Die letzten 10 Jahre des VML im präsidialen Rückblick 

Präsidentinnen und Präsidenten beim Wort genommen

Jovita Tuor, 29.10.2013
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Franz Grimm, Brigitte Ricklin, Christine Bouvard Marty, Erich Zumstein

Die letzten 10 Jahre des VML im präsidialen Rückblick

Interviews: Jovita Tuor

Erich Zumstein

Was war damals ausschlaggebend, einen Verband für die Musikschulen des Kantons Luzern zu gründen?
MusikschulleiterInnen und MusiklehrerInnen verstanden sich als Einzelkämpfer und fühlten sich zu wenig unterstützt. Die Musikschulen mussten gegenüber ihren Ansprechpartnern Gemeinden und Kanton zwingend gestärkt werden. In der Schweiz gab es starke Vereinigungen, im Kanton Luzern gab es jedoch nichts Vergleichbares.

Hattet ihr Vorbilder?
Die Verantwortlichen im Kanton Aargau waren bei uns und stellten ihre Strukturen der zusammengeschlossenen Musikschulen vor. Diese Strukturen wollten wir damals auch. Aus diversen Gründen ging das nicht, weil nicht alle Luzerner Institutionen zusammengeschlossen werden konnten, sondern nur verantwortliche Personen, was ein Handicap in der Entwicklungsphase war.

Von wem erhieltet ihr Unterstützung?
Von niemandem. Wir hatten zwar gutwillige Leute, welche die Idee gut fanden aber noch zuwarten wollten, um dann später weiterzuschauen. Die Musikschulen des Seetals haben dann das Vorhaben aufgegleist und in einer Arbeitsgruppe die Gründung des Verbands vorbereitet.

Welche waren die ersten Aufgaben des Verbands?
Die ersten Aufgaben waren den Verband im Verbandsbetrieb zu festigen, ihn bekannt zu machen und ihn als Partner anzubieten. Parallel dazu wurde der Berufsauftrag zur Stärkung des Musiklehrerberufs definiert.

 

Christine Bouvard Marti

Die Hauptaufgabe war ohne Zweifel die kantonale Initiative. Welche Strategie hatte der Vorstand des VML, diese Initiative zu gewinnen?
Die Vernetzung auf verschiedensten Ebenen - innerhalb der Musik und der Bildungswelt. Wir pflegten regen Kontakt mit den Verbänden der Blasmusik und weiteren Musikverbänden, der Musiklehrpersonen, der Lehrerinnen und Lehrer und besonders auch mit den Politikerinnen und Politiker aus allen Fraktionen. Äusserst wertvoll war die enge Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Dienststelle Volksschulbildung (DVS) und dem Verband der Luzerner Gemeinden (VLG). So waren alle Beteiligten stets involviert, die einen mehr, die anderen weniger, aber alle waren immer im Prozess. Wir hatten klar formuliert, was wir wollten und dies dann immer wieder debattiert, um uns in einem tragbaren Konsens für alle zu finden.

Was war die grösste Herausforderung?
Grad dieser Konsens so zu erarbeiten, dass unser Ziel nicht verwässert wurde. Die Verbindlichkeit für den Bildungsauftrag, die Qualität sowie die personalrechtlichen Fragen waren für uns zentral. Die Sichtweisen darüber waren bei den verschiedenen Ansprechpartnern aber verschieden.

Schlussendlich zog das Initiativkomitee die Initiative zu Gunsten des Gegenvorschlags zurück. Welche Gründe waren für diesen Entscheid massgebend?
Im Verlauf des Prozesses haben wir im Gegenvorschlag, an welchem wir immer beteiligt waren, eine Arbeit gemacht, die das Ziel der Initiative erfüllte und bereits wichtige Ausarbeitungen enthielt. Dass alle dazu stehen konnten, von den Gemeinden über den Kanton bis hin zu den meisten politischen Parteien, war der erfolgversprechendste Weg.

Was wäre mit den Luzerner Musikschulen geschehen, wenn der Gegenvorschlag nicht angenommen worden wäre?
Das ist immer schwierig zu sagen. Sicher ist, dass wir in vielen Aspekten der Musikschulen so viele Gestaltungsformen, wie Musikschulen im Kanton hätten. Die Verbindung zur Bildung wäre nicht in diesem klaren Ausmass wie heute möglich und die Fragen über Finanzierung und Personalrecht blieben ungeklärt. Im Allgemeinen würden sich die Musikschulen sicher nicht so stark gemeinsam auf den Weg der Weiterentwicklung begeben können wie mit dieser Basis. Dieses Gesetz ist ein Meilenstein, doch es wird im Laufe der kommenden Jahre noch Weiterentwicklungen geben müssen.


