Dieses Jahr findet das Schweizerische Tonkünstlerfest innerhalb der 17. Ausgabe des innovativen Festival Les Jardins Musicaux in Cernier statt. 

114. Tonkünstlerfest

Laurent Mettraux, Übersetzung : Thomas Meyer, 06.06.2014

Dieses Jahr findet das Schweizerische Tonkünstlerfest innerhalb der 17. Ausgabe des innovativen Festival Les Jardins Musicaux in Cernier statt.

Wenn auch die vom STV veranstalteten Konzerte hauptsächlich während des Wochenendes vom 29. bis 31. August, also von Freitagabend bis Sonntagnachmittag, stattfinden (mit unserer GV am Samstag), sind bereits mehrere Konzerte und zahlreiche «Préludes» am Sonntag, 24., und Dienstag, 26. August, zu erleben (vgl. das Programm unten). Im Laufe von acht Konzerten werden siebzehn Werke und eine Performance von achtzehn unserer Mitglieder-Komponisten aufgeführt, sechs davon als Uraufführung. Die meisten Interpreten sind ebenfalls Mitglieder des STV.

Vor-Konzerte

Die Jardins Musicaux stellen zehn «bal(l)ades» vor, die historische, künstlerische oder archäologische Entdeckungen mit einem Konzert verbinden. So können Interessierte den römischen Schatz von Dombresson und seine Geschichte im Musée d’Art et d’Histoire von Neuenburg entdecken (24. 8. um 10 Uhr); danach werden sie gratis im Bus oder als Mitfahrer zum Dorf Dombresson bei Cernier gefahren. In der Kirche dieses Dorfs folgt das Konzert des von William Blank geleiteten Lemanic Modern Ensemble: auf dem Programm steht das Melodram L’Etang für Sopran (Laure-Anne Payot) und Ensemble (Pierrot lunaire-Besetzung!), das die Komponistin Ezko Kikoutchi auf einen Text von Robert Walser geschrieben hat – übrigens den einzigen Text des Dichters in Bieler Mundart !

Gleichentags präsentiert das Wandelweiser-Kollektiv in Cernier seine Performance A l’écoute – Vers le verger, das nach Möglichkeiten sucht, «einer Landschaft zu begegnen». Steht eine Landschaft für sich, in sich, oder ist sie eher ein Träger von etwas? Was geschieht bei der Begegnung, noch bevor wir uns den Kategorien des Klingenden, des Konzeptuellen und Performativen im musikalischen Denken zuwenden? So wie eine reale Sinnlichkeit und Transparenz der Landschaft existiert, existiert eine reale Sinnlichkeit und Transparenz des kompositorischen Denkens. Fragestellungen wie diese verbinden in heterogener Weise die kompositorische Arbeit von Jürg Frey, Stefan Thut und Manfred Werder.

Am Dienstagabend (26.8.) spielt das Nouvel Ensemble Contemporain zwei Werke von Georg Friedrich Haas, das dichte In Nomine und das Doppelkonzert für Akkordeon, Bratsche und Ensemble, sowie die Uraufführung einer STV-Auftragskomposition von Katharina Rosenberger, einer Schweizer Komponistin, die zurzeit Komposition an der Universität von San Diego unterrichtet.

Das Wochenende vom 29. bis 31. August

Das Wochenende wird mit der Uraufführung des Stücks Edge of von Alexandre Babel et Mio Chareteau eröffnet, die sich hier mit dem weissen Rauschen beschäftigen. Es wurde bei der Projektausschreibung des STV unter den interdisziplinären Stücken ausgewählt, «die eine neue und originelle Verbindung von Klang, Bewegung und Raum erproben».
Am Samstag stellt das Konus-Quartett den ungemeinen Klangreichtum vor, über den ein Saxophonquartett verfügt. Bei dieser Gelegenheit spielt es neue Werke von Victor Cordero und Jürg Frey: der erste integriert Improvisationen in seine Musik, der zweite bewegt sich an der Grenze zur Stille.
Das Asasello-Quartett und der Akkordeonist Stéphane Chapuis interpretieren Werke, die sich auf die Zeit beziehen: Erinnerungen an die Vergangenheit bei Heinz Marti, Fragmente bei Michael Jarrell, Vergänglichkeit bei Nicolas Bolens. Eine Uraufführung von Felix Baumann bereichert das Programm.
Am Sonntagmorgen folgt die Wiederaufführung der aussergewöhnlichen Missa Nova von Lukas Langlotz durch das Vokalensemble Zürich und das Mondrian Ensemble unter der Leitung von Peter Siegwart – sicherlich eines der herausragenden Ereignisse des Festivals. Diese Messe verwendet zwar einen christlichen Text, ist aber keineswegs Kirchenmusik; vielmehr geht es darum, einem Archetyp ausserhalb seines kulturellen Rahmens zu begegnen und ihn neu zu verstehen.
Das letzte Konzert mit dem Collegium Novum Zürich und dem Hornisten Olivier Darbellay unter der Leitung von Jonathan Stockhammer bringt unter anderem eine Uraufführung von Blaise Ubaldini, einem jungen Komponisten auf der Suche nach Klarheit, Transparenz und Einheitlichkeit.

