Die Musikschule Dübendorf steht vor der Zertifizierung nach quarte III und ISO 9000 

VMS

04.02.2013
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"Quarte soll eine Erleichterung für die Lehrpersonen bedeuten und nicht zur administrativen Mehrbelastung führen."

«Doppelspurigkeiten beheben und Abläufe vereinfachen»

An der Regionalen Musikschule Dübendorf (rmd) setzen sich Leitung und Kollegium seit 2006 pro-aktiv mit dem Thema Schulentwicklung auseinander. Unter anderem wurden in den Bereichen Management, Leitbild, Strategieentwicklung, Jahreszielplanung Konzepte erarbeitet. Auch pädagogische und Personalfragen (Fachschaften, Mitarbeitenden-Beurteilung, Kollegiale Hospitation etc.) wurden behandelt. Im vergangenen Jahr lag der Fokus auf den restlichen Schritten (Prozessdefinitionen, Zertifizierung) zur Erreichung des quarte -Labels III. Die Zertifizierung ist im Juni 2013 geplant.

Die Musikschule Dübendorf wurde 1968 gegründet und nahm ihren Betrieb mit zunächst 115 Schülerinnen und Schülern, elf Lehrpersonen für fünf verschiedene Instrumente auf.
1970/71 wurde mittels Anschlussvertrag eine Zusammenarbeit mit den Gemeinden Schwerzenbach und Wangen-Brüttisellen festgelegt. Im Jubiläumsjahr 2003 wurden 427 Schülerinnen und Schüler von 50 Lehrpersonen in 21 verschiedenen Fächern unterrichtet. 2010 vollzog sich ein grosser Wandel: Die Gemeinden Dübendorf, Schwerzenbach und Wangen-Brüttisellen stimmten einem Zusammenarbeitsvertrag zu. Die Schulleitungen und Sekretariate wurden zusammengeführt. Die Schule wird jetzt zentral von Dübendorf aus geführt. Seit August 2012 ist auch die Gemeinde Fällanden Bestandteil der rmd. Aktuell unterrichten an der rmd 75 Lehrpersonen knapp 1'200 Schülerinnen und Schüler im Alter von 5 bis 75 Jahren. Schulleiter ist Olivier Scurio.


Interview: Niklaus Rüegg

Herr Scurio, Ihre Schule gilt als innovativ. Sie experimentieren mit alternativen Unterrichtsformen und führen jetzt auch das Qualitätsmanagement quarte ein. Ist das Neugier oder Notwendigkeit?

Aus meiner Sicht ist es eine Notwendigkeit. Einerseits geht es uns um die Transparenz, andererseits auch um das «Verteilen» des Know-how. Unsere Lehrpersonen haben das Anrecht, die Prozesse (Schülerzuteilung, Mutationen etc.) jederzeit nachvollziehen zu können und mittels Checklisten auch optimal unterstützt zu werden. Innerhalb der Organisation geht es auch darum, dass das Wissen nicht nur in den Köpfen der Angestellten vorhanden, sondern dokumentiert ist.

quarte gibt es seit fünf Jahren und es liegen bereits Erfahrungswerte vor. Haben Sie sich vor dem Einführungsentscheid bei den quarte -erfahrenen Kollegen schlau gemacht?

Nicht direkt, aber ich habe mich mit Kolleginnen und Kollegen von bereits zertifizierten Schulen unterhalten und deren «Systeme» angeschaut.

Welche Überlegungen haben Sie dazu gebracht, es mit quarte zu versuchen?

Aus meiner Sicht bietet quarte für uns die beste Basis, da es auf die Musikschulen zugeschnittene Prozessvorlagen bietet.

Wo stehen Sie im Zertifizierungsprozess?

Wir sind an der Definition der einzelnen Prozesse. Aktuell erarbeiten wir in einer Arbeitsgruppe mit Vertretern des Kollegiums unseren «Leistungsprozess». Dieser beinhaltet die Unterrichtsorganisation, den Musikunterricht, unser Förderprogramm und die Projekt- und Konzertorganisation.

Welche Bereiche des Schulalltags können mit quarte positiv beeinflusst, respektive verändert werden?

Für mich ist es primär der administrative Bereich der Schule. Wir konnten Doppelspurigkeiten beheben und Abläufe vereinfachen. Wir werden unsere Tätigkeiten gezielter bearbeiten und unsere Arbeit auf alle Schultern verteilen können.

