Am 16. Oktober feierte der Geiger Hansheinz Schneeberger seinen 90. Geburtstag. Seit 2012 ist er Ehrenmitglied des STV. 
Hansheinz Schneeberger – Spontaneität auf der Stradivari

Hansheinz Schneeberger – Spontaneität auf der Stradivari

Thomas Meyer, 01.12.2016

Am 16. Oktober feierte der Geiger Hansheinz Schneeberger seinen 90. Geburtstag. Seit 2012 ist er Ehrenmitglied des STV.

Zu seinem 85. Geburtstag komponierte Heinz Holliger für ihn einen Ri-tratto für Solovioline, ein Porträt der besonderen Art, in dem natürlich auch der Name des Widmungsträgers einkomponiert war. Hansheinz Schneeberger erzählte später, dass er das brillante Stück über Monate erarbeitet und dabei durchaus noch Neues gelernt habe. Er ist neugierig geblieben, auch bei seinem 90. Geburtstag; man begegnet ihm häufig als Hörer in Konzerten, auch dort, wo man ihn, den Klassiker, weniger vermuten würde.

Diese Neugier macht seinen Elan aus, der seinem Spiel bis heute geblieben ist, und sie half ihm, dem Berner in Basel, auch, eine grosse Vielfalt von Interessen zu verbinden, sowohl Barockmusik als auch Moderne, von denen aus er sich der Romantik näherte. Das Neue bereitet ihm denn auch keine Mühe. Sein Repertoire ist breit und umfasst auch jüngere Schweizer Kompositionen. So hat er einst die Violinkonzerte von Willy Burkhard, Frank Martin und Klaus Huber (Tempora) uraufgeführt sowie das lange liegengebliebene 1. Konzert Bartóks. Er konnte vor zwölf Jahren aber auch einspringen, als es galt, innerhalb einer Woche das neue Geigenkonzert Malchuth von Daniel Glaus einzustudieren. Zu Recht wurde er heuer für den Schweizer Musikpreis nominiert.

Mit sechs begann Schneeberger Geige zu spielen. Sein Lehrer am Berner Konservatorium, Walter Kägi, beschäftigte sich schon früh mit sogenannt Alter Musik und suchte dafür einen anderen Ton. Bei seinem Harmonielehrer Willy Burkhard lernte der Neunjährige die Moderne mit Bartók und Hindemith als Leitfiguren kennen. Seine an Höhepunkten reiche Karriere verlief auf mehreren Bahnen. Er tat nicht, was man tun musste, um gross herauszukommen. Gewiss hat er in vielen Ländern und mit vielen Orchestern musiziert, und mit Pablo Casals und Miecyslaw Horszowski spielte er gar einst in Prades und Zermatt das Mendelssohn-Trio. Er hatte während der 50er Jahre in Bern sein eigenes Quartett, war anschliessend Konzertmeister beim NDR-Sinfonieorchester, unterrichtete in Bern und Biel und in verschiedenen Meisterklassen, aber er liess sich nicht fixieren, sondern suchte neue Erfahrungen. Und um diese auszudrücken, hat er sich halt auch nie auf einen simplen Schönklang verlassen, sondern eine vielfältige Klangwelt entwickelt. Auf seiner Stradivari wie im Leben hat er sich dabei seine Spontaneität bewahrt.
 

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