Im Herbst geht die Leiterin der Musikschule Basel in Pension 

Pensionsgeflüster

Niklaus Rüegg, 25.06.2019

Etwas Neues anfangen ist ein Vorgang, den Anna Brugnoni in ihrem Leben immer wieder vollzogen hat. Das nahende Pensionsalter nimmt sie gelassen.

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Anna Brugnoni schätzt Tradition und Fortschritt gleichermassen.

Niklaus Rüegg – Unser Gespräch beginnt mit dem Thema Nr. 1 für demnächst Pensionierte: die Pensionskassen. Das Thema ist unerschöpflich und, wäre es für viele nicht von existenzieller Bedeutung, so interessant wie ein Glas Wasser. Deshalb wenden wir uns bald wichtigeren Themen zu. Anna Brugnoni kommt aus Aachen, hat an der Musikhochschule Hannover Gitarre studiert und kam um 1980 nach Basel, um bei Konrad Ragossnig das Solistendiplom zu machen. Bald begann sie an der hiesigen Musikschule zu unterrichten, spielte jahrelang das ganze Gitarrenrepertoire rauf und runter. «Soll das jetzt das ganze Leben so weiter gehen, jeden Tag sechs Stunden üben und immer wieder die gleiche Stücke spielen?», fragte sie sich und beschloss, eine Leitungsfunktion anzustreben. Sie machte, damals noch bei Willi Renggli, eine Schuleiterinnenausbildung und wurde 2002 an der Musikschule stellvertretende Schulleiterin. 2012 ging Emanuel Arbenz in Pension und Brugnoni übernahm die Leitung der Musikschule: «Die zeitliche Belastung war ab 2012 so gross, dass ich kaum mehr Zeit zum Üben hatte». Unterrichtet hat sie immer und tut es heute noch gerne. Das schrittweise Loslassen ihres Instruments sei für sie kein Problem gewesen, denn sie sei kein Mensch, der das ganze Leben lang das Gleiche tue: «Ich habe immer wieder die Veränderung gesucht». Diesen Grundsatz hat sie auch musikalisch verwirklicht. Sie absolvierte in Basel und Neuchâtel ein Zweitstudium in Gesang und arbeitete 30 Jahre lang als Altistin: «Der Gesang eröffnete mir eine riesige Welt und eine neue, unermessliche Literatur».

Sieben Jahre Leitung
Was hat sich in den sieben Jahren unter Anna Brugnonis Leitung an der Musikschule getan? Ihr Amtsbeginn fiel mit dem gloriosen Sieg des Gegenvorschlags der Musikinitiative im September 2012 zusammen und die Musikwelt hatte hehre Ziele für die Zukunft der Musikalischen Bildung. Schauen wir doch kurz nach, was Brugnonis Vorgänger bei seinem Abschied für die Zukunft der Musikschulen angedacht hatte (SMZ-Verbandsseiten Juni 2012): Er wünschte sich mehr Zusammenarbeit und Koordination mit den Schulen, wollte weg vom Image der Freizeiteinrichtung und hin zur Bildungsinstitution; neue Unterrichtsformen, auch in Verbindung mit andern Kunstformen, sollten gefunden werden. Bei alldem wollte er den Kernbereich des instrumentalen Unterrichts geschützt wissen. Brugnoni atmet tief durch und beginnt mit einem Negativbeispiel: «Im Fall der Musikalischen Grundkurse (heute Musik und Bewegung) ist genau das Gegenteil von Emanuels Ideen eingetreten. Sie wurden im Jahr 2015 von der Musik-Akademie abgekoppelt und direkt der Volkschule unterstellt». Ernüchtert zeigt sie sich auch über die Auswirkungen des Verfassungsartikels 67a. Ausser dem Programm Jugend und Musik, dessen Nutzen für ihre Schule marginal sei, habe der Musikartikel den Basler Institutionen bis jetzt nichts gebracht. Bei der Begabtenförderung tue sich langsam etwas: «Das könnte dazu führen, dass die Förderung schweizweit koordinierter abläuft. Das wird unsere erprobte Zentrumsfunktion stärken».

Neues entwickeln – Erprobtes pflegen
Die Habenseite wiegt deutlich schwerer: In Brugnonis Amtszeit hat die Entwicklung an der Jazzschule so richtig Fahrt aufgenommen. Vor sieben Jahren gab es dort noch keine Kinder. Heute ist es üblich, direkt dort mit dem Unterricht anzufangen. Stichwort «Zusammenarbeit mit den Schulen»: Erfreut zeigt sie sich über die Kooperation mit dem direkt nebenan liegenden Gymnasium Leonhard, die gerade jetzt projektmässig weiter ausgebaut werden soll. Die Zusammenarbeit mit den Volksschulen wird zukünftig das wichtigste Dauerthema bleiben und konkrete Projekte sind im Aufbau. Stichwort «Breitenförderung»: Dem Angebot im Vorschulbereich wurde in den vergangenen Jahren grosse Beachtung geschenkt. Der sogenannte «Vorschulchor» habe zum Beispiel gross eingeschlagen. Weitere Bestrebungen laufen in Richtung «Ensemble für alle»: Geplant ist, dass jede Schülerin, jeder Schüler demnächst Einzelunterricht und Ensemble mit einem Tarif als ein Paket buchen kann und der Ensemblebesuch damit gratis würde.
Stichwort «Neue Unterrichtsformen»: Die noch von Arbenz initiierte Zusammenarbeit mit dem K’werk Bildschule wurde sehr erfolgreich aufgebaut. Für den Workshop «Kleine Monster – grosse Töne» gewann die dafür zuständige Fachgruppe Bild&Ton 2018 den ersten Preis des VMS-Best Practice-Wettbewerbs. Stichwort «Freizeitangebot»: «In Basel wird der Instrumentalunterricht als Bildungsangebot wahrgenommen», betont Brugnoni. Natürlich müsse man die Kinder «niederschwellig» abholen, doch wenn es um den Unterricht geht, halte man den Anspruch bewusst hoch.
Man rede immer vom Erneuern, aber es gehe genau so ums Bewahren von Errungenschaften, davon ist Anna Brugnoni überzeugt. Was ihre persönliche Zukunft betrifft, gibt sich sie sich sibyllinisch. Unterrichten? Vielleicht, «aber es könnte genauso gut sein, dass ich eine neue Sprache lerne, einen Gemüsegarten anlege oder auf Reisen gehe».

 

 

 

 

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