Symposium Stress und Musizieren 

Kampf statt Flucht

Niklaus Rüegg, 10.11.2015

Lampenfieber kommt nicht von ungefähr. Es gibt sowohl Gründe dafür als auch Therapien dagegen. Am Symposium der Gesellschaft für Musikmedizin SMM am 24. Oktober in Basel war vor allem von Letzterem die Rede.

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Stimmungsvoller Auftakt zu einem reich befrachteten musikmedizinischen Seminar.

Symposium Stress und Musizieren

Niklaus Rüegg – «Das Wort «Stress» ist kaum 100 Jahre alt. Vorher redete man von Angst», schickte die Psychologin Martina Berchtold-Neumann einleitend voraus. Nach WHO haben 70 Prozent aller Krankheiten seelischen Stress als Ursache. So gesehen, ist Musizieren unter Stress oder Angst höchst ungesund. Der prähistorische Mensch hatte bei Angst zwei Möglichkeit: kämpfen oder fliehen. Der Musiker hat keine Wahl, er muss kämpfen.

Man spielt, wie man übt
«Angst haben vor Fehlern begünstigt die Entwicklung von Lampenfieber», betonte Adina Mornell, Pianistin und Musikpsychologin, und veranschaulichte die wichtigsten Fehler bei der Vorbereitung auf einen Auftritt. Das Automatisieren kann die Inspiration töten, beim Üben «schwieriger Stellen» übt man in Wirklichkeit die Angst vor Schwierigkeiten. Stattdessen sollte variabel geübt werden, indem man den Fokus mehrmals ändert und das Stück immer wieder neu wahrnimmt. Erfolgserlebnisse generiert man beim Üben durch kurzfristig erreichbare Teilziele, zum Beispiel indem man Schwierigkeiten einbaut, damit es nachher umso einfacher geht. Mit Spass am Üben beugt man dem Lampenfieber vor. Aber auch die Vorstellung davon, gut und erfolgreich zu sein muss geübt werden. Dazu gehört auch das Üben des Vorspiels.

Handwerk ist Voraussetzung
Sich nicht, oder schlecht vorbereitet Auftrittssituationen auszusetzen, führt unweigerlich zu Angst. Der Musikphysiologe Horst Hildebrandt nennt als einen Hauptstressor das fehlende Bühnenhandwerk. Beherrscht man dieses in angemessener Weise, hat man richtig geübt, sich mental vorbereitet und leidet noch immer unter Lampenfieber, so kann man die Stressoren durch mentales Training und Körperübungen stufenweise desensibilisieren.
Hildebrandt unterscheidet drei Ängstlichkeitsstufen, deren subjektive Wahrnehmung der Betroffenen sehr unterschiedlich sein können. Während die einen Zittern und Schwitzen als Lampenfieber empfinden, sind das für andere normale Begleiterscheinungen.

Grenzen zur Krankheit
Der Kardiologe Sebastian Keber wies auf die mitunter bedeutsamen Belastungen des Herz-Kreislaufsystems bei Musikern hin. Gerade Veränderungen beim Blutdruck oder eine Herzleistungsschwäche können bedrohlich sein. Auf der Therapieseite empfiehlt der Mediziner medikamentöse Symptombehandlung, etwa durch Betablocker oder ACE-Hemmer. Der Psychologe Victor Candia untersuchte die Auswirkungen von psychologischem Stress bei Bühnenauftritten auf die Verbindung von Bewegung und Empfindung. Ein hoher Bio-psycho-sozialer Stress kann langsamere und unkoordinierte Bewegungen, verminderte Beweglichkeit, mangelnde Kraftkontrolle bis hin zur Bewegungsstarre bewirken. Im Zustand der Überregung stören irrelevante Gedanken und der Überwachungsdruck behindert die eingeübten expliziten Bewegungen.

Therapieformen
Die Psychotherapeutin Ines Schweizer wartete in ihrem Workshop «Keine Angst vor Lampenfieber» mit einer ganzen Reihe an praktischen Massnahmen auf, ohne jedoch auf Ursächlichkeiten einzugehen. Im Workshop «Wer brennt, brennt nicht aus» der Psychologin und Hypnosetherapeutin Martina Berchtold-Neumann ging es praktisch zur Sache. Die Teilnehmenden erarbeiteten ihr eigenes Risikoprofil unter Berücksichtigung ihrer spezifischen individuellen, emotionalen, intellektuellen und verhaltensbezogenen Besonderheiten. Sehr gut kam die abschliessende Versetzung in eine Trance an, in der Lösungsansätze auf der Ebene des Unbewussten angesteuert wurden.

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