Risikofaktoren für Burnout bei Lehrpersonen. 

Rechtzeitig handeln kann Krankheiten vorbeugen

Niklaus Rüegg, 29.11.2014

Psychisch bedingte Erkrankungen gibt es in allen Berufsgattungen. Auch Musiklehrpersonen sind davor nicht gefeit. Der VMS hat im Rahmen seines Konzepts Berufliches Gesundheitsmanagement zu diesem Thema zum fünften Mal ein Symposium organisiert.

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Jodok Koblet im Gespräch mit Daniel Göring, Monika Trinkl, Franz Grimm und Marco Caimi (v.l.).

Risikofaktoren für Burnout bei Lehrpersonen.

Niklaus Rüegg – Der VMS hat mit der Pensionskasse Musik und Bildung sowie der Firma active care 2008 das Konzept Berufliches Gesundheitsmanagement (BGM) lanciert. Die im VMS eingebundenen Musikschulen werden bei ihren Bemühungen, die Gesundheit ihrer Arbeitnehmenden zu schützen und zu fördern, unterstützt. Es werden ihnen gleichzeitig spezifische Instrumente im
Bereich des Absenzmanagements und des Case Managements zur Verfügung gestellt, die bei längeren Arbeitsunterbrüchen die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit und die gezielte Wieder-eingliederung gewährleisten.
Musiker haben ein spezielles Risikoprofil, da sie oft mehrfach beschäftigt, mit unregelmässigen Beschäftigungsbedingungen konfrontiert und als Instrumentallehrer an Musikschulen Pensenschwankungen ausgesetzt sind. Immer öfter führen zum Beispiel Existenzängste zu Erschöpfungsdepressionen oder Burnoutsyndromen, welche nicht nur für die Betroffenen mitunter folgenschwere Zäsuren in Berufs- und Privatleben bedeuten. Auch die Wirtschaft muss bluten: Bis zu sechs Milliarden Franken jährlich entgehen Unternehmen wegen psychisch bedingter Krankheiten.

Musikschulen haben Bedarf erkannt
Eine Erkrankung einer Lehrperson zeichnet sich oft durch eine Häufung von Absenzen ab. Um solche Tendenzen frühzeitig zu erkennen, bietet active care ein Absenzenkontrollsystem an. Im Fall einer Erkrankung kann innerhalb kurzer Zeit das «Case Management» aktiviert werden und dem Patienten wird eine speziell ausgebildete Betreuungsperson zur Seite gestellt. Martin Brunner von active care hat in den letzten Jahren bereits rund 300 Musikschulen besucht und das Modell Berufliches Gesundheitsmanagement für Musikschulen vorgestellt. 135 Schulen mit 5300 Lehrpersonen machen bereits mit. Mehr als 50 Lehrpersonen konnte bisher durch das Case Management geholfen werden. Das BGM ist für Musikschulen kostenlos. Es wird durch den VMS und die Pensionskasse Musik und Bildung getragen.

Wenn nichts mehr geht
Der Journalist Daniel Göring berichtete in seinem Referat über seine Erschöpfungsdepression und die Therapie, die ihn zurück ins Leben und in die Gesellschaft führte. In seinem autobiographischen Buch «Der Hund mit dem Frisbee» zeigt er am Beispiel seiner Leidensgeschichte, dass die Krankheit heilbar ist und dass es Hoffnung auf ein Leben nach der Depression gibt. Göring betonte, dass diese Krankheit jeden und in jedem Alter treffen könne. Man müsse darüber reden und vor allem frühzeitig etwas dagegen tun. Er selbst hatte diesen Zeitpunkt verpasst und glaubte am Ende keinen andern Ausweg mehr zu sehen, als sich das Leben zu nehmen.
Der Arzt Marco Caimi entwarf auf unterhaltsame Weise ein Bild der heutigen Gesellschaft zwischen schädlichen Gewohnheiten, Über- und Unterforderung, Stress in Paarbeziehungen und Beruf, mangelnder Bewegung, krankmachender Ernährung und fehlender sozialer Bindung. Anfang dieses Jahres hat Caimi eine Männerpraxis in Basel eröffnet: «Männer spüren sich nicht und können sich lange täuschen». Diese typisch männlichen Eigenschaften führen nicht selten zu latenten Depressionen, die lange unterdrückt werden, oft bis es zu spät ist. Caimi setzt sich ein für die richtige «Work-Love-Balance». Im Leben müsse immer ein «Flow» angestrebt werden. Das sein die beste Burnout-Prophylaxe.

Reden darüber und Vorurteile abbauen
In der abschliessenden Diskussion unter der gewandten Leitung von Jodok Kobelt erhielt man Einsicht in die Praxis des Case Managements (Monika Trinkl), erfuhr von einem Schulleiter (Franz Grimm), wie das Case Management an seiner Schule angewandt wurde. Die Rückkehr an den Arbeitsplatz sei nicht einfach. Das Stigma des psychisch Kranken spiele leider immer noch eine gewisse Rolle. Es gebe Eltern, die deswegen einen Lehrerwechsel verlangen. Daniel Göring musste «hart an sich arbeiten und Verhaltensmuster ändern». Falls es aber der Arbeitsplatz sei, der krank macht und man kehrt wieder dahin zurück, sei der Rückfall vorprogrammiert. Eine Sensibilisierung beim Erkennen von gefährdeten Kollegen an einer Schule sei angezeigt, doch soll dies nicht zu einer Gesundheitspolizei führen, betonte Marco Caimi.
 

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