Warum Klänge berühren 

Sun – Resun

Tina Deplazes, 13.10.2015

In ihrer Masterthesis zur Erlangung des «Master of Advanced Studies in Musikmanagement» hat sich die Pianistin Tina Deplazes eingehend mit der Untersuchung von Klangfragen auseinandergesetzt. Sie beschäftigt sich mit dem sogenannten natürlichen, lebendigen und nachhaltigen Klang – geprägt von der Persönlichkeit, welche den Ton kreiert und klingen lässt. In einer CD demonstriert sie gleich selbst, was sie darunter versteht.

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Das Geheimnis des Berührtseins von Klängen

Warum Klänge berühren

Tina Deplazes – Vor über 15 Jahren habe ich mich bereits im Zusammenhang mit meinen Weiterbildungsstudien in New York unter anderem intensiv mit der Klang- und Resonanzfrage auseinandergesetzt.

Mit dieser Masterthesis habe ich mir sozusagen den Luxus geleistet, mich auf eine reflektierende und umschreibende Art und Weise mit grossen Fragen zum Klang und dessen Resonanz in Raum und Zeit auf sehr persönliche und

phänomenologische Weise zu nähern. Berührungspunkte ergaben sich mit verschiedenen künstlerischen und wissenschaftlichen Nachbardisziplinen beispielsweise durch spannende Performance- Experimente oder mit Hilfe von philosophischen Betrachtungen, welche schlussendlich in neue Ansätze für das Musikmanagement münden.

 

Der berührende Klang

Es ist eine bestimmte Qualität von «Klang», welcher mich seit frühester Kindheit fasziniert. Wie kommt es, dass mich ein Klang berührt und ein anderer nicht? Was bleibt und schwingt als Resonanz und dann als verankerte, transformierte Erinnerung «nachhaltig» in mir, in meinem Gedächtnis, in meinem Geiste und in meinen Ohren oder gar im Herzen nach? Welche Faktoren kann ich als Musikerin, Zuhörerin oder als Komponistin prägen, mitbeeinflussen, kreieren? Welcher Teil ist «Zu-Fall», Gunst oder Missgunst des Raumes und der Zeit? Inwiefern werde ich als Akteurin am Musikinstrument zum Instrument, kann den Klang zulassen, geschehen lassen und werde somit Teil eines Ganzen?

Die künstlerische Masterthesis hat nicht den Anspruch, alle wissenschaftlichen

Aspekte in diesem Darstellungsformat abdecken zu können. Doch wenn wissenschaftliches Arbeiten ernst genommen wird, muss die Untersuchung von vorerst nicht messbaren Phänomenen gewagt werden. Dieses Sammeln von Daten und unzähligen, persönlichen Erfahrungen und Gesprächen versteht und präsentiert sich selbst schlussendlich als erkenntnisreiche Palette für die Wissenschaft, welche von diesen Daten profitiert und sich dann «sachlich» davon bedient. Das romanische Wort «sun» wird in die deutsche Sprache übersetzt mit: «Klang, Ton» (aus: «Niev vocabulari romontsch sursilvan-tudestg», Neues raetoromanisches Wörterbuch Surselvisch-Deutsch, Alexi Decurtins, S. 1060, Herausgeber: Legat Anton Cadonau, Societad Retorumantscha, Verein für Bündner Kulturforschung, 2001)

Ebenfalls kann das romanische Wort «resun» auch mit «Klang» übersetzt werden,

jedoch auch mit Wieder-Klang.

Die gewagte Frage, welche Klänge in welchem Zusammenhang berühren können oder berührt haben, wird mich und unbewusst und bewusst hoffentlich auch viele andere Künstlerinnen und Künstler bewegen und in Bewegung halten.

 

Statistik mit Lücken

Der Fragebogen, der Austausch mit anderen Musikerinnen und Musikern, die

Fachlektüre und die ständige Reflexion im Alltag über Resonanz des Alltagsklanges einer Stimme, eines Raumes, eines Instrumentes oder auch der Wortwahl erweitern die Palette der ansonsten in dieser Arbeit auf den Flügelklang konzentrierten Aspekte. Die Statistik bringt Aussagen, doch die Kraft, welche hinter diesen Zahlen steckt, hat auf keinen Fall den Anspruch, die Qualität des inneren Berührtseins hiermit genau einordnen und bewerten zu können.

Dort ist bekannterweise die Lücke in jeder Statistik, welche zum Nachdenken

anregen kann. Die Auseinandersetzung damit lässt in der Praxis mit diesen

Experimenten, Recherchen und neuen Erkenntnissen zumindest hoffen, dass auch

unerklärliche Phänomene in der Wissenschaft Beachtung finden, um ein ganzheitliches Wissen vertiefen zu können. Was haben all diese Reflexionen mit dem sogenannten natürlichen, lebendigen und nachhaltigen Klang zu tun, welchem hier in der fokussierten Weise viel Raum gegeben wird?

Aus unzähligen Recherchen der Naturwissenschaften, der Psychologie und der Kunst ist es allgemein bekannt, dass es grösstenteils die kleinen, nicht auf allen Ebenen nachweisbaren, jedoch ganzheitlich wahrnehmbaren Unterschiede sind bei Naturphänomenen, menschlichen Verhaltensweisen oder bei Kunstwerken,

welche uns zur Betroffenheit anregen, uns zum Staunen bringen können. In diesem Sinne ist diese Masterthesis für mich ein Meilenstein für die vielen Jahre, welche ich mit meinen und anderen Klängen und Zusammenklängen bereits verbracht habe. Für weitere Experimente bin ich offen: konkret oder abstrakt – mit einem Inhalt, der in sich einen Sinn ergibt und einen oder mehrere Sinne anspricht und im idealen Falle berühren und kann.

Die echte Schönheit eines Tones ist geprägt von der Persönlichkeit, welche den Ton kreiert und rdevoll und tragfähig klingen lässt mit seiner eigenen Aussage – sei dies in einem wirklich lauten Fortissimo oder in einem beinahe nur zu erahnenden ppppp-Pianissimo.

Auch die futuristischen Klänge und Klangkompositionen haben ihre Herkunft und ihren Ursprung in den schlichten Klängen, welche alle Menschen und Wesen auf der einen oder anderen Ebene erreichen und bewusst oder unbewusst von diesen wahrgenommen werden können.

Es freut mich ausserordentlich, dass mein sehr spezifisches Klangthema in den

verschiedensten Bereichen und Ecken der Gesellschaft und Landschaft Anklang und wertschätzende Resonanz erhält. Dies spornt mich mit meiner individuellen Arbeitsweise weiterhin an, diese Konzepte im Kleinen und im Grossen weiterzuentwickeln und vor allem auch im Alltag in der Klangarbeit als etwas Besonderes zu erfahren. Klingen Resonanzen zu meiner täglichen Arbeit mit Klängen – unabhängig von dieser Masterthesis – folgendermassen: «Ihre Musik hat mich sehr berührt und die farbigen Klänge haben mich inspiriert», ist dies für mich Auszeichnung und Ansporn zugleich.

 

Die Masterthesis und die dazugehörende DVD kann für je 30.- bei Tina Deplazes per Mailbestellung, sounds@tinadeplazes.ch, erworben werden.


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