Das ensemble für neue musik zürich wird heuer dreissig Jahre alt.  
In Freundschaft

In Freundschaft

Thomas Meyer , 26.01.2015

Das ensemble für neue musik zürich wird heuer dreissig Jahre alt.

Der Anlass war unscheinbar, aber dennoch ungewöhnlich – und er hatte weitreichende Folgen für die Neue Musik in Zürich. Am 11. Februar 1985 lud eine Gruppe junger Musiker zum Konzert ins Lavaterhaus an der St. Peterhofstatt ein (die Neue Musik besass damals wie heute keinen Stammplatz in der Stadt). Auf dem Programm: Werke von Wladimir Vogel, Jacques Wildberger, Ermanno Maggini und Jost Meier – zeitgenössische Musik aus der Schweiz. Die Gruppe nannte sich zunächst – schlichter geht’s kaum – ensemble. Ein solches Ensemble, das sich ausschliesslich dem Neuen widmete, existierte in Zürich zuvor nicht.

Drei dieser damals jungen Musiker sind heute noch mit von der Partie: der Flötist Hans-Peter Frehner, der Geiger Urs Bumbacher und der Pianist Viktor Müller. Federführend, wenn auch nicht offizieller Leiter, war und ist Frehner: „Wir waren ein paar Musiker, die nicht einfach ins Orchester sitzen mochten.“. Damals hörte er ein Konzert des Gruppo Musica Insieme di Cremona und dachte: „So etwas möchte ich auch machen. Es gab damals schon paar Ensembles Neuer Musik in Europa. Eine grössere Gruppe schien uns schwierig, deshalb haben wir uns auf ein Sextett beschränkt. Die Idee war eine von den Musikern geführte Organisation, die sich die Dirigenten und Solisten und vor allem das Repertoire selber aussuchen kann. Nur Sachen spielen, die einem Spass machen, und mit Leuten, an denen man Freude hat.“

Und so kam es – mit Spass und Engagement, aber auch mit Neugier, Ausdauer und einem stetig wachsenden Erfahrungsschatz. Das ensemble für neue musik zürich, wie es sich der Klarheit halber schliesslich nannte, hat im Lauf der Jahrzehnte hunderte von Konzerten gegeben, es hat dafür Aufträge vergeben und weit über 250 Uraufführungen (grösstenteils von Schweizern – und auch von vielen Komponistinnen) realisiert, hat mehrere CDs bei Hat Hut Records eingespielt und ist weitherum getourt, in die Ukraine, nach China, Australien und Japan etwa. Und es haben auch mehr als 250 Musikerinnen und Musiker mit dem ensemble zusammengespielt.

Auffallend ist die stilistische Offenheit, die sich nicht an eine dogmatische Avantgarde hält. Das ensemble hat immer wieder die Grenzbereiche aufgesucht, in Kunst- und Schauspielprojekten, in Konzerten mit Nik Bärtsch etwa, mit Kompositionsaufträgen an Jazzern, die bald – wie Dieter Ammann – zu führenden Komponisten der Neuen Musik hierzulande wurden. Gerade bereitet es mit dem ultraspeziellen Wiener Trio Königleopold die very serious unserious first club opera for anybody, anywhere at anytime for no reasons at all von Daniel und Leo Riegler vor. Es hat uns seit 1990 denn auch einige der markantesten Musiktheaterprojekte in Zürich beschert – in Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Peter Schweiger, Joachim Schlömer, Herbert Wernicke, Albrecht Hirche und Anna Viebrock.

Die Jubiläumssaison nun führt diese Vielfalt in aller Breite vor, beginnend im Januar mit Jochen Neurath in der Kunsthalle Zürich. Darauf folgt anfangs März im Theater an der Winkelwiese Ich möchte nur noch spielen, ein Musiktheater von Astride Schlaefli und Christoph Coburger, inspiriert von Max Frischs Entwürfen zu einem dritten Tagebuch. Bei den eigentlichen Jubiläumskonzerten im April gibt es Uraufführungen von Rudolf Kelterborn, Mathias Steinauer, Johannes Harneit, und dem Ukrainer Yevhen Stankovych, im Juni ein neues abendfüllendes Stück der Japanerin Noriko Hisada, im Herbst eine Oper von Daniel Mouthon (Liquid Crystal Display) sowie einen Abend im November mit neuen Werken von Sebastian Gottschick und Christoph Coburger. Das sind alles Namen, die schon mehrmals in den Programmen des ensembles für neue musik zürich aufgetaucht sind. Dahinter stehen Jahre enger Zusammenarbeit und Freundschaft – und eine Treue diesen Freunden, dem Publikum, aber auch sich selber gegenüber.

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