Die Allgemeine Musikschule Oberwallis als Gegenstand einer Masterarbeit 

Gesamtschau einer Organisationsentwicklung

Niklaus Rüegg, 24.04.2019

In seiner Diplomarbeit des Studiengangs MAS Musikmanagement an der Hochschule der Künste Bern zeichnet Amadé Schnyder das Bild einer Schule im Wandel.

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Der Autor Amadé Schnyder an der VMS-März-DV umrahmt von Thomas Saxer (links) und Thierry Debons, Gaspard Buma (rechts)

Niklaus Rüegg – Seit 40 Jahren ist der Autor mit der AMO eng verbunden, am Anfang als Schüler, dann als Lehrer und seit 2014 als Schulleiter. Unter dem Titel «Die Allgemeine Musikschule Oberwallis – Zwischen gestern und morgen, zwischen Innovation und Kontinuität» schlägt Schnyder einen weiten Bogen von der Gründung der Schule im Jahr 1964 bis ins Heute. Wichtige Schritte waren in den letzten Jahren die Harmonisierung der Walliser Schulen, die Gründung eines Kantonalverbands und die Implementierung eines Rahmenlehrplans (HRLP). Die Umsetzungen der staatlichen Vorgaben zur Führung einer Musikschule nehmen im Wallis einen entscheidenden Stellenwert ein. Schnyder
begleitet und reflektiert die Veränderungsprozesse in der Organisationsentwicklung seiner Schule anhand wissenschaftlicher Methoden und lässt seine Institution zum Zweck der Optimierung von der Beratungsfirma HERZKA durchleuchten.

Geschichte einer Organisation
Zu Beginn der Arbeit führt Schnyder die theoretischen Grundlagen ein, auf die er sich in seiner geschichtlichen Aufarbeitung der Schule stützt. Dies sind die vier Entwicklungsphasen einer Organisation nach Friedrich Glasl, die Pionierphase, die Differenzierungsphase, die Integrations- und die Assoziationsphase. Diese Entwicklungsphasen stellt er in Beziehung zu den sieben Wesenselementen einer Organisation (ebenfalls Glasl). Jeder Schulleiter (Schnyder ist nach Armand Zenhäusern, Paul Halter und Bruno Andreas Zenhäusern erst der vierte Schulleiter in der Geschichte der AMO) ist demnach Teil dieses Prozesses und entwickelt die Organisation entsprechend den äusseren und inneren Gegebenheiten seiner Zeit weiter. Gemäss Schnyders Analyse, handelt es sich bei der AMO um eine offene und dynamische Organisation.
Diese wissenschaftlich aufgearbeitete Schulgeschichte hätte allein schon eine Masterarbeit ergeben, doch Schnyders Hauptthema beginnt erst jetzt, nämlich die Organisationsentwicklung der AMO nach 2009.

Kanton gibt den Anstoss
Vor rund zehn Jahren animierte der Kanton Wallis die drei Musikschulen des Kantons (die AMO, das Conservatoire Cantonal, CC in Sitten und die École de Jazz et Musique
Actuelle-Valais, EJMA-VS-Valais) zur Zusammenarbeit und gab bekannt, die finanzielle Unterstützung an die anerkannten Institutionen vereinheitlichen zu wollen. Im Jahr 2009 gab der Walliser Staatsrat eine Bestandesaufnahme der musikalischen Bildung in Auftrag. Die Berichte von 2010 und 2011 bildeten die Ausgangslage für die Harmonisierung der Walliser Musikschulen. Trotz der geringen Anzahl an Schulen erschien dieses Unterfangen aufgrund der unterschiedlichen Sprache und Mentalität im Ober- und Unterwallis sowie der grundsätzlich verschiedenen Angebotsstrukturen nicht ganz einfach. Die Oberwalliser hatten zu Beginn einige Mühe, sich gegen die Unterwalliser Mehrheit durchzusetzten und ihre deutschschweizerisch geprägte Kultur zu verteidigen. Die Gründung des Kantonalverbands 2012 führte sodann zu einem geschlossenen Auftreten gegen aussen und der Beitritt zum VMS war hilfreich bei der Harmonisierung.
Ende 2012 beschlossen die anerkannten Walliser Musikschulen die Einführung eines «Harmonisierten Rahmenlehrplans» HRLP (Elaboration d’un Plan d’Etudes Cadre), ein Projekt, das für die ganze Schweiz beispielgebend werden könnte.
In Schnyders Analyse befindet sich die AMO 2018 gleichzeitig in drei verschiedenen Phasen, vor allem jedoch in der Differenzierungsphase: Die Musikschule wird strategisch neu ausgerichtet, rational durchkonstruiert, den kantonalen Vorgaben angepasst und transparent gemacht. Zur Integrationsphase gehören Merkmale wie Mitsprachemöglichkeit, Hilfestellung, Teamarbeit bei den Mitarbeitenden und die Erarbeitung eines neuen Leitbildes. Der Assoziationsphase gehören Themen an, wie
die Zusammenarbeit mit Oberwalliser Institutionen, die Harmonisierung mit dem CC und der EJMA-VS in der Umsetzung der kantonalen Vorgaben.

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