Wie jedes Jahr hat die Stiftung SON jungen Musikerinnen und Musikern ein Orchesterpraktikum ermöglicht. 
Orchesterausbildung für junge Instrumentalistinnen und Instrumentalisten

Orchesterausbildung für junge Instrumentalistinnen und Instrumentalisten

Laurent Mettraux, Übersetzung Johannes Knapp, 21.02.2019

Wie jedes Jahr hat die Stiftung SON jungen Musikerinnen und Musikern ein Orchesterpraktikum ermöglicht.

Im Jahre 1996 von SMV, SMPV, SOB und dem Verband Schweizerischer Berufsorchester (orchester.ch) gegründet, bietet die Stiftung Schweizer Orchester-Nachwuchsförderung (SON) jungen Berufsmusikerinnen und Berufsmusikern im Höchstalter von 30 Jahren, die in der Schweiz arbeiten oder kurz vor dem Abschluss ihres Studiums an einer Schweizer Musikhochschule stehen, eine Ausbildung in Form von Orchesterpraktika an. Die Auswahl erfolgt während eines Probespiels zu Frühlingsbeginn. Im Jahr 2018 kamen nicht weniger als 87 Instrumentalistinnen und Instrumentalisten zu einem Vorsingen nach Biel ins Calvinhaus, darunter 21 Auszubildende für die Sommerkurse und 15 für den Saisonkurs 2018/9 des Sinfonie Orchesters Biel Solothurn (SOBS), sowie drei weitere Musikerinnen und Musiker, die an einem spezifischen Projekt teilnehmen konnten. Alle gängigen Register eines Sinfonieorchesters (ausser der Harfe) waren vertreten.

Abwechslungsreiche Programme

Das rege Sommerprogramm umfasste sowohl Kammermusikprogramme als auch Konzerte mit dem Orchester, das in dieser Saison sein 50-jähriges Bestehen feiert. Ob in Biel, Solothurn oder in der Region, die Konzertorte waren denkbar vielfältig: von Parks wie der kürzlich eröffneten Schüssinsel in Biel über Kirchen bis hin zur Attisholz-Arena in Riedholz bei Solothurn. Die Sommerkonzerte haben ihren Ursprung im Jahre 1957 und wurden infolge der Gründung des SOBS 1969 in das Programm des Orchesters integriert. Im vergangenen Jahr wurden diese Sommerveranstaltungen mit orchestralen Arrangements von Tangos eröffnet, gefolgt von einem Projekt eines «regionalen Spaziergangs» mit sechs Kammermusikkonzerten (Werke von Martinů, Onslow und Poulenc). Im Stadttheater Solothurn stand sodann Mozart im Mittelpunkt, unter anderem Arien aus seinen Opern. Nebst Werken von Satie und Strawinsky wurde anlässlich der Serenaden-Konzerte eine zweisprachige Version von Prokofjews Peter und der Wolf präsentiert. Im letzten Sommerprojekt hatten zudem Schülerinnen und Schüler des Französischen Gymnasiums Biel sowie des Gymnasiums Biel-Seeland die Möglichkeit, im Orchester zu spielen und solistisch aufzutreten (Werke von Mendelssohn, Mozart und Kussewizki). Wie üblich endete der Workshop mit dem ersten Abonnementkonzert in Biel, gefolgt von der Wiederaufnahme in Porrentruy, unter anderem mit dem Violinkonzert von Sibelius und der Scheherazade von Rimski-Korsakow.

Den vollständigen Bericht der Stiftung SON finden Sie auf diese Seite

Praktika 2019

Während des diesjährigen Sommerpraktikums vom 20. August bis zum 21. September 2019 können die Praktikantinnen und Praktikanten nicht nur eine Vielzahl symphonischer Werke (insbesondere von Rachmaninow, Reger und Tschaikowsky) sowie Kammermusik und zeitgenössische Stücke für Ensemble spielen, sondern auch Beethovens Fidelio zum 50-jährigen Bestehen der SOBS aufführen. Neben den Konzerten in der Region Biel-Solothurn werden sie auch beim Festival Murten Classics auftreten. Sie werden auch in den Genuss von Registerproben und Coaching durch SOBS-Mentorinnen und -Mentoren (Stimmführerinnen und Stimmführer) kommen. Für das Saisonpraktikum ist es unerlässlich, dass zuvor das Sommerpraktikum absolviert worden ist. Über Ausnahmen entscheidet die Jury. Dazu gehören in der Spielzeit 2019/20 etwa 40 bis 60 Orchesterdienste des SOBS, dessen Chefdirigent Kaspar Zehnder ist. Für beide Praktika werden die Kandidatinnen und Kandidaten bei einem Probespiel im April ausgewählt.