Weitere Konzerte der Jardins Musicaux

Die anderen Konzerte der Jardins Musicaux, für die STV-Mitglieder vergünstigte Karten erhalten, bringen unter anderem das ausgezeichnete Jack Quartet, das am 21.8. Luigi Nonos Fragmente–Stille, an Diotima aufführt sowie tags darauf Stücke von Xenakis, Gesualdo und aus dem späten Mittelalter. Am Sonntag, 24.8., unmittelbar nach dem Konzert in Dombresson, spielt das Ensemble instrumental de la HEM de Genève unter Laurent Gay ein Strawinsky-Programm. Am 25. folgt ein elektroakustisches Konzert mit einem Werk von Jonathan Harvey und einem Meisterwerk des Genres, Stockhausens Gesang der Jünglinge von 1955/56. In einem weiteren aussergewöhnlichen Konzert sind am Donnerstag (28.8.) Gérard Griseys Chants de l’amour für zwölf Stimmen und Tonband zu hören. Auch Filmmusik erklingt: Martin Matalon hat mit Le Scorpion eine neue Musik zu Luis Buñuels L’Âge d’or komponiert, daneben wird Chaplins Musik zu The Kid dargeboten. Schliesslich gibt es jazznahe Konzerte, etwa mit Sylvie Courvoisier, Michel Portal oder Vincent Peirani, die 14. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch und Miroir de Jésus von André Caplet, dazu Musik der 16.-20. Jahrhunderte, etwa die Schweizer Erstaufführung der Alexander Gauk–Orchestrierung von Tschaikowskis Jahreszeiten.

114. Tonkünstlerfest - Programm

I. Dimanche 24 août, Temple de Dombresson, 12h30
Ezko Kikoutchi (*1968) : Der Teich, monodrame pour soprano et ensemble sur un texte de Robert Walser, livret de Roman Brotbeck.
Laure-Anne Payot, mezzo-soprano ; Lemanic Modern Ensemble ; William Blank, direction

II. Dimanche 24 août, Jardins d’Evologia, 16h00
Collectif Wandelweiser : Jürg Frey, Stefan Thut, Manfred Werder : A l’écoute – Vers le verger

III. Mardi 26 août, Grange aux Concerts, 19h00
Georg Friedrich Haas (*1953) : Double Concerto pour accordéon, alto et ensemble de chambre ;
In Nomine pour ensemble
Katharina Rosenberger (*1971) : shift pour ensemble, création, commande de l’ASM
Fanny Vicens, accordéon ; Anna Spina, alto ; Nouvel Ensemble Contemporain ; Pierre-Alain Monot, direction

IV. Vendredi 29 août, Grange aux Concerts, 19h00
Mio Chareteau (*1973) et Alexandre Babel (*1980), concept et réalisation : Arbeitsverbesserungsvorschlag (2008) ; Edge of (2014) création, commande de l’ASM
Interprètes : Mio Chareteau, Alexandre Babel, Daniel Eichholz ; dispositif scénique : Mathias Geoffroy ; lumières : Florian Bach

V. Samedi 30 août, Grange aux Concerts, 14h00
Antoine Fachard (*1980) : Evocations Chorales
Jürg Frey (*1953) : Mémoire, horizon, création
Victor Cordero (*1971) : The Growl, création, commande de l’ASM
Konus Quartett (Stefan Rolli, Christian Kobi, Fabio Oehrli et Jonas Tschanz, saxophones)

VI. Samedi 30 août, Grange aux Concerts, 19h00
Michael Jarrell (*1958) : Zeitfragmente pour quatuor à cordes
Heinz Marti (*1934) : Ricordanze pour quatuor à cordes
Felix Baumann (*1961) : nouvelle œuvre pour quatuor à cordes et accordéon, création, commande de l’ASM
Nicolas Bolens (*1963) : Tempus fugit pour quatuor à cordes
Stéphane Chapuis, accordéon ; Asasello Quartett (Rostislav Kozhevnikov et Barbara Kuster, violons ; Justyna Śliwa, alto ; Teemu Myöhänen, violoncelle)

VII. Dimanche 31 août, Grange aux Concerts, 11h00
Lukas Langlotz (*1971) : Missa Nova
Vokalensemble Zürich ; Mondrian Ensemble ; Peter Siegwart, direction

VIII. Dimanche 31 août, Grange aux Concerts, 14h30
Ricardo Eizirik (*1985) : Trial and Error pour ensemble
Jorge E. López (*1955) : Triptychon op. 25, pour ensemble et cor obligé
Blaise Ubaldini (*1979) : nouvelle œuvre, création, commande de l’ASM
Olivier Darbellay, cor ; Collegium Novum Zürich ; Jonathan Stockhammer, direction
 

Inhalt STV

Schweizerischer Tonkünstlerverein

Adresse
11 bis, Avenue du Grammont, 1007 Lausanne

www.asm-stv.ch

info@asm-stv.ch

Tel. 021 614 32 90 (Lu–Ve 9.00–12.00)
Fax 021 614 32 99

Präsidentin
Käthi Gohl Moser
katharina.gohlmoser@fhnw.ch

Geschäftsführer
Johannes Knapp
johannes.knapp@asm-stv.ch

Redaktion
Verantwortlicher Redaktor
Laurent Mettraux
laurent.mettraux@bluewin.ch

Redaktionelle Mitarbeit
Thomas Meyer
thomas.meyer16@gmail.com