Schaffhausen verfügt über eine der fünf ältesten Musikschulen der Schweiz 

150 Jahre für die Musikalische Bildung

Niklaus Rüegg, 08.05.2014

Am 1. August 1864 errichtete der Schaffhauser Geschäftsmann Johann Conrad Im Thurn eine Stiftung zur Förderung der «ästhetischen und wissenschaftlichen Bildung der Jugend». 150 Jahre später sind der Pioniergeist und das visionäre Wirken dieser schillernden Persönlichkeit noch immer präsent.

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Seit acht Jahren ist Esther Herrmann Herrin im Hause MKS.
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Das Inthurneum am Herrenacker 1867

Schaffhausen verfügt über eine der fünf ältesten Musikschulen der Schweiz

Niklaus Rüegg – Die Musikschule Konservatorium Schaffhausen MKS – das «Konservatorium» existiert seit zwölf Jahren nur noch im Namen – darf sich seit diesem Jahr zur exklusiven Gruppe der 150-jährigen musikalischen Bildungsinstitutionen dieses Landes zählen. Schaffhausen ist damit auf Augenhöhe mit Luzern, Zug, Genf und Basel. Aus dem Jahr 1864 datiert zwar genau genommen nicht der Start der Musikschule sondern die Gründung der Imthurnstiftung. Der Musikunterricht wurde erst zwei Jahre später aufgenommen, die Einweihung des «Imthurneums» erfolgte gar erst Anfang des Jahres 1867. Das Gebäude beherbergte das Stadttheater und die Musikschule.

Aufstieg und Fall eines Stifters
Leben und Wirken des Stiftungsvaters Johann Conrad Im Thurn ist eine typische Gründerzeit-Geschichte. Das Adels- und Patriziergeschlecht wurde in der Stadtchronik von Schaffhausen im Jahr 1106 erstmals erwähnt. 1386 starben einige Im Thurns auf dem Schlachtfeld zu Sempach. Johann Conrad brachte es als Kaufmann in England schnell zu Reichtum und schenkte seiner Heimatstadt die «Imthurnstiftung», deren Reglement bis heute das Wirken der Musikschule mitbestimmt. Im Thurns Vision war eine umfassende Förderung aller Bildungsbereiche der Jugend mit einem deutlichen Schwerpunkt bei der musikalischen Bildung. Dieses Vorhaben ist ihm geglückt. Die Schule steht seit 2006 an der Rosengasse, keine 200 Meter vom ursprünglichen Standort entfernt. In jedem Winkel dieses altehrwürdigen Schulgebäudes ist ein besonderer Geist spürbar und eine starke Bildungstradition allgegenwärtig. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der inzwischen verarmte Geschäftsmann an einem unbekannten Ort. Doch sein Einsatz für die Bildung seiner Heimatstadt lebt fort.
Noch immer gilt der Grundsatz der Imthurnstiftung, wonach die Stadt verpflichtet sei, der Musikschule unentgeltlich ein neues Domizil zur Verfügung zu stellen, sobald das Imthurneum seinen Zweck nicht mehr erfüllt. Einige Aufgaben wurden inzwischen an die «Werner-Amsler-Stiftung» übertragen. Werner Amsler hatte Cellounterricht an der Musikschule. In seinem Testament fand sich später die Bestimmung nach "Förderung der künstlerischen Bildung und Ausbildung sowie kultureller Aktivitäten, namentlich im Bereich der Musik". Der Stiftungsrat beschloss, fortan die Hypotheken für das Musikschulgebäude zu übernehmen.
Unter dem Dach an der Rosengasse sind zwei Konzertsäle nach den beiden Wohltätern benannt.

Tradition und Gegenwart
1946 musste die Musikschule das baufällige Imthurneum verlassen und zog an die Münstergasse um. 1956 wurde das neue Stadttheater eingeweiht. Vom ehrwürdigen Imthurneum blieb allein der kuppelartige Zuschauerraum erhalten. 1965 wechselte die Musikschule an den Pfarrweg, 1978 an die Rosengasse 16, das benachbarte Haus des heutigen Domizils Rosengasse 26. Hier zog man im Jahr 2006 ein. Gleichzeitig übernahm Esther Herrmann die Leitung.
Bereits 1986 gab sich der Kanton ein Musikschulgesetz. Darin sind Zweck und Subventionsbedingungen festgelegt. Anerkannte Musikschulen werden vom Kanton und von den Gemeinden mit je 27.5 Prozent subventioniert.
1999 wurde der Ausstieg aus der Berufsausbildung beschlossen. Das Konservatorium Schaffhausen war viel zu klein und um als Hochschule anerkannt zu werden und wurde 2002 mit den letzten Absolventen aufgelöst. Heute werden an der Schule 1450 Lernende von 70 Lehrpersonen in 30 Fächern unterrichtet. In rund 20 Gemeinden wird zudem dezentral unterrichtet. Neben dem Einzelunterricht wird in über 20 Ensembles und Bands musiziert. Die Singschule ist mit 220 Lernenden ein Juwel der MKS. Sie wurde 1978 von Edwin Villiger gegründet und steht heute unter der Leitung von Hans-Jörg Ganz. Ihm stehen sechs weitere Lehrpersonen für Chorleitung und Stimmbildung zur Seite. In Kleingruppen, im Chor und in der Gruppen- und Einzelstimmbildung erhalten die Kinder und Jugendlichen eine intensive stimmliche und musikalische Ausbildung. Diesen Sommer/Herbst geht die Singschule auf Tournee in Polen. In der Orchesterschule sind sieben Lehrpersonen in acht Formation tätig, die je nach Projekt zusammengefasst werden. Die Projekte von Singschule und Orchesterschule werden durch spezielle Sponsoringverträge ermöglicht.
Die finanzielle Situation der Schule ist heute angespannt. Im letzten Jahr wurde eine Abstimmung über geplante Subventionskürzungen zum Glück hauchdünn gewonnen, denn schon in der aktuellen Situation sieht Schulleiterin Herrmann bei den Finanzen so gut wie keinen Spielraum.

Drei Tage Feierlaune
Vom Donnerstag, 22. bis Samstag, 24. Mai herrscht in Schaffhausen ein musikalischer Ausnahmezustand. An acht Konzertorten sternförmig rund um den Herrenacker finden, zum Teil im Fünfzehnminutenabstand, von morgens bis abends Konzert-, Tanz- und Theaterveranstaltungen statt. Gegen 750 Mitwirkende – Schülerinnen, Schüler und Ehemalige der MKS, Lehrpersonen und Freunde aus andern Kultursparten – werden sich produzieren. Den Auftakt macht das Eröffnungskonzert im Stadttheater mit der «Imthurn-Suite», eine Auftragskomposition von Daniel Glaus, gefolgt von der Uraufführung «Feuer und Flamme» von Geri Zumbrunn durch die Singschule. Das Fest endet Samstagnacht mit einer Jam Session im Haberhauskeller.

Jubiläumsprogramm unter www.mksh.ch
 

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Die gediegene Residenz der Schaffhauser Musikschule an der Rosengasse.

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