Die CD-Produktion mit Neuer Schweizer Musik ist erfreulich rege. Hier ist Musik von Urs Peter Schneider, Alfred Zimmerlin und Jürg Frey zu entdecken. 
Erweiterte Kreise

Erweiterte Kreise

Thomas Meyer, 25.02.2015

Die CD-Produktion mit Neuer Schweizer Musik ist erfreulich rege. Hier ist Musik von Urs Peter Schneider, Alfred Zimmerlin und Jürg Frey zu entdecken.

Im Sommer erst hatten wir an dieser Stelle neue CDs des Berliner Labels Wandelweiser mit Musik von Jürg Frey, Stefan Thut, Peter Streiff und Urs Peter Schneider vorgestellt. Kaum ist tiefster Winter, da geht die Präsentation dieser Komponisten eifrig weiter. Bereits liegen neue Aufnahmen vor. Wollen wir da wirklich von einer Krise der CD sprechen?

Von Urs Peter Schneider ist beim initiativen Berner Label cubus eine Anthologie aus den Jahren 1960-2012 erschienen: Musik – typisch Schneidersch gebündelt – für Orgel bzw. Elektronik mit Stimme (CD 1), für Ensemble bzw. für Solisten (2) sowie für Klarinette mit Klavier bzw. Sprecher (3). Daraus entstehen durch die strategische Neuordnung eigentliche Werkkonstellationen, die Abwechslung bieten, aber auch Verbindungen aufzeigen. Und jedes Stück fordert gleichsam seine Hörart ein, mal erstarrt man vor der Radikalität, mal freut man sich über den Witz. Es ist die Kunst der konzeptuellen Reduktion.

Von Alfred Zimmerlin, auch er ist ein Wandelweiser-Komponist, wurde vergangenen Herbst in Basel das dreiteilige Monodram Mehr als elf uraufgeführt. Eine Frau (Text: Zsuzsanna Gahse) steht am Fenster und beobachtet die Passanten, lebt mit und denkt sich dazu ihre Geschichten aus. Eine hintergründige Scheinwelt entsteht: Was ist Theater, was ist wahr? Das Stück kommt nun ganz ohne Instrumente aus; die Sängerin ist auf sich allein gestellt, eine Herausforderung, durch die die Sopranistin Leila Pfister zu einer wunderbar ruhigen und intensiv gestalteten Interpretation geführt wird.

Jürg Frey schliesslich, der Aarauer, hat bei Wandelweiser jetzt eine neue CD mit dem Titel 24 Wörter vorgelegt. Es sind 27 teilweise äussert knapp gehaltene Miniaturen für Sopran (Regula Konrad), Geige (Andrew Nathaniel McIntosh) und Klavier (Dante Boon) über Wörter wie „Fremdheit“, „Seelenweit“, „Einsamkeitsmangel“ oder „Vergessenheitsvogel“, zart oft, eher repetitiv, das Horchen herauslockend. Das ist überhaupt eine der zentralen Eigenschaften von Freys Musik, wie sich auch auf der neuen Grammont-Porträt-CD zeigt. Hier sind einige Stücke aus den letzten vier Jahren versammelt: Mémoire, horizon, eine mehrteilige Extended Circular Music sowie die Architektur der Empfindungen – in sich kreisende, kanonhafte Momente, dahinwandernde Passagen, kleine Überraschungen in vertrautesten Gefilden, sich ständig erneuernde Horizonte. Das Ohr wird ständig sanft verschoben. Beschreiben lässt sich das kaum, man muss ihm nachhorchen, was hier durch das Mondrian Ensemble (Klavierquartett) und das Konus Quartett (Saxophone) erklingt.

Urs Peter Schneider: Kompositionen 1960-2012; Cubus CR 370 (3 CDs)
Alfred Zimmerlin: Mehr als elf; bmn audiophil 20144 (CD und Blue-Ray-Disc).
Jürg Frey: 24 Wörter; Edition Wandelweiser EWR 1407.
Jürg Frey: Porträt; Grammont MGB CTS-M 144

 

Inhalt STV

Schweizerischer Tonkünstlerverein

Adresse
11 bis, Avenue du Grammont, 1007 Lausanne

www.asm-stv.ch

info@asm-stv.ch

Tel. 021 614 32 90 (Lu–Ve 9.00–12.00)
Fax 021 614 32 99

Präsidentin
Käthi Gohl Moser
katharina.gohlmoser@fhnw.ch

Geschäftsführer
Johannes Knapp
johannes.knapp@asm-stv.ch

Redaktion
Verantwortlicher Redaktor
Laurent Mettraux
laurent.mettraux@bluewin.ch

Redaktionelle Mitarbeit
Thomas Meyer
thomas.meyer16@gmail.com