Unterrichtspraxis in der digitalen Entwicklung  

Musikschulen und Digitalisierung

Niklaus Rüegg, 16.02.2019

Digitale Medien im Unterricht sind an Volkschulen gang und gäbe. Doch welchen Stellenwert haben sie heute an den Musikschulen? In einer Masterarbeit wurde diese Thematik untersucht.

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Schülerinnen nutzen immer öfter digitale Hilfsmittel im Unterricht.

Niklaus Rüegg – Das Thema «digitale Medien» in der Musikschullandschaft ist in aller Munde, dennoch hat man das Gefühl, dass es bei den Musikschulen noch nicht überall so richtig angekommen ist. In seiner Masterthesis «Unterrichtspraxis in der digitalen Entwicklung» untersuchte Dennis Mungo, Absolvent des Weiterbildungsstudiengangs MAS Musikmanagement an der HKB Bern, nach Möglichkeiten, wie man die digitalen Medien in den Musikschulalltag integrieren könnte. Bei der Auseinandersetzung mit dem Thema tauchten bald grundsätzliche Fragen auf nach den notwendigen Voraussetzungen, der Infrastruktur und dem Nutzen digitaler Hilfsmittel im Unterricht und in der Unterrichtsvorbereitung. Nicht zuletzt stellte er sich auch die Frage nach der Zukunft des Instrumental- oder Vokalunterricht im Allgemeinen.

Herr Mungo, die Volksschulen sind beim Einsatz digitaler Unterrichtshilfen viel weiter als die Musikschulen. Woran liegt das?
Ja, aber der Einzug der digitalen Medien findet immer mehr auch in den Musikschulen statt. Natürlich geschieht dies noch nicht flächendeckend und es gibt grosse Unterschiede.

Welche Bedeutung haben digitale Hilfsmittel heute im Musikschulalltag?
Das ist sehr unterschiedlich. Mit der Frage, ob es Sinn mache, die digitalen Medien im Instrumental- und Vokalunterricht einzusetzen, ist man eigentlich schon mitten im Thema drin. Auch hier liegt es beim Lehrer zu entscheiden, wie viele digitale Medien für jeden einzelnen Schüler gut und förderlich sind. Mir gefällt das Wort Hilfsmittel sehr gut. Es weist darauf hin, dass die digitalen Medien als Unterstützung für den Unterricht und vor allem als Hilfe beim Üben zu Hause sehr nützlich sein können.

Wie kann man digitale Medien didaktisch gezielt in den Musikschulalltag integrieren?
Meiner Ansicht nach ist das die Kernfrage. Die Infrastruktur, die Programme und die Apps sind die Basis dazu. Meiner Meinung nach gibt es zwei wichtige Differenzierungspunkte: die digitalen Medien im Instrumental- und Vokal-Unterricht sowie die digitalen Medien als Unterstützung beim Üben zu Hause. Beim ersten Punkt unterscheide ich drei Methoden:

Im Unterricht
1. Die digitalen Medien als Ergänzung:
Sie werden im Unterricht als Abwechslung, Belohnung, oder als Motivator eingesetzt.
2. Die digitalen Medien als Erweiterung:
Sie haben Gewicht im Unterricht, werden aufbauend eingesetzt und erfüllen eine oder mehrere didaktische Aufgaben.
3. Die digitalen Medien als Schwerpunkt:
Hier stehen sie im Zentrum des Unterrichtsaufbaus.

Zuhause
1. Filmen des Unterrichts:
Aufzeichnen kleinerer Sequenzen (Einverständnis der Eltern und der Schüler vorausgesetzt).
2. Austausch mit dem Lehrer:
Rückfragen bei Problemen.
3. Kontakt und Austausch zwischen den Schülern:
Austausch über eine internetbasierte Plattform.
4. Üben mit Apps oder Programmen:
Der Lehrer gibt dem Schüler Aufgaben mit, die er mithilfe von Apps oder Programmen selber zu Hause üben kann.

Worin sehen Sie den Vorteil des Einbezugs digitaler Medien im Unterricht?
Ich glaube einer der Hauptvorteile ist das Festhalten von Informationen für zu Hause. Der Schüler kann die Erklärungen des Lehrers immer wieder anschauen und somit die Tipps und Hinweise jederzeit abrufen. Zudem können die digitalen Medien für Abwechslung im Unterricht sorgen und zur Motivation beim Üben beitragen. Alle diese Punkte können auch für die Instrumental- und Vokallehrer ein grosser Vorteil und eine Zeitersparnis sein.

Gibt es mehr oder weniger «digital-affine» Fächer?
Ich glaube es wäre falsch, kategorisch zu sagen hier nicht und da schon.
Schlussendlich soll der Lehrer selber entscheiden, ob es für ihn Sinn macht oder nicht.

Ist der Musikunterricht vielleicht eine grundsätzlich «analoge» Tätigkeit?
Das glaube ich nicht, denn sonst würden alle die Plattformen, die den Musikunterricht über das Internet anbieten, gar nicht existieren. Oder mindestens keinen Erfolg haben. Und das ist definitiv nicht der Fall. Selbstverständlich ist die «analoge Tätigkeit», ich nenne es «traditioneller Instrumental- und Vokalunterricht», immer noch ein sehr guter Weg. Meiner Meinung nach ist die Mischung zwischen den beiden Welten die beste Lösung für einen zukunftsorientierten, innovativen und zeitgemässen Unterricht.

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