Brigitte Riklin

Mit der Annahme des Gegenvorschlags war ein Meilenstein erreicht. Die Musikschulen wurden ins Erziehungsgesetz als Zusatzangebot aufgenommen.
Welche Pflichten standen dem Vorstand nach diesem Entscheid bevor?
Intensive Zusammenarbeit mit der Dienststelle Volksschulbildung, dem Musikschulbeauftragten und der Dienststelle Gymnasialbildung zur Umsetzung der Verordnung. Mitarbeit in der kantonalen Musikschulkommission durch unseren Vertreter in der Kommission. Die Positionierung des Verbandes innerhalb der neuen Partnerschaften definieren und die neuen Aufgaben zwischen Verband und neuen Partnern klären und aufteilen.

Wie wurde dieser Entscheid in den Luzerner Gemeinden aufgefasst?
Unterschiedlich. Einige hätten gerne mehr Regelungen durch den Kanton gewünscht, andere hätten am liebsten alles so gelassen wie es bis anhin war. Neuerungen sind immer auch mit Unsicherheiten verbunden und diese bringen eine gewisse Skepsis und Unruhe mit sich. Inzwischen hat sich alles ein wenig beruhigt und man ist gemeinsam unterwegs.

Die Teilnahme im Vorstand des Verbands ist freiwillig und wird nicht entschädigt. Gibt es nach wie vor MusikschulleiterInnen und PräsidentInnen, die gewillt sind, mitzudenken und mitzuarbeiten?
Bis anhin wurden immer Leute gefunden, die im Rahmen ihrer zeitlichen Möglichkeiten hervorragende Arbeit geleistet haben. Um jedoch die Planung und Koordination der Unterrichts- und Schulentwicklung an den kantonalen Musikschulen umsetzen zu können, müsste viel mehr Zeit investiert werden können. Das kann als Freiwilligenarbeit von einem Verbandsvorstand aber nicht verlangt und geleistet werden. Die Aufgaben des kantonalen Musikschulbeauftragten decken nur beschränkt die Bereiche der Unterrichts- und Schulentwicklung ab. Hier wäre in Zukunft die Anstellung von Fachpersonen verbunden mit einem Ausbau von Stellenprozenten notwendig. Längerfristig müsste dies im Interesse der Gemeinden und des Kantons liegen um die Qualitätsentwicklung der Musikschulen zu sichern.

 

Franz Grimm

Und welche Aufgaben stehen dem VML jetzt bevor?
Wir haben unsere Aufgaben des nächsten Jahres im Tätigkeitsprogramm an der GV aufgezeigt und bestätigen lassen. Mit Spannung warten wir auf die Vorschläge zum Instrumentalunterricht an Kantonsschulen. Da werden wir sicher Stellung nehmen, wie auch zum vorgeschlagenen Berufsauftrag für Musiklehrpersonen. Den eingeschlagenen Weg der Koordination der Weiterbildung verschiedener Partner gehört zu den dringenden Aufgaben, wie auch die Entwicklung von Konzepten für die Talentförderung.

Stehen in naher Zukunft Veränderungen bevor?
Das weiss ich nicht, unsererseits sind keine grossen Veränderungen geplant. Wir entwickeln uns weiter und verbessern uns hoffentlich, was zwangsläufig zu Veränderungen führt. Einzelne Themen nehmen wir neu auf. Wie schon gesagt, sind wir sehr gespannt, wie der Instrumentalunterricht an den Kantonsschulen künftig geführt wird.

Was wünscht der Präsident des VML für die Musikschulen der Zukunft?
Ich wünschte mir qualitativ gute und geführte Musikschulen, mit initiativem, bestens ausgebildetem Personal; Lernende, die regelmässig, fleissig und gut üben; unterstützende und geduldige Erziehungsberechtigte; Politiker, die sich der Wichtigkeit musikalischer Bildung bewusst sind und entsprechende Finanzen sprechen; zahlreiche, gute Ensembles mit vielen Interessierten und Vereine, die auf Qualität setzen.
«Es gibt noch viel zu tun, packen wir’s an!»