Wie erleben Sie persönlich den Erarbeitungsprozess?

Das Erarbeiten und Definieren der verschiedenen Prozesse ist intensiv. Man kann das nicht einfach so nebenher machen und muss sich entsprechend zurückziehen. Dies ist für mich persönlich die grösste Herausforderung im aktuellen Schulbetrieb.

War das Meiste von dem, was quarte einfordert eigentlich schon da, oder haben Sie auch einige faule oder unausgebrütete Organisationseier an Ihrer Schule entdeckt?

Wir haben vieles in den vergangenen Jahren im Rahmen der Schulentwicklung erarbeitet. Bei uns krankte es vor allem an Dokumentationen und Beschreibungen von Abläufen. Wir haben zwar alles in unseren Köpfen, doch dies bedingt zu viele Absprachen untereinander. Von aussen betrachtet sind solche Vorgänge nicht nachvollziehbar, und das wollen wir künftig vermeiden.

Wie wurde das Kollegium in den Erarbeitungsprozess mit einbezogen?

Mir ist der Teamgedanke sehr wichtig. Die Entscheidungen müssen von der Mehrheit getragen werden können. Deshalb wird unser Kollegium bei fast allen Entscheidungen mit einbezogen. Entweder werden Themen an sogenannten Team-Tagen oder in Arbeitsgruppen erarbeitet. Die Verabschiedung geschieht je nach Tragweite auf Stufe Geschäftsleitung oder Schulpflege.

Gab es auch Skepsis zu beobachten?

Ja. wichtig ist aus meiner Sicht, dass es für unsere Lehrpersonen eine Erleichterung geben soll und nicht zur administrativen Mehrbelastung führt. Das Kerngeschäft ist und bleibt die musikalische Bildung unserer Schülerinnen und Schüler.

Die musikalische Bildungswelt ist seit dem 23. September 2012 eine andere. Hat dieses überwältigende Abstimmungsresultat etwas mit Ihrem Entscheid für quarte zu tun?

Nein. Das Abstimmungsresultat bestärkt uns in unserem Tun und in unserer Arbeitsweise. Ich freue mich über die breite Zustimmung; sie ermöglicht uns, noch bewusster gegenüber unseren Anspruchsgruppen aufzutreten und auch Forderungen zu stellen.

Inwiefern wird quarte Ihre Schule weiterbringen?

Ich bin überzeugt, dass die tägliche Arbeit vereinfacht wird, wie zum Beispiel die Einarbeitung von neuen Mitarbeitern. Wir alle werden den Kopf vermehrt für unsere Arbeit frei haben, weil wir uns nicht mehr unnötig mit deren Organisation auseinander setzen müssen. Es wird Neues und Kreatives entstehen.

Haben Sie von den verschiedenen Anspruchsgruppen (Eltern, Behörden, Schulpflege etc.) irgendwelche ermutigende Signale erhalten?

Hier gab es, wie immer bei neuen Themen, beide Seiten. Wirtschaftlich orientierte Personen finden es gut, andere eher weniger. Grundsätzlich werden wir von unseren Anspruchsgruppen sehr gut unterstützt. Dies zeigt sich in der aktuellen Nomination für den Kulturpreis der Stadt Dübendorf: Unsere Arbeit wird «gesehen».

Weshalb breitet sich quarte Ihrer Meinung nach unter den Schweizer Musikschulen nur schleppend aus?

Ich denke, dass dies mit der Grösse der Schule zusammenhängt. Eine Musikschule braucht eine gewisse Grösse, damit sie professionell geführt werden kann und solche Themen auf die Agenda kommen. Hier besteht aus meiner Sicht ein Nachholbedarf. Im Kanton Zürich haben wir noch einige Schulen, mit Leitungspensen um die 30% Stellenprozent. Das ist in der heutigen Zeit nicht opportun. Es bleibt keine Zeit, um sich neben dem Alltagsgeschäft mit weiterführenden Themen wie Qualitätsmanagement etc. überhaupt auseinander setzen zu können. Solche Schulen werden in erster Linie verwaltet und nicht gestaltet. Wenn wir ernst genommen werden möchten, müssen wir entsprechend auftreten; und für diesen Auftritt braucht es eine professionelle Führung mit einem professionellen Managementsystem.
 

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