Auch ältere Menschen haben ein Recht auf Musikalische Bildung. 

Fortschritte sind in jedem Alter möglich

Niklaus Rüegg, 29.11.2014

Die Jugend geniesst an den Musikschulen – im Gegensatz zur älteren und alten Generation – ein reichhaltiges musikalisches Bildungsangebot. Die Alten werden jetzt als Geschäftszweig mit Potential erkannt.

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Musiklehrpersonen proben das Alterssingen.

Auch ältere Menschen haben ein Recht auf Musikalische Bildung.

Niklaus Rüegg – Das Symposium «Musizieren im Alter», organisiert von der Musikmedizinischen Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Interpretenstiftung brachte es ans Licht: Die älteren Menschen wollen musizieren. Viele ältere bis hochaltrige Anfänger oder Wiedereinsteiger wollen sich unterrichten lassen, doch sie finden keine passenden Unterrichtsangebote. Gleichzeitig fehlen Weiterbildungsangebote für Lehrpersonen, die sich in «Musikgeragogik» (Musikpädagogik für ältere Menschen) weiterbilden wollen. Schon die stattliche Zahl der Teilnehmenden des Symposiums am 25. Oktober an der HKB Bern deutete darauf hin, dass da etwas am Gären ist. Die Forschung der musikalischen Alterspädagogik ist nicht untätig: An der HKB Bern wird neu das CAS «Musikalisches Lernen im Alter» angeboten. In Deutschland ist die Fachhochschule Münster führend auf dem Gebiet. Die Musikschulen täten gut daran, sich um die Alten zu kümmern, denn sie stellen ein bis anhin weitgehend missachtetes Geschäftsfeld dar. Professor Eberhard Seifert, leitender Arzt Phoniatrie Universitäts-HNO-Klinik, Inselspital Bern brachte es am Schluss der Veranstaltung auf den Punkt, in dem er die Musiklehrer dieses Landes dazu aufforderte, sich musikgeragogisch weiterzubilden und sich dieser musikalisch vernachlässigten Bevölkerungsgruppe zuzuwenden: «Die Musikschulen könnten in den Morgen- und Nachmittagsstunden ihre verwaisten Musikzimmer mit hochengagierten musikalischen Senioren füllen, die sich von kompetenten Lehrpersonen zu Vollkosten-Preisen ausbilden lassen.»

«Use it or lose it»
Der neunzigjährige Pablo Casals soll auf die Frage eines Studenten, warum er immer noch so viel übe, erwidert haben: «Weil ich den Eindruck habe, ich mache Fortschritte». In der Tat gilt inzwischen sowohl von medizinisch-neurologischer als auch von pädagogischer Seite als erwiesen, dass auch ältere und hochaltrige Musiklernende noch auf einen grünen Zweig kommen können. Dr. med. Maria Schuppert, Professorin für Musikergesundheit an der Musikhochschule Detmold betonte, dass Muskeln und Bandapparat – unter Berücksichtigung altersbedingter Einschränkungen – auch im Alter trainierbar seien, ebenso Koordination, Körperwahrnehmung und Stimme: «Im Alter gibt es nicht nur Abbau, auch Anbau ist möglich».
Aus neurologischer Sicht gibt es noch weniger Bedenken. Lutz Jäncke, Professor für Neuropsychologie in Zürich, betonte, dass Fortschritte ebenso möglich seien wie in der Jugend. Die alte Vorstellung des mit dem Altern verbundenen schnellen Verlustes geistiger Fähigkeiten muss auf Grund neuerer Erkenntnisse revidiert werden: «Die Mehrzahl der älteren Menschen bleiben kognitiv zumindest stabil». Die Hirnfunktionen und die neuronalen Vernetzungen verändern sich bei einem Siebzigjährigen Klavierschüler genau gleich wie bei den Jungen. Die Hirnplastizität bleibt also bis ins Alter erhalten: «Das Problem ist nicht der Abbau des Gehirns, sondern der Nichtgebrauch».

Ermöglichungsdidaktik
Hans Hermann Wickel, Professor für Sozialwesen an der Fachhochschule Münster, hob die Besonderheiten der Musikgeragogik hervor: Der Unterricht für alte Menschen müsse idealerweise «generationsübergreifend, kultur- und gendersensibel» gestaltet werden. Die individuelle Lebensgeschichte des alten Menschen spielt dabei eine wichtige Rolle. Individuelle Bedürfnisse und Ressourcen müssen berücksichtigt werden. Der Dialog bekommt im Unterricht mehr Raum. Lernerfahrungen der Vergangenheit wirken prägend fort und werden mit einbezogen. Der alte Schüler weiss oft genau, was er will. Die Lehrperson sollte deshalb nicht alles «besser wissen», sondern Lernen ermöglichen und nicht verordnen. Dabei bleibt die Autonomie und Würde des Lernenden gewahrt. Schlussendlich geht es um Lebensqualität, kulturelle und soziale Einbindung und Teilhabe.

Weiterbildungsangebote in musikalischer Alterspädagogik:

➢ Fachhochschule Münster: Musik mit alten Menschen - Zertifikatskurs Musikgeragogik - Kurs 16
https://www.fh-muenster.de/fb10/termine/kataloge_kalender/weiterbildungskatalog.php?wkid=1597&year=2014

➢ HKB Bern: CAS Musikalisches Lernen im Alter
http://www.hkb.bfh.ch/de/weiterbildung/musik/musikpaedagogik/cas-musikalisches-lernen-im-alter/

 

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