Anmeldeschluss für Praktika: 25. März 2019

Weitere Informationen und Anmeldeformular auf der Seite www.stagedorchestre.ch

Interview

Beat Hunziker wird nach mehrjähriger Tätigkeit als Leiter der SON-Stiftung im Frühjahr dieses Jahres sein Amt aufgeben. Die Musikerin und Kulturvermittlerin Christine Lüthi aus Ligerz wird seine Nachfolge antreten. Er beantwortet unsere Fragen:

Wie lange werden Sie als Direktor der Stiftung SON im Amt gewesen sein und welche Entwicklungen haben Sie beobachten dürfen?
Ich habe die Führung der Stiftung SON 2013 auf Anfrage von Matthias Walpen übernommen. Mir wurde schnell klar, dass mit dem bisherigen Aufwand die Lebensdauer der Stiftung auf wenige Jahre begrenzt wäre, wenn im gleichen Masse weitergearbeitet würde (jährliche Defizite, keine neuen Perspektiven und Ideen). Die Stiftung benötigte eine solide Finanzierung, die nebst den jährlichen Subventionen der Stadt Biel und des Kantons Bern gefunden werden musste. Es gelang mir mit Glück, eine tragende finanzielle Basis herzustellen, sodass die Stiftung heute gesund und für die nächsten Jahre gut aufgestellt ist. Zudem kamen inhaltlich neue, wichtige Fragen in den Stiftungsrat, wie: Studienwirksamkeit des Praktikums, Mentoring durch Mitglieder des Orchesters während des Sommers sowie im Saisonpraktikum.

Wie bedeutsam sind die Praktika für die jungen Musikerinnen und Musiker?
Die Wichtigkeit des Sommer- wie des Saisonpraktikums kann man an der Nachfrage deutlich ablesen. Sie ist ungebrochen hoch und zeigt, dass das Interesse an den angebotenen Praktika sehr gross ist. Nachhaltig und gut ist auch der Ruf der SON Praktika. Dies bestätigen immer wieder Ehemalige, welche als Zuzüger ins Sinfonie Orchester Biel Solothurn geholt werden und sich sehr gerne an ihre Erfahrungen im Praktikum erinnern. Die Anforderungen im Praktikum sind sehr hoch, in kurzer Zeit werden verschiedene Programme erarbeitet. Das Praktikum bildet die Arbeitsrealität eines Orchestermusikers sehr gut ab. Die Freude über Gelungenes ist entsprechend gross und wirkt in Studium und Beruf nach. Zudem können sich die Praktikantinnen und Praktikanten profilieren, sich vernetzen und Beziehungen aufbauen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Stiftung und was wünschen Sie Ihrer Nachfolgerin?
Ich wünsche meiner Nachfolgerin ebenso viel Freude an dieser vielseitigen, tollen Arbeit. Es war für mich eine Herausforderung, welche sich in jeder Beziehung gelohnt hat: Die Begleitung der jungen Leute, die Arbeit mit den Mitgliedern des Orchesters, TOBS, den Behörden der Stadt Biel und allen Menschen, mit denen ich als Geschäftsführer der Stiftung SON zu tun hatte, waren eine Bereicherung, die ich um keinen Preis missen möchte. Ich wünsche der Stiftung, dass sie ihre Arbeit im Dienste junger Musikerinnen und Musiker auf dem eingeschlagenen Weg der Professionalisierung weiterführen darf. Dass es sie braucht, zeigen Jahr für Jahr die Anmeldungen für einen Praktikumsplatz.

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Tango Symphonique, Arena Attisholz

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