Zu den letzten Produktionen des Labels Musiques Suisses. 
Grammont-CDs - Zum Abschied

Grammont-CDs - Zum Abschied

Thomas Meyer , 01.12.2016

Zu den letzten Produktionen des Labels Musiques Suisses.

Die Zusammenarbeit mit dem Migros-Kulturprozent endet nicht nur, wie an der GV bekannt wurde, in der Arbeitsgemeinschaft Grammont; das ganze Label Musiques Suisses stellt seine Produktion ein, wie der MGB ankündigt: „Weltweit ist der CD-Markt in den letzten Jahren mit drastisch sinkenden Absatzzahlen konfrontiert. Von dieser allgemeinen Entwicklung blieb auch das CD-Label des Migros-Kulturprozent, Musiques Suisses, nicht verschont. Eine kürzlich durchgeführte strategische Überprüfung des Projektes hat denn auch ergeben, dass die CD Produktion nicht mehr zeitgemäss ist. Das Label Musiques Suisses bleibt bestehen. Der Bestand von 380 Titel wird weitergeführt. Ab 1. Januar 2017 werden jedoch keine neuen Aufnahmen mehr produziert.”
Die jüngst erschienenen Aufnahmen umfassen Aufnahmen von Arthur Honegger und neue Volksmusik. Herausgekommen ist aber auch die Oper Der Sandmann von Andrea Lorenzo Scartazzini. E.T.A. Hoffmann stand Pate für dieses phantastische und hochexpressionistische Werk, das 2012 am Theater Basel unter der Leitung von Tomáš Hanus uraufgeführt wurde.
In der Grammont-Serie wurden nochmals drei Komponisten der jüngeren (was mag das noch heissen: hier: der unter 45jährigen) Generation porträtiert: Rico Gubler (geboren 1972), David Philip Hefti (1975) und Martin Jaggi (1978). Alle drei sind selber auch als Interpreten tätig, was vor allem auf Gublers CD erkennbar wird. Er wirkt bei Werken von Franco Donatoni, Roger Redgate und Edison Denisov mit und stellt vier sehr unterschiedliche eigene Werke vor: die Streif(f)lichter einer Morgenstunde für Violine von 1996 (der Titel verrät den Interpreten), das Quartett en bref (mit Lanner-Anklängen; 2002), das Trio IR (2003) sowie das Ensemblestück ROS von 2010.
Das Porträt von David Philip Hefti umfasst vor allem Werke in kammermusikalischen Besetzungen aus den letzten sieben Jahren. Die fein ausgearbeiteten Stücke entfalten sinnliche Kraft. Eine weitere Klangfarbe ist im Hamlet-Fragment zu hören, gesungen von den Neuen Vocalsolisten Stuttgart. Den Abschluss macht das (naturgemäss) sehr persönlich gefärbte Adagietto für Streichorchester, gespielt von der Camerata Bern unter der Leitung des Komponisten.
Von 2015 noch stammt die Porträt-CD von Martin Jaggi, der sich hier in den unterschiedlichsten Schattierungen vorstellt. Wunderbar gefrässig scheint der Klang-Moloch (so heisst ein Orchesterstück) von 2008, der hereinstürzt und sich selbst verzehrt, roh, unmittelbar, ja barbarisch, die Gestik abrupt und überraschend – freilich alles dann doch genau ausgehört und in einen energetischen Ablauf gebracht.

Andrea Lorenzo Scartazzini: Der Sandmann; MGB CD 6288
Rico Gubler: Werke von Franco Donatoni, Roger Regate und Edison Denisov sowie eigene Stücke; MGB CTS-M 148
David Philip Hefti: Kammermusik u.a.; MGB CTS-M 147
Martin Jaggi: Girga; Mehrgarh; Strata; SPAM; Plod on; Moloch; MGB CTS-M 146
 

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