Die «dissonance» steht vor neuen 
Herausforderungen

Die «dissonance» steht vor neuen 
Herausforderungen

Interview: Thomas Meyer, 03.04.2013

Seit drei Jahren gibt der STV die «dissonance» gemeinsam mit der Konferenz Musikhochschulen Schweiz (KMHS) heraus. Die Zeitschrift, die sich vor allem der Musikforschung und der zeitgenössischen Musik widmet, ist bei Kennern über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Nun scheint sie infolge der neusten Entwicklungen in der Schweizer Kulturpolitik gefährdet zu sein. 


Wir haben bei den Verantwortlichen nachgefragt, bei Matthias Arter, dem Präsidenten des STV, bei Michael Eidenbenz, dem Leiter des Departements Musik der ZHdK und Delegierten der KMHS, sowie bei Thomas Gartmann, der seit einigen Monaten die Forschungsabteilung der HKB leitet.


Matthias Arter, wie steht es von Seiten des STV um die «dissonance»? Was für Probleme bestehen und warum?


Arter: Die dissonance war schon unter meinen Vorgängern stets ein kräftiger Budgetposten. Die Zeitschrift ist äusserst hochwertig – sie hat vor drei Jahren noch einmal kräftig zugelegt – und das hat nun mal seinen Preis! Bisher waren die Aufwendungen aber zu verkraften, weil uns das Bundesamt für Kultur (BAK) nicht zuletzt wegen der dissonance unterstützte. Nun hat das BAK seine Richtlinien aufgrund des neuen Kulturfördergesetzes verändert und nimmt die dissonance (wie auch andere Projekte) von ihrer Unterstützung explizit aus: die Kürzung des jährlichen Beitrags für den STV auf zwei Drittel war die Folge davon.


Das heisst, der STV wird seinen Beitrag zur «dissonance» nicht mehr voll leisten können. Was will er dagegen unternehmen?


Arter: Die neue Situation, vor der wir stehen, erfordert neue Strategien zur nachhaltigen Finanzierung der Zeitschrift. Bei der Generierung von Drittmitteln (private und öffentliche Stellen) stossen wir zunehmend an Grenzen. Die Lancierung eines Gönnerabonnements vor zwei Jahren hat demgegenüber erfreuliche Resultate gezeigt. Diesen Weg möchten wir nun mit der Gründung eines Gönnervereins weitergehen und hoffen, dass wir damit ein richtiges drittes Standbein für die dissonance aufbauen können.


Betroffen ist davon ja auch die Partnerschaft mit den Schweizer Musikhochschulen? Wie reagieren diese, Michael Eidenbenz?


Eidenbenz: Die KMHS hat sich aus doppeltem Interesse als Mitherausgeberin von dissonance verpflichtet: Einerseits dient ihr die Zeitschrift zur repräsentablen Publikation von Forschungsberichten, die eine aufwändige Peer Review durchlaufen haben. Andererseits sehen die Musikhochschulen ihr Engagement als Beitrag zum einem anspruchsvollen kritischen und ästhetischen Musikdiskurs, den dissonance in kleinen, aber sehr informierten Leserkreisen mit prägt. Die KMHS will mit dissonance also nicht einfach Partikularinteressen von einzelnen Hochschulen befriedigen, sondern erkennt in dem Projekt einen eigenen schweizweiten Kulturwert, deshalb erfolgt die Unterstützung auch durch die gesamte Konferenz.


Inwieweit kann die KMHS denn nun auf den finanziellen Engpass des STV reagieren?


Eidenbenz: Die Unterstützung der KMHS äussert sich u.a. durch sub-stanzielle finanzielle Beiträge. Diese stossen aber irgendwann an die Grenzen dessen, was für staatlich finanzierte Institutionen zu verantworten ist. Insofern ist es auf Grund der bisherigen Erfahrungen zwingend notwendig, dass das Überleben der Zeitschrift auch durch zusätzliche private Mittel gesichert werden kann.


Als die Herausgeber der «dissonance» Sie fragten, ob Sie die Gründung eines Gönnervereines an die Hand nehmen würden, haben Sie spontan zugesagt. Was sind Ihre Beweggründe?


Gartmann: Mir ist nicht gleichgültig, ob es weiterhin eine Zeitschrift gibt, die regelmässig das aktuelle Musikschaffen und -leben in der Schweiz kritisch begleitet und der Forschung eine Diskussions-Plattform gibt – nicht affirmativ, sondern durchaus auch mit Dissonanzen. Diese Meinung teilen viele Köpfe: Im Gönnerverein sind Persönlichkeiten versammelt, die sich dafür stark machen und die Weiter-Existenz von dissonance mit-ermöglichen, je nach den finanziellen Möglichkeiten als «Freund» (mit jährlich 100 Fr.), als «Gönner» (500 Fr.) oder «Förderer» (ab 1000 Fr.). Ich hoffe, dass sich hier möglichst viele Musikfreunde anschliessen. Der Gönnerverein trifft sich jährlich einmal auch zum Gedankenaustausch mit der Redaktion, nach Möglichkeit verbunden mit einem Konzertbesuch, ein erstes Mal am kommenden 16. Mai in Bern (siehe Kasten).


Welche Zukunftschancen geben Sie der Zeitschrift?


Gartmann: Mit einer breiteren Abstützung und vereinten Kräften sollte ihr mittelfristiges Überleben gut möglich sein. Potential sehe ich insbesondere auch bei einer weiteren Öffnung gegenüber der Musiktheorie wie auch in Richtung universitäre Musikwissenschaft. Wenn dissonance engagiert bleibt und sich weiterhin auch einmal anzustossen traut, bleibt sie interessant.

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