSM nicht Teil dieser Arbeitsgruppe sein sollte. Ausgerechnet der Verband, welcher jenen Bildungsbereich betreut, auf den der Verfassungsartikel am meisten zielte.

Auch wenn letztlich der VSSM Einsitz in die Arbeitsgruppe des BAK nehmen konnte: Dieses Auf und Ab der Emotionen war symptomatisch und prägte die ersten fünf Jahre in der Umsetzung des Verfassungsartikels stark – und damit auch meine Arbeit im Musikrat. Wir mussten bald feststellen, dass die Vorstellungen zwischen BAK und dem SMR mit seinen Mitgliedern, wie der Verfassungsartikel umzusetzen sei, zum Teil stark auseinandergingen. Aus unserer Sicht hätten z.B. die Gesetzesartikel zur Umsetzung von Art. 67a BV Teil der Bildungsverfassung werden sollen und nicht Teil der Kulturförderung. Es kam bekanntlich anders als von uns gedacht und gewünscht: Wir schlugen relativ hart auf dem Boden der Realität bezüglich Bildungshoheiten in unserem Land einerseits und den politischen Realitäten andererseits auf.

Die Einführung und der Start des Programms Jugend und Musik leitete gewissermassen eine Trendwende ein. Alle Beteiligten hatten in den bisherigen Jahren des Umsetzungsprozesses viel gelernt, besonders bezüglich der Wichtigkeit einer guten, vertrauensvollen Zusammenarbeit.

Dies zeigte sich in der Erarbeitung des Rahmenkonzepts zur Förderung von Begabten, welche im positiven Sinn nochmals eine ganz andere Qualität in der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Musiksektor hatte. Hier trugen sicher auch die Erfahrungen der Pandemie ihre Früchte.

Ende gut, alles gut in der Umsetzung des Verfassungsartikels also? Bei weitem nicht. Zwar sind das Programm Jugend und Musik als Breitenförderung und das Rahmenkonzept für musikalische Begabtenförderung wichtige Meilensteine. Wer einen Blick in den Bericht der Arbeitsgruppe des BAK 2013 zur Umsetzung von Art. 67a BV wirft, stellt aber unschwer fest, dass es noch eine ganze Reihe von Massnahmen gibt, die der Umsetzung harren. Besonders im Fokus steht dabei der Absatz zwei, welcher einen qualitativ hochstehenden Musikunterricht an Schulen fordert. Angesichts unserer Bildungshoheiten eine Knacknuss.

Nun beginnt gewissermassen die zweite Phase in der Umsetzung unseres Verfassungsartikels – mit anderen Schwerpunkten und Personen. Praktisch alle, welche massgeblich in der ersten Phase mitgewirkt haben, sind bereits zurückgetreten. Nun ist die Reihe an mir: Aufgrund der Tätigkeiten als Mitglied der Exekutive meiner Wohngemeinde sowie dem Mandat als Verwaltungsrat eines KMU habe ich mich entschieden, meine Tätigkeit für den SMR per Ende September zu beenden. Ich werde zwar noch das eine oder andere Mandat ausführen, aber die politische Arbeit wird künftig durch Sandra Tinner, die Geschäftsführerin des SMR, betreut.

Es waren unglaublich wertvolle, spannende und bereichernde Jahre, in denen ich für den Musikrat und die Anliegen des Schweizer Musiksektors tätig sein durfte. Danke für das Vertrauen, das Wohlwollen, die Wertschätzung und die Unterstützung, was mir in unzähligen Kontakten und auf verschiedensten Ebenen der Zusammenarbeit entgegengebracht wurden! Nun gebe ich den Stab weiter und sage: Uf Wiederluege, au revoir, arrivederci, a revair!