In der Grammont-Porträt-Serie ist nun endlich einer der bedeutendsten Schweizer Komponisten vertreten: Beat Furrer.  
auf tönernen füssen

auf tönernen füssen

Thomas Meyer, 26.01.2015

In der Grammont-Porträt-Serie ist nun endlich einer der bedeutendsten Schweizer Komponisten vertreten: Beat Furrer.

Eigentlich muss es den Helvetiern doch vorkommen, als habe sich da einer rechtzeitig davongemacht und sein Glück anderswo gewagt – und gemacht. Was, so muss man sich nun nicht noch fragen, wäre aus ihm geworden, wenn er hiergeblieben wäre? Wien jedenfalls bot dem 1954 in Schaffhausen geborenen Beat Furrer jenen Nährboden, auf dem er innert weniger Jahre zu einer der wichtigen Figuren der zeitgenössischen Musikszene heranwachsen konnte. An der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst studierte er das Dirigieren (bei Otmar Suitner) sowie das Komponieren (bei Roman Haubenstock-Ramati). 1985 – mit 31 – gründete er das Klangforum Wien, das heute zu den unverzichtbaren Klangkörpern der zeitgenössischen Musik gehört. Und mit seiner eigenen Musik wurde er alsbald beachtet und viel gespielt. Zu Solo- und Kammermusik, zu den Ensemble- und Orchesterwerken traten früh ungewöhnliche musiktheatralische Versuche, die jeweils neue Wege einschlugen. Erinnert sei nur an Begehren, Fama sowie das 2010 von Christoph Marthaler in Basel uraufgeführte Wüstenbuch, das kürzlich ebenfalls auf CD erschienen ist.

Längst ist Furrers Ruhm wieder in die Heimat zurückgeschwappt. Seine Werke sind hier häufig zu hören; als bislang letzter erhielt er 2012 den Kompositionspreis Marguerite Staehelin des STV, und nun endlich ist er auch in der Grammont-Serie vertreten – mit fünf kammermusikalischen Werken. Die beiden Stücke aus den 1990er Jahren Aer für Klarinette, Cello und Klavier sowie Lied für Violine und Klavier dürften mittlerweile zu seinen meistaufgeführten zählen. Das erste (interpretiert vom Trio Catch) spielt sich, passend zum Titel, durch die Luft, jene grenzenlose, aber nicht unbestimmte, sondern bestimmte Substanz, wie Furrer (was er oft und gern tut) aus vorsokratischen Naturphilosophen zitiert. Das Lied wiederum, in einer Aufnahme mit Maximilian Haft und Samuel Fried, ist eine gespenstische Hommage an Schuberts Winterreise, verwandelt sich aber unverhörens in eine Feldmansche Schreitmusik. Ebenfalls aus dieser frühen Aera, von 1992, stammt das Ensemblestück …cold and calm and moving, hier gespielt vom ensemble proton aus Bern – auch dies eine eindringliche Studie über Zeit und Bewegung.

Manchmal erscheint einem die Musik Furrers überraschend in der Geradlinigkeit und üppig in der Reduktion. Gerade das Duett für Stimme und Flöte mit dem Titel auf tönernen füssen ist ein wunderbares Beispiel dafür. Furrer „vertont“ hier einen Text der österreichischen Dichterin Friederike Mayröcker, d.h. Mira Tscherne rezitiert ihn und Eva Furrer setzt einzelne Töne und Klanggesten dazwischen – so entsteht ein kaleidoskopartiges Zwiegespräch zwischen Wort und Ton: So klar wie geheimnisvoll.

Eine waghalsige Klavier-Studie aus dem Jahr 2011, gespielt von Nicolas Hodges, rundet diese Porträt-CD ab. Sie beginnt ganz schlicht, verschichtet und verdichtet sich auf komplexe Weise und entflechtet sich schliesslich wieder. In seiner Überschaubarkeit ist auch dies spannende Musik…

Übrigens: auch in der neuen Grammont-Sélection von 2013 findet sich ein Werk Furrers – darüber nächstes Mal mehr.

Beat Furrer: Aer, …cold and calm and moving, Lied, auf tönernen füssen, Studie; Musiques Suisses MGB CTS-M 141.
Wüstenbuch (+ ira-arca, Lied, aer); Kairos 0013312KAI.
 

 

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