Skandal um AIDA Pfäffikon! Aufruf an alle Musikerinnen und Musiker

21.06.2013

Vom 9. August – 19. August 2013 wird in Pfäffikon am See (ZH) die Verdi-Oper AIDA openair aufgeführt (www.festival-la-perla.ch). Festivalorchester ist das Symphonische Orchester Zürich (SOZ). Eben wurden die Anfragen an die potentiellen Orchestermusikerinnen und –musiker verschickt. Die Ansätze, die für Proben und Aufführungen angeboten werden, liegen mit Fr. 80.- und Fr. 130.- weit, weit unter dem SMV-Minimaltarif. Es werden auch keinerlei Spesen (weder Reise- noch andere Spesen) bezahlt. Diese Offerten sind skandalös – dies insbesondere unter Berücksichtigung der namhaften Sponsoren und der stolzen Ticketpreise, vergleichbar mit der Oper Zürich! Das Werbebudget für AIDA scheint keine Grenzen zu kennen, bei den Musikerinnen und Musikern aber, die eine Opernaufführung erst möglich machen, soll drastisch gespart werden.

Der SMV fordert alle Musikerinnen und Musiker auf, keinen Vertrag zu diesen Bedingungen zu unterzeichnen, sondern auf dem SMV-Tarif zu beharren und sich nicht ausbeuten zu lassen!

Der SMV unternimmt alles in seiner Kraft stehende und kämpft für eine Verbesserung der Bedingungen. Aussicht auf Erfolg besteht aber nur, wenn sich alle Musikerinnen und Musiker solidarisch verhalten und nicht zu den offerierten Konditionen spielen.

Der SMV-Tarifflyer, dem die wichtigsten Argumente für die Einhaltung des SMV-Tarifs entnommen werden können, kann hier geladen werden: Tarifflyer_d web A5.pdf

Rückfragen zu diesem Aufruf können an folgende Personen gerichtet werden:
Rony Dangel, SMV-Sektionspräsident Zürich
Beat Santschi, SMV-Zentralpräsident
Barbara Aeschbacher, Zentralsekretärin SMV

CELESTE AIDA, LASS DICH VON STOLZEN BERUFSMUSIKERN BEGLEITEN UND NICHT VON SKLAVEN!

Reaktionen :

Artikel Zürcher Oberländer 16.6.13 : http://www.zol.ch/bezirk-pfaeffikon/pfaeffikon/Verband-kritisiert-Bezahlung-fuer--AidaMusiker/story/25327174
Slipped Disc - Norman Lebrecht o­n shifting sound worlds 16.6.13 : http://www.artsjournal.com/slippeddisc/2013/06/swiss-alert-musicians-say-boycott-this-aida.html
Artbutfair - Die traurigsten und unverschämtesten Künstlergagen 16.6.13 : https://www.facebook.com/Kuenstlergagen
Artikel Zürcher Oberländer 17.6.13 : http://www.zol.ch/bezirk-pfaeffikon/pfaeffikon/Streit-um-Musikerloehne---/story/24830646
Artikel Tages-Anzeiger 17.6.13 : http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/OpenAirAida-Verband-spricht-von-Ausbeutung-des-Orchesters/story/20310252
Artikel Limmattaler Zeitung/sda 18.6.13 : http://www.limmattalerzeitung.ch/limmattal/zuerich/musikverband-kritisiert-aida-anstellungsbedingungen-126754034
Interview Radio FM1 19.6.13 : http://www.radiofm1.ch/index.php?article_id=8
 

Pressemitteilung: Skandal um AIDA Pfäffikon (ZH)


Das Festival la Perla führt vom 9.-19. August 2013 die Verdi Oper AIDA openair
am Pfäffikersee (ZH) auf. Das Symphonische Orchester Zürich (SOZ) als Festivalorchester
beabsichtigt die potentiellen Orchestermusikerinnen und -musiker zu
skandalösen Konditionen zu beschäftigen. Der Schweizerische Musikerverband
SMV kämpft für faire Bedingungen.

Das Symphonische Orchester Zürich als Festivalorchester hat vor einigen Tagen
die Anfrage an potentielle Orchestermusikerinnen und –musiker verschickt. Die
Ansätze, die für Proben (Spielzeit 3h) und Aufführungen angeboten werden, liegen
mit Fr. 80.- und Fr. 130.- weit, weit unter dem vom Schweizerischen Musikerverband
SMV empfohlenen Minimaltarif, an den sich im Übrigen alle Berufsorchester
in der Schweiz halten. Zudem sollen auch keinerlei Spesen (weder Reisenoch
andere Spesen) bezahlt werden. Beiträge an die obligatorischen Sozialversicherungen
werden mit keinem Wort erwähnt. Wegen schlechten Wetters abgesagte
Vorstellungen sollen überhaupt nicht entschädigt werden.

