Der Zürcher Komponist Walter Baer ist am 16. März im Alter von knapp 87 Jahren gestorben. 
Eine Hymne für den Frieden

Eine Hymne für den Frieden

Thomas Meyer , 22.04.2015

Der Zürcher Komponist Walter Baer ist am 16. März im Alter von knapp 87 Jahren gestorben.

Geistliche christliche Werke finden sich in seinem reichhaltigen Werkverzeichnis (www.walterbaer.ch) , aber auch zahlreiche, die auf Erzählungen aus der antiken Mythologie anspielen, daneben gibt es Vertonungen von Texten in unterschiedlichen Sprachen und Musik über die Musikgeschichte: Es zeugt vom breiten Interesse dieses Komponisten und von seiner Fähigkeit, in Tönen zu erzählen und Bilder zu evozieren. Walter Baer, geboren am 7. April 1928 in Zürich, hat sich mit sehr unterschiedlichen Themen beschäftigt. In mehreren von ihnen dachte er über die Zeitläufte nach und setzte seine Gefühle und Gedanken musikalisch um: Ouvertüre für ein ungewisses Ereignis, heisst zum Beispiel ein Orchesterstück von 1995, das er zur „fiktiven Wiedereröffnung des zugemauerten Goldenen Tores in Jerusalem“ schrieb, jenes Tores, „das in den Mythen der Juden, Muslims und Christen eine unterschiedliche Rolle spielt“. In Babel für vier Klarinetten (1996) ging es um „Masslosigkeit (Turmbau) und Sprachlosigkeit (Sprachverwirrung)“, aber auch um „Hoffnung und Friedenssehnsucht“. Eine seine letzten Orchesterkompositionen ist die Friedenshymne Ushuhaia, die im April 2007 bezeichnenderweise fern von hier, in der gleichnamigen Stadt auf Feuerland uraufgeführt wurde. „Angesichts der vielen uerfreulichen Ereignisse in aller Welt, möchte ich ‚am Ende der Welt‘ einen Hymnus an den Frieden aufleuchten lassen.“
So weltumspannend dieses Empfinden war, sein Zentrum hatte dieses Leben und Schaffen vor allem in Zürich. Nach dem Studien in Klavier (bei Czesław Marek) und Komposition (Paul Müller-Zürich und Rudolf Kelterborn) sowie der Musikwissenschaft unterrichtete Walter Baer zunächst an einem Zürcher Gymnasium und Lehrerseminar, bevor er von 1974 bis zu seiner Pensionierung 1993 die Abteilung Schulmusik an Konservatorium und Musikhochschule Zürich leitete. Diese Anstellung bot ihm die Möglichkeit, seine Musik unabhänglich von Moden und Strömungen zu entwickeln. Er dachte unabhängig: „Die verschiedenen Kompositionstechniken und -systeme sind für mich nur sinnvoll, wenn der Zuhörer der Botschaft, die mit ihrer Hilfe ausgedrückt werden soll, auch folgen kann. Mit passenden Titeln und Verweisen versuche ich manchmal, die Aufmerksamkeit auf die poetische Dimension und das Geheimnisvolle in meiner Musik zu lenken. Dabei habe ich mich losgelöst von stilistischen Fesseln und vom Zwang zu vorgegebenen Strukturen und Formen bzw. zu deren Vermeidung.“ Der Avantgarde gegenüber verhielt er sich zunehmend kritisch, freilich ebenso jedem Eklektizismus und aller Postmoderne und notierte dazu: “Ich verlasse mich auf den ‚guten Geschmack‘ und auf ein professionelles Handwerk.“
 

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