Die Delegierten des SMV tagen nicht selten dort, wo es kriselt. Erst 2010 sah sich der Verband dazu veranlasst, seine Delegiertenversammlung in Biel abzuhalten.  

DV 2015 in Biel

Johannes Knapp, 21.10.2015

Die Delegierten des SMV tagen nicht selten dort, wo es kriselt. Erst 2010 sah sich der Verband dazu veranlasst, seine Delegiertenversammlung in Biel abzuhalten.

Die Bilanz zur ersten DV im zweiten Jahrhundert des Verbands sei eigentlich positiv, stellte Beat Santschi in seiner Begrüssungsansprache fest. Ein Meilenstein sei der neue GAV für das Orchestre de Chambre de Genève (siehe auch den Artikel von Laurent Mettraux), ein weiterer die wirkungsvolle Petition gegen die Umwandlung des Sinfonie Orchesters Biel Solothurn in ein «Projektorchester». Santschi hob die Bedeutung der unzähligen Solidaritätsbekundungen an TOBS hervor. Die Anzahl der Unterschriften entspräche rund einem Viertel der Bieler Bevölkerung und habe die Zahl gültiger Wahlzettel bei den vergangenen Bieler Stadt- und Gemeinderatswahlen 2012 bei Weitem übertroffen, gab er zu bedenken.

Dennoch: «Das Damoklesschwert hängt nach wie vor über der Institution», warnte Sektionspräsident Beda Mast – und das, obwohl sie sich seit ihrer Neustrukturierung vor drei Jahren «in finanziell sicherem Fahrwasser» befände. Wenige Wochen vor der DV am 11. Juni war eine Motion bürgerlicher Parteivertreter, den Subventionsbeitrag der Stadt Biel an TOBS spätestens ab 2018 um 360'000 Franken zu kürzen, beim Gemeinderat eingereicht worden, nachdem dieser den Projektorchester-Vorschlag in der Stadtratssitzung zuvor zurückgezogen hatte. (Wir haben in früheren Ausgaben ausführlich berichtet). Erst kürzlich, am 24. September, wurde diese Motion vom Stadtrat angenommen. (Siehe hierzu auch diesen Beitrag.)

Die Frage, wie es mit dem TOBS weitergeht, stellte sich damals wie heute. Kulturdirektor Cédric Némitz konnte dazu am 11. Juni keine Antworten liefern, er hatte sich entschuldigen lassen. In Vertretung sprach Beat Feurer (SVP), Direktor Soziales und Sicherheit. Äusserungen zum Sparvorschlag vermied er. Stattdessen zog er es vor, für die Stadt Biel zu werben. Er hob das reiche Kulturangebot hervor, darunter die vielen kulturellen Initiativen, die auf Freiwilligenarbeit beruhen. Aus aktuellem Anlass kam er auch auf die Bieler Lauftage zu sprechen, die nicht als eine reine Sportveranstaltung, sondern als Kulturevent zu verstehen seien. Zu TOBS bemerkte er, dass es sich um den grössten Subventionsempfänger der Stadt handle. Gleichwohl zeigte er sich angetan vom Sinfoniekonzert am Vorabend der Delegiertenversammlung. Das Doppelkonzert für 2 Streichorchester, Pauken und Klavier von Martinů habe ihn bisweilen an Dvořáks Sinfonie Aus der Neuen Welt erinnert.

«Wir müssen etwas mehr für Diskussionen sorgen, dann haben wir Sie auch öfters hier», so Feurer zynisch. Sein Folgeredner vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund, Daniel Lampart, ging mit dem verbreiteten Trend verfälschter Finanzprognosen hart ins Gericht: Die Schuldenlast der Schweiz läge bei 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, jedoch würden die Gemeindevermögen dabei nicht berücksichtigt. Die Situation würde vielerorts «mit System schlecht geredet». Es gebe glücklicherweise Kantone, die eine Wende erleben. Eine solche stünde in Biel jedoch erst noch bevor.

Schliesslich kam Teres Liechti zu Wort. Als Präsidentin der Freunde und Förderer des SOBS bedankte sie sich für die überwältigende Unterstützung im Widerstand gegen die Zerstörung des Bieler Klangkörpers. Kultur könne in Spardebatten zwar kein absolutes Tabu sein, doch wenn es auf den Tisch komme, dann bitte mit den korrekten Zahlen! Dazu gehöre auch, dass zuerst einmal aufgezeigt werde, was Kultur «bringt». Erst dann stelle sich die Frage, was sie kostet.

Der satzungsgemässe Teil der Delegiertenversammlung begann mit der jeweils einstimmigen Annahme des Protokolls der DV 2014 in Basel, gefolgt von der Annahme der Tätigkeitsberichte, der Jahresrechnungen (Zentralkasse, Solidaritätsfonds, Sterbekasse) und des Budgets. Der Bericht der Geschäftsprüfungskommission wurde mit einer Enthaltung genehmigt. Einstimmig entlastet wurden der Zentralvorstand sowie die Zentralsekretärin.

Nach Rückmeldungen von der zuvor in Bern abgehaltenen Präsidentenkonferenz (siehe auch Traktandum 9 im Protokoll auf der Webseite) kamen vereinzelte Fragen aus den Reihen der Delegierten. Brisant die Bemerkung eines Orchestermusikers aus St. Gallen zu Freihandelsabkommen der EU mit den USA beziehungsweise Kanada. Beat Santschi umriss die Gefahren, die mit den geheim verhandelten Abkommen für die Kulturinstitutionen einhergehen. Das Skript eines Referats, das er am 9. September anlässlich einer Tagung («TISA – weltweiter Ausverkauf des Service public») in Bern gehalten hat, findet sich auf unserer Webseite.

Abschliessend wurde Corinne Meier verabschiedet. Ihre langjährige Arbeit für den SMV wurde mit grossem Beifall gewürdigt. Als ihre Nachfolgerin im Zentralsekretariat hiess das Plenum Sophie Spillmann willkommen.
 

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