Die angebotenen Bedingungen des Symphonischen Orchesters Zürich sind skandalös!
Dies insbesondere auch unter Berücksichtigung der namhaften Sponsoren
des Festivals und der stolzen Ticketpreise, vergleichbar mit der Oper Zürich. Hingegen
scheint das Werbebudget für AIDA keine Grenzen zu kennen; bei den Musikerinnen
und Musikern aber, die eine Opernaufführung erst möglich machen,
soll drastisch gespart und sollen Dumpinglöhne bezahlt werden.
Eine solche Lohnpolitik ist nicht nur eine Ausbeutung der Musikerinnen und Musiker,
sondern sie gefährdet insbesondere auch die künstlerische Qualität des Orchesters.
Bei diesen Tieflöhnen und der kurzfristigen Anfrage liegt die Befürchtung
nahe, dass die Besetzung des Orchesters nicht der künstlerischen Qualität
entsprechen kann, die sowohl Publikum als auch Sponsoren erwarten.

Die Minimaltarife gemäss SMV-Tarifordnung betragen für Proben Fr. 175.– und
für Vorstellungen Fr. 203.–, jeweils für eine Maximaldauer von 3 Stunden. Dazu
kommen gesetzliche Ferienentschädigung und Sozialleistungen sowie Spesenentschädigung
und allfällige weitere spezielle Zulagen.

Der SMV-Minimaltarif kommt nicht von ungefähr und findet seine Begründung in
der Berücksichtigung sämtlicher für Berufsmusiker relevanten Umstände. Dazu
gehört unter anderem, dass der Berufsmusiker oder die Berufsmusikerin

• eine sehr lange Ausbildung am Instrument mit sich bringt, die bereits in der
Kindheit beginnt und frühestens mit dem Master-Abschluss an einer Musikhochschule
endet

• sich während der gesamten Karriere durch tägliches Üben weiterbildet und in
Form halten muss

• sich individuell auf das Engagement vorbereitet, d.h. sich die zu spielende
Musik bereits vor der abgegoltenen Arbeitszeit erarbeitet

• sich einige Zeit vor der abgegoltenen Probe oder Aufführung am Arbeitsort
einfindet, um sich in Ruhe einspielen und vorbereiten zu können

• das eigene Instrument, dessen Anschaffungskosten sich in den meisten Fällen
im fünf- bis sechsstelligen Bereich bewegen, kostenlos zur Verfügung stellt
und für dessen Versicherung und Unterhaltskosten selber aufkommt

• sich die notwendige Berufskleidung auf eigene Kosten beschafft und unterhält

Berufsmusikerinnen und Berufsmusiker sind Akademiker und vereinen in sich die
Fähigkeiten eines Künstlers und Handwerkers. Diese hoch qualifizierte Arbeit verdient
eine entsprechende Wertschätzung! Ein Gagenangebot in Höhe des üblichen
Lohns für Reinigungspersonal zeugt ganz eindeutig nicht von Respekt vor der
künstlerischen Leistung, die von Musikerinnen und Musikern für ein Gelingen dieses
ambitionierten Projektes erwartet wird.

Für die ausführliche Begründung mit einem Rechnungsbeispiel, verweisen wir auf
unseren beiliegenden Tarifflyer.

Der Schweizerische Musikerverband SMV vereint seit bald 100 Jahren die Mitglieder
der schweizerischen Berufsorchester und die freischaffenden Berufsmusikerinnen
und Berufsmusiker aller Stilrichtungen. Er kämpft für die Verbesserung der
Arbeitsbedingungen in der Musikerbranche, wahrt und fördert die geistigen und
materiellen Interessen seiner Mitglieder und beteiligt sich aktiv an der Kulturpolitik.

Nachdem unsere Schreiben an die Geschäftsleitungen des Festivals und des SOZ
ergebnislos blieben, kämpft der SMV nun auf breiter Front für faire und angemessene
Bedingungen der Musikerinnen und Musiker des Festivalorchesters.

Der Schweizerische Musikerverband

Für Rückfragen: Barbara Aeschbacher, Zentralsekretärin SMV, 043 322 05 22
Beat Santschi, Zentralpräsident SMV, b.santschi@smv.ch
Ronald Dangel, Sektionspräsident SMV, ronald.dangel@smv.ch

Schweizerischer Musikerverband

Internet
www.smv.ch

Zentralpräsident
Beat Santschi

Auskünfte
SMV-Zentralsekretariat
Barbara Aeschbacher, Zentralsekretärin
Johannes Knapp, Gewerkschaftssekretär
Patricia Bühler, Administration
Kasernenstrasse 15, 8004 Zürich
Tel: 043/322 05 22
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