Die Delegiertenversammlung des Schweizerischen Musikerverbandes musste erneut als Online-Konferenz abgehalten werden, zum zweiten und hoffentlich letzten Mal. 

Noch kein «courant normal»

Daniel Lienhard, 01.07.2021

Die Delegiertenversammlung des Schweizerischen Musikerverbandes musste erneut als Online-Konferenz abgehalten werden, zum zweiten und hoffentlich letzten Mal.

Der Co-Zentralpräsident Alain Pasquier durfte 32 Teilnehmer*innen an den Bildschirmen begrüssen, darunter auch den ehemaligen Zentralpräsidenten Hans Peter Völkle.
Die letzte Delegiertenversammlung hatte am 11. November 2020 stattgefunden. Wichtige Positionen wurden damals neu besetzt: Die langjährige Zentralsekretärin Barbara Aeschbacher beendete ihre Tätigkeit beim SMV und wurde durch den bisherigen Zentralpräsidenten Beat Santschi ersetzt. Alain Pasquier und David Schneebeli teilen sich für eine Übergangsphase das Zentralpräsidium.

«Ein Jahr wie nie zuvor»

Der Tätigkeitsbericht von Zentralvorstand und Zentralsekretariat hält fest, dass das Jahr 2020 «ein Jahr wie nie zuvor» gewesen sei. Der SMV sei unter enormem Druck gestanden, auf allen Ebenen hätte es einen aussergewöhnlichen Arbeitsaufwand gegeben. Die Zusammenarbeit mit den Behörden sei schwierig gewesen, weil diese «selber überfordert waren und nur in seltenen Fällen klar kommunizierten, wer wo wie und wann Unterstützung beantragen konnte». Der SMV habe gleich zu Beginn der Krise Ende Februar 2020 zunächst Informationen zu den rechtlichen Auswirkungen der Veranstaltungsabsagen sowie ein Gagenausfallformular auf die Website gestellt, um Daten für die politische Arbeit zu sammeln. Anfang März habe durch die SMV-Stiftung ein Nothilfefonds für Mitglieder, verbunden mit einem Spendenaufruf, eingerichtet werden können. Zusammen mit anderen Verbänden und dem SGB habe der SMV erfolgreich für die Anpassung bestehender (Ausweitung der Dauer der Kurzarbeitsentschädigung und auch auf befristete Arbeitsverhältnisse) wie auch für die Schaffung neuer staatlicher Unterstützungsmassnahmen (Erwerbsersatzentschädigung für Selbständige, Soforthilfen und Ausfallentschädigungen für Kulturschaffende) zugunsten seiner Mitglieder wie auch des ganzen Kultursektors lobbyiert. Der SMV sei auch seit Anbeginn Mitglied der Taskforce Culture, die Fragen des Kultursektors sammle und bündle und in regelmässigen Abständen den Bundes- und kantonalen Behörden zukommen lasse. Der SMV habe seinen Mitgliedern auch mit einem Leitfaden zu den verschiedenen Unterstützungsmassnahmen geholfen, sich im entstandenen Gesuchsdschungel zurechtzufinden.
Ein Erfolg des SMV sei es gewesen, dass der Basler Grosse Rat am 11. März 2020 einer Erhöhung der Fördergelder für Basler Klangkörper zugestimmt habe, mit der Auflage, dass ihre Musiker*innen gemäss dem SMV-Minimaltarif entlöhnt werden. Das könnte einen Vorbildcharakter für andere Städte und Kantone haben.
Ein neuer «Tarif AK, Live Performance: Kammermusik» sei erarbeitet und im Herbst von der Präsidentenkonferenz verabschiedet worden. Zwei Gesamtarbeitsverträge stünden kurz vor dem Abschluss, derjenige des Sinfonieorchesters Basel sei «auf der Zielgeraden», derjenige des Zürcher Kammerorchesters «unterschriftsreif».
Im Bereich der Kulturpolitik habe der SMV als Positivum verbuchen können, dass in der vom Parlament verabschiedeten Kulturbotschaft 2021-24 des Bundes festgehalten werde, dass das Bundesamt für Kultur und die Pro Helvetia ab 2021 ihre Finanzhilfen mit der Bedingung verbinden sollen, dass die Finanzhilfeempfänger die Richtlinien der relevanten Branchenverbände zur Entschädigung von Kulturschaffenden einhalten – seit jeher eine zentrale Forderung des SMV.
Die Rechtsberatung sei im Berichtsjahr rege in Anspruch genommen worden. Mit der Corona-Krise habe sich der Beratungsaufwand fast vervierfacht. Im Zentrum hätten Fragen im Zusammenhang mit dem Gesundheitsschutz, der Quarantäne, der Kurzarbeit und die Unterstützungsmassnahmen des Bundes und der Kantone gestanden.
Die Zusammenarbeit mit dem neuen Berufsmusikerverband Sonart sei wieder in Schwung gekommen, im Krisenjahr sei es zu vielen Berührungspunkten und gemeinsamen Aktionen, insbesondere auch im Rahmen der Taskforce Culture, gekommen.

Anträge werden gutgeheissen

Protokolle, Jahresrechnungen und Tätigkeitsberichte wurden einstimmig genehmigt. Wie auch von der Geschäftsprüfungskommission (GPK) angeregt, sollten Name, Sinn und Zweck der Sterbekasse überdacht werden. Die GPK hielt ausserdem fest, dass sie einen guten Eindruck von der Arbeit des SMV hat, dass alle erforderlichen Unterlagen zur Verfügung gestellt wurden und dass ein grosses Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit den Mitteln zu konstatieren sei.
Dem Zentralvorstand und dem Zentralsekretär wurde einstimmig die Décharge erteilt. Co-Zentralpräsident David Schneebeli erklärte, dass sich der neue Zentralsekretär sehr gut eingearbeitet habe und die Zusammenarbeit mit ihm hervorragend funktioniere.
Ein Antrag des Zentralvorstands, Abstimmungen auf dem Zirkularweg mit einfacher Mehrheit zu ermöglichen, sofern kein Zentralvorstandsmitglied die persönliche Beratung in einer Sitzung verlangt, wurde einstimmig angenommen, ebenso ein Antrag der Sektion Genf, dass sich der Zentralvorstand mit der Verbesserung der sozialen Absicherung der freischaffenden Musiker*innen befassen soll.
Die Frage nach einem Konzept für die Rechtsberatung wurde dahingehend beantwortet, dass Anfragen an den Zentralsekretär gerichtet werden sollen, der allenfalls – wenn externe Beratung nötig sein sollte – die nötigen Schritte unternimmt. Ein entsprechendes Netzwerk sei vorhanden.
Am Ende dieser Delegiertenversammlung stand der Wunsch, dass die nächste hoffentlich wieder als Präsenzveranstaltung durchgeführt werden kann.

Schweizerischer Musikerverband

Internet
www.smv.ch

Co-Zentralpräsidenten
Alain Pasquier & David Schneebeli 

Auskünfte
SMV-Zentralsekretariat
Beat Santschi, Zentralsekretär
Jessica Frossard, Gewerkschaftssekretärin
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